Musikvideo des Monats: Juni 2010
Veröffentlicht: 02.07.2010 um 23:56 von Schaffi
Stichworte clip, juni, musikvideo, video, videoclip

Nun sind wir so weit. Sage und schreibe 50 Musikvideos habe ich mir für Juni 2010 angesehen und obwohl ein paar ganz ordentliche Clips dabei waren, fällt es mir ungemein schwer, eine würdige Top 5-Liste zu erstellen. Dafür gab es einfach zu wenig Außergewöhnliches, das aus der breiten Masse heraussticht. Dabei waren eine ganze Menge großer Namen am Start. AIRBOURNE zum Beispiel, die mit einem Flugzeug voller knapp bekleideter Blondinen einen Männertraum auf Video gebannt haben. Feucht ist letztlich aber nicht der Traum, sondern die verschwitzten Oberkörper der Musiker, die man sich zwischendrin immer antun muss. Dafür hat "Blonde, Bad And Beautiful" einen nett gemeinten Twist und das ist ja auch schon was.
Allgemein ist viel passiert im Juni. So haben sich auch KORN zurückgemeldet, wobei der Film zur Single "Oildale (Leave Me Alone)" mir zu routiniert ausgefallen ist, da fehlt mir irgendwo die Seele bzw. der rote Faden. Einen solchen haben THE GHOST INSIDE nicht nötig, denn die schmeißen mit "Unspoken" einfach eine Gartenparty und halten das Ganze in Tony Scott-Digioptik fest. Nicht spektakulär, aber die Band hatte Spaß. Das kann man vom Protagonisten in KITTIEs "Die My Darling" nicht behaupten. Ein hipper Hardcoreler, der sich als Klischee-Pädophiler verkleidet hat, wird von einer coolen Mädchengang gejagt und zu Tode geprügelt. Ein Motiv oder gar Sinn darf man dabei nicht erwarten. Schade, denn immerhin ergötzt man sich dort nicht an der hunderttausendsten Greenscreen-Performance. Eine solche in gut haben DROWNING POOL fabriziert. "Turn So Cold" zeigt in stimmigen Kameraaufnahmen die Band in einem Raum aus Eisblöcken. Eigentlich nicht sonderlich spektakulär, gefällt mir aber trotzdem - vielleicht liegt das aber auch nur an der hübschen Dame, die die eine oder andere Einstellung veredeln darf.
Einen sehr ruhigen, nachdenklichen Ansatz verfolgen NEVERDREAM, die bei "Secrets" auf viele Close-Ups setzen und so die Schattenseite eines Bürgerkriegs mit der gewissen Portion Reflexion anpacken. Dass man mit Krieg indes auch anders umgehen kann, beweisen FIVE FINGER DEATH PUNCH, deren "Bad Company" Szenen ihres Besuchs bei der in Irak stationierten US-Armee zeigt. Mehr blinder Patriotismus geht nicht. Ungleich enttäuschender, weil von einer etablierteren Band, fällt "Emptiness Unobstructed" aus. Da hätten sich NEVERMORE echt mehr einfallen lassen können, als einen, zugegeben qualitativ ansprechenden, aber sonst eher langweiligen Live-Mitschnitt. Dass man auch ohne große Ideen zumindest ein solides Video drehen kann, machen derweil EQUILIBRIUM mit "Der ewige Sieg" deutlich. Zur gut gefilmten Performance in schwarz gesellen sich wirklich schöne und stimmige Aufnahmen der Alpen. Das passt immerhin. Einen Tick besser gefällt mir "Higher" der Symphonic Metal-Band EDENBRIDGE. Deren Sängerin neigt zwar vor der Kamera zu leichtem Overacting, dafür gibt es im parallel laufenden Handlungsstrang einen ganz gut inszenierten Schwertkampf.
Ein wenig einfallslos kommt "The Darkest Day Of Man" von WHITECHAPEL daher. Eine gewöhnliche Close-Up-Performance paart sich mit einem animierten, recht brutalen, maschinellen Kreislauf, den wir so auch zuvor schon besser bei AS I LAY DYING gesehen haben. Zu den Amerikanern kommen wir aber noch. Bevor wir nun zur Fremdschäm-Rubrik kommen noch ein paar annehmbare Videos im Schnelldurchlauf: SISTER SIN haben mit "Outrage" eine solide Performance im Gepäck, bei der sogar an der Decke eine Orgie stattfindet. AEON setzen ihren konsequenten Anti-Religions-Feldzug fort und präsentieren die Rachegeschichte gegen einen pädophilen Priester. "Forgiveness Denied" ist quasi Programm. IN THIS MOMENT verschenken mit "Gunshow" jede Menge Potenzial. Was wie ein cooler Western beginnt, wird bald zum einfachen Konzert. Immerhin ist das Set cool. ORDEN ORGANs "Easton Hope"-Festivalmitschnitt und KREATORs Durchschnittslivevideo "Destroy What Destroys You" nehmen wir noch der Vollständigkeit halber mit.
Jetzt aber zum Fremdschämen! Da wären CORONATUS mit "Kristallklares Wasser". Nicht unbedingt wegen der Musik, das ist Geschmackssache, sondern wegen dem 90er Flair, das zusammen mit dem zur Schau gestellten Ausdruckstanz der beiden Frontfrauen schon den einen oder anderen Schmunzler hervorrufen mag. Viel lustiger ist aber "Ohne Dich" von UMBRA ET IMAGO. Nicht nur ist der Text völlig grenzdebil und abgedroschen, sondern auch die Schauspielkünste des Sängers sind immer wieder für einen Lacher gut. Schließlich wären da noch CRACKDOWN, die bei "Enough Is Enough" einen Prollfaktor an den Tag legen, der sich deutlich in Richtung CUNTHUNT 777 orientiert.
Ein Sonderlob verdienen sich TRASHCANNED mit "Imperious". Wenig Budget, aber ein respektables Ergebnis - mein Respekt gebührt den Österreichern. Auf der Zielgeraden gestolpert sind INDICA, die mit "Islands Of Light" eine sehr schöne Performance-Leistung mit toller Location abgeliefert haben. Auch nicht ganz geschafft haben es THE CHARIOT, die einen wilden Live-Auftritt mit einem Cartoon paaren, indem die Hauptfigur blob-ähnlich andere Leute absorbiert und so zu riesiger Größe anwächst. Passend der Titel: "Evolve".
#5 | AS I LAY DYING - Parallels
Kein schlechtes Musikvideo, aber eigentlich auch kein Fall für die Top 5. Aus Mangel an Alternativen haben es AS I LAY DYING trotzdem geschafft. Man hat durchgestylte Aufnahmen der Band mit einem maschinellen Ablauf gekreuzt, dem Menschen auf dem Fließband hilflos ausgeliefert sind. Zusammen mit einem entsprechend modernen Schnitt also eine runde Sache.
#4 | NAPALM DEATH - On The Brink Of Extinction
Der schwarz-weiß-Stil aus den Anfangstagen des Films eignet sich für Metal-Videos immer gut. Vor allem, wenn man ihn noch mit Militärszenen und Atombomben-Explosionen ergänzt. Dazu noch geschickt implementierte Szenen von einem NAPALM DEATH-Konzert und schon hat man mit "On The Brink Of Extinction" ein todsicheres Endresultat.
#3 | SÓLSTAFIR - She Destroys Again
Das wohl kunstvollste Video dieses Monats. Von handgemacht wurden hier zahllose Bilder aneinandergereiht, die so ein äußerst stilsicheres Ganzes ergeben. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass jedes der Bilder von Hand bearbeitet wurde und folglich eine Riesenarbeit hinter "She Destroys Again" steckt. Das Ergebnis ist sehr künstlerisch und eigenwillig; und wird nicht jedem zusagen. Ich finde aber, dass der Mut und die Kreativität belohnt werden sollen.
#2 | CRYSTAL TEARS - Nightmare Serenade
Nein, eine professionelle Produktion ist das nicht. Aber CRYSTAL TEARS geben sich wirklich große Mühe, in acht Minuten eine kleine Horror-Geschichte ganz im Stil von Dr. Jeckyll und Mr. Hide zu erzählen. Das gelingt auch ziemlich gut und sogar die Atmosphäre passt. Einziger Wermutstropfen bleibt wohl das gezwungene Vibrato des Sängers, das nicht ganz zu diesem Horrorszenario passen will.
#1 | PARKWAY DRIVE - Sleepwalker
Eine fantastische Idee ist meist der Grundstein für ein großartiges Musikvideo. Im Fall von PARKWAY DRIVE erlebt man den Clip aus den Augen einer wohl schlafwandelnden Person - der Titel "Sleepwalker" lässt grüßen. Und wie es in Träumen so ist, passieren in sonst alltäglichen Situationen plötzlich die merkwürdigsten Dinge. Hochhäuser werden zu riesigen Monstern und ehe man sich versieht, befindet man sich von einem Augenblick auf den anderen an einem ganz anderen Ort. Das alles haben PARKWAY DRIVE mit CGI-Hilfe in ihr neues Video gepackt. Für mich der beste Beitrag der vergangenen 30 Tage.
Kommentare 0
Kommentare
Trackbacks 0


