Interview 101
Veröffentlicht: 23.08.2009 um 19:29 von Jutze
Dieser Eintrag ist für alle, die wissen wollen, wie lange ich brauche, um ein Interview abzutippen und was dabei sonst noch "hinter den Kulissen" abläuft. Vampster backstage quasi.
Um ein 30-minütiges Gespräch (entspricht der durchschnittlichen Dauer) abzutippen, brauche ich 3 Stunden + x.
Nach Möglichkeit bereite ich Fragen ausformuliert vor. Die Einstiegsfrage killt mich immer wieder, zumal man bei Gesprächen vorher natürlich noch Begrüßungs-Blabla hat. Ich habe erst kürzlich eine Aufnahme von 2003 angehört, wo ich auf das "How are you?" von John Arch ihm die Geschichte von meiner Wohnung am See erzählte. Schauderhaft. Trotzdem: Mental muss man sich darauf einstellen, dass Rückfragen kommen, also das Gespräch nicht völlig einseitig verläuft.
Wenn sich ein flüssiges Gespräch ergibt, gut; dann kann man auch spontan sich Fragen ausdenken bzw. einfach labern. Aber häufig findet ein "Abarbeiten" vorbereiteter Fragen statt. Nachhaken erlaubt, sodenn nichts anderes vereinbart wurde.
Wortwörtlich brauche ich für 30 Minuten Gespräch ca. 3 Stunden (10-Finger-Maschinenschreiben). Dazu kommt noch eine gute Stunde, wenn man beim Tippen bereits Satzbau und Sprache "glättet", wozu ich nach jeder Antwort dringend rate. Eine weitere Stunde geht fürs Layout drauf. Abschließend empfiehlt es sich, jemand anderes drüberlesen zu lassen, um die Sprache weiter zu glätten (also lesbarer zu machen) und Schreibfehler auszumerzen. Könnte man auch selber machen, aber an diesem Punkt hasst man den Text bereits und übersieht vieles.
Apropos: Unweigerlich hasst man sich und v.a. den Klang der eigenen Stimme. Man stellt fest, dass man ständig (also wirklich ständig) Äh, Well, Ok, Mh o.ä. sagt. Nach jedem Satz. Hilfreichstes Gegenmittel: Sofort nach dem Gespräch abtippen. Dann ist man gedanklich noch voll bei der Sache und muss nicht hinterher überlegen, ob jetzt polypeptikolamine oder polypepticyclomine das Wort war, dass da im Nuscheln unterging. Danach drüber schlafen und am nächsten Tag oder so abschließende Korrekturen usw. vornehmen.
Beim Abtippen springe ich mit der Maus ständig vom Texteditor zum Tonabspielprogramm und zurück. Doof. Es gibt dafür spezielle Fußpedale. Habe ich aber nicht. Also: kleine Chunks abspielen, Halbsätze oder einzelne Worte. Merken. Tippen. Nächster Chunk. Das geht am schnellsten; schneller als ganzen Satz anhören. Tippen. Nachhören. Korrigieren. Nachhören. Korrigieren. Nächster Satz.
Fragen sollten nicht mit ja/nein zu beantworten sein, sondern "Wie war/ist das?" "Wie kommt es, dass?" "Beschreiben Sie..." "Was haben Sie erlebt?" lauten, damit man Geschichten zu hören bekommt.
Wenn die Leute gewohnt sind, Interviews zu geben, neigen sie zu Floskeln. ("Unser neues Album ist unser bestes.") Hier helfen originelle Fragen. ("Welche einsame Insel würdest du gerne mal auf ein Album tun?" "Reitest du gerne?") Auch das Gegenteil ist möglich: einsilbige Antworten. Keine Ahnung, was für eine Strategie einem da weiterhilft. Ich frage eben immer nach Blödsinn. Hier mal ein Erste-Hilfe-Kasten:
Wider Erwarten machen Interviews trotzdem oft Spaß.
Um ein 30-minütiges Gespräch (entspricht der durchschnittlichen Dauer) abzutippen, brauche ich 3 Stunden + x.
Nach Möglichkeit bereite ich Fragen ausformuliert vor. Die Einstiegsfrage killt mich immer wieder, zumal man bei Gesprächen vorher natürlich noch Begrüßungs-Blabla hat. Ich habe erst kürzlich eine Aufnahme von 2003 angehört, wo ich auf das "How are you?" von John Arch ihm die Geschichte von meiner Wohnung am See erzählte. Schauderhaft. Trotzdem: Mental muss man sich darauf einstellen, dass Rückfragen kommen, also das Gespräch nicht völlig einseitig verläuft.
Wenn sich ein flüssiges Gespräch ergibt, gut; dann kann man auch spontan sich Fragen ausdenken bzw. einfach labern. Aber häufig findet ein "Abarbeiten" vorbereiteter Fragen statt. Nachhaken erlaubt, sodenn nichts anderes vereinbart wurde.
Wortwörtlich brauche ich für 30 Minuten Gespräch ca. 3 Stunden (10-Finger-Maschinenschreiben). Dazu kommt noch eine gute Stunde, wenn man beim Tippen bereits Satzbau und Sprache "glättet", wozu ich nach jeder Antwort dringend rate. Eine weitere Stunde geht fürs Layout drauf. Abschließend empfiehlt es sich, jemand anderes drüberlesen zu lassen, um die Sprache weiter zu glätten (also lesbarer zu machen) und Schreibfehler auszumerzen. Könnte man auch selber machen, aber an diesem Punkt hasst man den Text bereits und übersieht vieles.
Apropos: Unweigerlich hasst man sich und v.a. den Klang der eigenen Stimme. Man stellt fest, dass man ständig (also wirklich ständig) Äh, Well, Ok, Mh o.ä. sagt. Nach jedem Satz. Hilfreichstes Gegenmittel: Sofort nach dem Gespräch abtippen. Dann ist man gedanklich noch voll bei der Sache und muss nicht hinterher überlegen, ob jetzt polypeptikolamine oder polypepticyclomine das Wort war, dass da im Nuscheln unterging. Danach drüber schlafen und am nächsten Tag oder so abschließende Korrekturen usw. vornehmen.
Beim Abtippen springe ich mit der Maus ständig vom Texteditor zum Tonabspielprogramm und zurück. Doof. Es gibt dafür spezielle Fußpedale. Habe ich aber nicht. Also: kleine Chunks abspielen, Halbsätze oder einzelne Worte. Merken. Tippen. Nächster Chunk. Das geht am schnellsten; schneller als ganzen Satz anhören. Tippen. Nachhören. Korrigieren. Nachhören. Korrigieren. Nächster Satz.
Fragen sollten nicht mit ja/nein zu beantworten sein, sondern "Wie war/ist das?" "Wie kommt es, dass?" "Beschreiben Sie..." "Was haben Sie erlebt?" lauten, damit man Geschichten zu hören bekommt.
Wenn die Leute gewohnt sind, Interviews zu geben, neigen sie zu Floskeln. ("Unser neues Album ist unser bestes.") Hier helfen originelle Fragen. ("Welche einsame Insel würdest du gerne mal auf ein Album tun?" "Reitest du gerne?") Auch das Gegenteil ist möglich: einsilbige Antworten. Keine Ahnung, was für eine Strategie einem da weiterhilft. Ich frage eben immer nach Blödsinn. Hier mal ein Erste-Hilfe-Kasten:
- Was sollte deiner Meinung in nächster Zeit dringend erfunden werden?
- Was für einen Klingelton hast du auf deinem Handy?
- Was ist dein Lieblingsgeruch?
- Wie sieht das perfekte Frühstück aus?
- Wieviel Kaffee trinkst du am Tag?
- Magst du Käse?
Wider Erwarten machen Interviews trotzdem oft Spaß.
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