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Vom Niedergang des Live-Albums…

Veröffentlicht: 30.08.2010 um 11:42 von agony&ecstasy
Stichworte live, live-alben

Ich habe mir schon öfter über eine Sache Gedanken gemacht, nämlich dem Niedergang des Live-Albums. Noch mal ins Gedächtnis gerufen wurde mir die Sache von Kollege Schaffi in seinem Review zu CRYSTAL VIPER´s "Defenders Of The Magic Circle – Live In Germany". Dort schreibt er:

So richtig habe ich den Nutzen oder Mehrwert von Live-CDs ohnehin noch nie verstanden.

Gut, dass ist sicher Geschmackssache. Ich sehe das völlig anders. Für mich bietet ein Live-Album, wenn es dann ein gutes ist, einen hohen Mehrwert. Meilensteine wie "Live & Dangerous" oder "Life After Death" sind für mich wertvolle Veröffentlichungen die ich nicht missen möchte.

Ein weiteres Zitat aus der CRYSTAL VIPER-Review:

Zumeist ist die Live-Aufnahme gerade im Metalbereich deutlich schwächer auf der Brust als ihr Studiopendant und nicht selten kommen dazu auch noch andere Unzulänglichkeiten.

Herr Kollege, mit Verweis auf die oben genannten Veröffentlichungen und viele weitere erlaube ich es mir energisch zu widersprechen! Wenn Jon Oliva bei der Live-Version von "Sirens" auf "Ghost In The Ruins" den Song mit einem energischen "KICK MY ASS!" einleitet oder wenn ARMORED SAINT auf ihrer überragenden Live-EP "Saints Will Conquer" ein Feuer entfachen, dass viele Bands noch nicht mal direkt auf einem Konzert hinbekommen, dann kann von schwächer auf der Brust keine Rede sein. Beide eben genannten Veröffentlichungen enthalten Live-Versionen die ihre Studio-Pendants mit links in den Straßengraben drängen.

Klar, das tatsächliche Erlebnis Live-Konzert kann kein Live-Album der Welt zu auch nur annähernd ersetzen, doch die zusätzliche Energie, die bei guten Live-Aufnahmen rüber kommt, das Publikum, die Ansagen, eventuelle Änderungen der Songs, Jam-Parts und so weiter bringen das Live-Feeling zumindest ein wenig ins Wohnzimmer, bieten einfach noch mal ein anderes Erleben der Musik als beim Hören eines Studioalbums.

Aber ja, die Zeit der richtig großen Rock und Metal-Bands ist irgendwie vorbei und somit geht vielleicht auch das Live-Album seinem Ende entgegen. Immerhin, die Beispiele von weiter oben haben alle schon ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel. Aber ein anderer, wichtiger Punkt, den Schaffi erwähnt ist sicherlich ebenfalls schuld daran, dass Live-Alben nicht mehr den Status haben, den Sie mal hatten.

Einen Kauf rechtfertigt das aber noch lange nicht, denn wie erwähnt veröffentlichen andere Bands vergleichbares Material mitunter als kostenfreie Bonus-Disc in Verbindung mit einem neuen Studioalbum.

Ja, da ist was wahres dran. Das Live-Album ist zur kostenlosen Dreingabe, zum Bonusmaterial verkommen. War es früher toll, wenn einem Album mal zwei Live-Songs als Bonus angehängt waren, so muss es heutzutage gleich ein kompletter Konzertmitschnitt, am besten noch auf DVD sein. Dadurch wird das Format Live-Album als eigenständige Veröffentlichung natürlich abgewertet, denn wieso für etwas bezahlen, dass man bei anderen Bands umsonst bekommt.

Dazu muss man natürlich sagen, dass viele dieser Bonus Live-CDs nicht annähernd mit einem richtig tollen Live-Album mithalten können. Da wird halt irgendein Konzert mitgeschnitten - ist ja heutzutage ganz einfach und auch mit kleinem Budget machbar - damit man Bonusmaterial hat. Ob und wie oft sich das der Käufer der Special-Edition anhört? Keine Ahnung, egal, Hauptsache man hat Bonusmaterial. Die Musik auf einem Album an sich scheint als Kaufanreiz nicht mehr zu reichen. Ganz ehrlich, ein oder zwei schöne Akustik-Songs, B-Seiten oder sonstiges sind mir hundertmal lieber als eine vollgepackte, dahin gerotzte Live-CD. Wer nur solche Live-Aufnahmen kennt, der fragt sich auch zu recht wieso er für so etwas noch Geld ausgeben sollte.

Eine weitere Rolle spielt natürlich auch die Veröffentlichungsflut. Wenn man allgemein weniger Alben kauft, dann spart man natürlich bei Sachen wie Live-Alben erst recht. Und wenn jede dahergelaufene Band nach zwei Studioalben schon meint, ein halbgares Live-Album veröffentlichen zu müssen, dann trägt das auch noch mal zur Misere bei. Bei viel Schrot übersieht man schnell die Perlen.

Was will ich also mit diesem Artikel sagen? Live-Alben sind toll, Live Bonus-Discs sind scheisse? Tolle Live-Alben sind toll, scheiss Live-Alben sind scheisse? Früher war alles besser? Den Drücker nicht reiben? Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht… Es musste halt mal raus.
Kategorie: musik
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Kommentare 1

Kommentare

  1. Alter Kommentar
    Benutzerbild von Schaffi
    Ich denke, du hast den Kern schon halbwegs getroffen. Warum Live-Alben an Wert verlieren, liegt aber meiner Meinung nach nicht nur an der Bonusflut, sondern auch an der Live-Alben-Inflation. Mittlerweile bringt jede halbwegs gestandene Band zu jedem Studioalbum auch eine Liveplatte raus. Mindestens aber zu jedem zweiten und das entwertet viele Veröffentlichungen mit der Zeit einfach.

    Es gibt großartige Live-CDs, keine Frage. Aber im Extrem-Metal-Bereich hat man zumeist entweder die Wahl zwischen einer recht drucklosen Aufnahme und einem künstlich nachbearbeiteten Mitschnitt, bei dem man dann im Prinzip gleich zum Studioalbum greifen kann. Wo ich Live-Alben in der Regel absolut spitze finde, ist im Folk-Bereich, einfach weil da die Musik enorm dazu gewinnt.

    Und zum Fall CRYSTAL VIPER:
    Das ist genau das, was du angeprangert hast: Da wird einfach irgendein Konzert genommen. In diesem Fall das MAGIC CIRCLE FESTIVAL, was ja praktisch ist, denn an Festivalmitschnitte kommt man ohnehin sehr kostengünstig ran. Und so ein lieblos hingeklatschtes Ding findet man eben überall als kostenlose Bonusdisc, ohne dafür noch mal 15€ zahlen zu müssen. Der Mitschnitt ist schlicht mies, lieblos und hingerotzt; das Publikum sowieso nicht vorhanden. Und wenn sowas dann als vollwertiges Live-Album (s. Preis) vermarktet wird, dann braucht es niemanden wundern, wenn Live-Alben in der breiten Öffentlichkeit an Wert verlieren.

    Aber davon abgesehen: Live-Alben sind doch seit jeher Geschmackssache. Ich kenne einige Leute, die Live-CDs per se rein gar nichts abgewinnen können. Dazu zähle ich mich nicht, nur finde ich von 10 Live-Alben vielleicht eines wirklich essentiell.
    permalink
    Veröffentlicht: 30.08.2010 um 12:13 von Schaffi Schaffi ist offline
 
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