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Musikvideo des Monats: August 2010

Veröffentlicht: 04.09.2010 um 15:33 von Schaffi



Mit urlaubsbedingter Verspätung suchen wir wieder einmal das Musikvideo des Monats. Überraschenderweise war der August richtig hochkarätig besetzt, man möchte fast meinen, der durchschnittliche Performance-Clip habe ausgedient. Ganz stimmt das natürlich nicht, trotzdem war die durchschnittliche Qualität diesen Monat besonders hoch.

Den Anfang mach LIV KRISTINE mit "Skintight". Im Prinzip ein Popsong und genauso kunterbunt präsentiert sich der Clip. Nichts außergewöhnliches, aber für LIV-Fans mit Sicherheit das Paradies. Denn die können ihre Lieblingssängerin in drölf verschiedenen Outfits bewundern. Stets ein Garant für witzige und kreative Videos sind IWRESTLEDABEARONCE. Mit "Danger In The Manger" hat man wieder eine originelle Ausgangssituation benutzt, um ein eigentlich auf die Band fixiertes Video zu einem wahnwitzigen wie skurrilen Erlebnis zu machen. Ein farbenfroher Drogentrip, den man einfach gern haben muss. Dagegen fällt "A Voice In The Dark" von BLIND GUARDIAN schon stark ab. Mit teils schlechten CGI-Effekten steht die Band in einem gerenderten Aztekentempel und spult ihr Programm herunter. Chance vertan. Ihr zweites Musikvideo zum neuen Album haben END OF GREEN am Start. "Tie Me A Rope...While You're Calling My Name" heißt das gute Stück und besteht aus schönen Naturaufnahmen in kalten Farben, durch die die einzelnen Musiker schreiten. Das Ganze endet jeweils mit einem Sprung ins kühle Nass. Einerseits offen für Interpretationen, aber das mit dem Kopfsprung sollten wir noch einmal üben.

Ganz ohne 08/15-Video geht es natürlich auch nicht. "Einhärjar" von KING OF ASGARD tut mit seinem Lagerhallen-Setting sein Möglichstes, um zu langweilen. Immerhin ist die Farbwahl und die Kamera gelungen. Ein überraschend gutes Filmchen hat die christliche Metalcore-Band CORPUS CHRISTI abgeliefert. In "Monuments" zeigt sie sich erstaunlich kritisch gegenüber fanatischen Glaubenspredigern. Eigentlich ein toller Clip, der nur durch das konforme Läuterungsende ein wenig verwässert wird. Mit "Push The Venom" wollten KATAKLYSM eigentlich an die netten Videos von Sänger Maurizios Soloprojekt EX DEO anknüpfen. Aus trashigen Geschichten wurde aber nichts, stattdessen gibt es trashige Greenscreen-Hintergründe, langweilige Bandszenen und Bikini-Walküren. Unterhaltsam ist das leider nicht. Da gefällt mir ein dreckiger Performance-Auftritt wie in VEIL OF MAYA mit "Unbreakable" hinlegen schon deutlich besser. Noch kränker wird es bei "Automata" von RETURN TO EARTH. Das Video besteht quasi aus Makroaufnahmen, die konfus aneinander geschnitten wurden, teils Getier und teils menschliche Körperteile zeigen. Immerhin: Zur Musik passt das bestens. Für die Black Metal-Fraktion haben NOCTEM ein hochwertiges Video gedreht, das mit guten Effekten aufwartet und sogar so etwas wie ein Handluingsgerüst hat. "Divinity" darf man gerne antesten. Dagegen zeigen sich SOLUTION.45 weitgehend indeenlos und spielen vor schwarzem Hintergrund ihren Hit "Gravitational Lensing" herunter. Lahm.

Mit ihrem dritten Video meldet sich indes die Girlband INDICA zurück. "Precious Dark" ist nichts außergewöhnliches, verkörpert den typischen Videoclip, ist aber ausgesprochen stimmig umgesetzt. NIGHTFALL haben ihr "Ambassador Of Mass" gleich als reduzierten Schwarz-Weiß-Comicclip realisiert, der eine große Schlacht im alten Griechenland visualisiert. Den Sonderpreis für das beste B-Movie bekommen BONDED BY BLOOD. "Prototype: Death Machine" spielt in der dystopischen Zukunft, in der die Band eine Rebellion anzettelt und dabei Unterstützung von einem Cyborg erhält. Dass der Bösewicht einen Powerglove trägt und der Cyborg stark an Kano aus "Mortal Kombat" erinnert, zeigt nur, dass die Thrasher im echten leben wohl ganz schöne Nerds sind. Das macht das Video aber nur sympathischer. In Sachen Unterhaltungsfaktor ganz oben mit dabei.

#5 | DISTURBED - Asylum

Klar, DISTURBED können mittlerweile auf ein beachtliches Budget zurückgreifen. Dementsprechend hochwertig und routiniert ist "Asylum" geworden. Doch keinesfalls weichgespült. Das Video erzählt die Geschichte eines Insassen in einer geschlossenen Anstalt, der irgendwo zwischen Wahn und Realität vergisst, was nun den Tatsachen entspricht. Seine Fluchtversuche schlagen fehl und er sieht sich immer wieder erneut den Experimenten seiner Peiniger ausgesetzt. Oder finden seine Ausbrüche nur im Kopf statt?


#4 | THE SWORD - Tres Brujas

"Tres Brujas" stellt den Auftakt einer Trilogie dar, die eine zusammenhängende Story erzählen sollen. Wie es bei Expositionen oftmals ist, kann man die letztliche Qualität bislang nur erahnen. Was jedoch jetzt schon zu sehen ist, sind die guten Effekte, die tolle visuelle Umsetzung und der rote Faden, der sich langsam zu entspinnen beginnt.


#3 | THE MAN-EATING TREE - Out Of The Wind

Eigentlich ist "Out Of The Wind" das, was man von großen Rock-Bands erwartet. Zwischen wunderschön gefilmten Band-Szenen im Sand erzählen THE MAN-EATING TREE eine bittere Geschichte, die letzten Endes tiefer geht und Dunkleres zutage fördert, als man zunächst annimmt. Vielleicht nicht der außergewöhnlichste Vertreter seiner Art, doch zweifellos einer der stimmigsten in diesem Monat.


#2 | BEHEMOTH - Alas, Lord Is Upon Me

Auf BEHEMOTH ist Verlass. Die Polen haben sich schon immer viel Mühe mit ihren Videos gegeben und das ist auch diesmal nicht anders. "Alas, Lord Is Upon Me" ist ein obskures, künstlerisches Werk, das Raum für Interpretation bietet und mit der Kirche einmal mehr hart ins Gericht geht. Vielleicht wird die Band hiermit stark polarisieren, ein ungewöhnliches Werk ist ihnen dafür in jedem Fall gelungen.


#1 | SABATON - Uprising

Wie verfilmt man einen Song, der sich um die polnischen Aufstände während des zweiten Weltkriegs dreht, ohne diesem Thema respektlos gegenüberzutreten? SABATON haben sich für "Uprising" eine Reihe von professionellen Schauspielern ins Boot geholt und dieses Engagement zahlt sich aus. Die Produktionswerte sind von höchster Qualität, die Schauspieler allesamt überzeugend und ein Gewinn für das Projekt. "Uprising" liefert ein schonungsloses Bild der Unterdrückung durch die Nazis und ein Happy End sollte man dementsprechend nicht erwarten. Glücklicherweise ergötzt sich der Clip nicht an seinen Bildern, sondern wahrt immer ein gewisses Maß an Nüchternheit und Distanz. Einzig das martialische Outfit der Band in den wenigen Performance-Ausschnitten hätte so vielleicht nicht unbedingt sein müssen. Dennoch: "Uprising" ist das Musikvideo des Monats August 2010 - und ein würdiges noch dazu!
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