Kommentar zum vampster-Artikel TAKtlos: U und E? Oh je!
Liebster Thomas... ;-)
du hättest deine Kolumne auch ruhig aufs Messageboard stellen können - denn irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, du hast sie als Antwort auf meine Messages zur neuen Dornenreich-CD geschrieben... oder war das nur Zufall? Dann wäre es in der Tat ein sehr großer!
Kommen wir nun aber zur Problematik: Natürlich ist nicht all das „E-Musik“, was traurig ist. Die Unterscheidung von E- und U-Musik ist ohnehin schwachsinnig, weil relativ. Ich halte vieles für E-Musik, aber ich setze da andere Prioritäten als andere Leute. Es gibt keinen objektiven Unterschied! Es gibt nur das, was man selbst fühlt, wenn man Musik hört, Texte liest, Filme sieht. Was davon ist Kunst? Die einzige Instanz, um das zu entscheiden, ist man doch nur selbst. Und wenn es dann sehr viele gibt, die ebenso denken, kann man man langsam zu einer Objektivierung finden - aber die wird nie vollständig sein.
Kunst ist das, was man als Kunst ansieht. Wenn ich sage, die Alien-Filme sind wertloser Schrott (ein häßliches Mannsweib ballert im Dunkeln Monster ab - oh, wie gehaltvoll und spannend!) und BrainDead ist ein Kunstwerk, dann ist das wahr für mich. Jemand anders hält Alien vielleicht für künstlerisch wertvoll, aber ich nicht!
Aber wir reden ja eigentlich nicht von Filmen, sondern von Musik, und hier im besonderen von Metal. Einer der Gründe, warum ich Metaller geworden bin, war zu Anfang die Faszination des besonderen, des mysteriösen. Anfangs liebte ich besonders den Gothic Metal, und der grenzte sich von dem Normalen durch einen bestimmten Unterschied ab: die Tiefgründigkeit, das Besondere, der künstlerische Anspruch. Ich befand mich allerdings in einem Trugschluß, denn nicht überall, wo Gothic oder Metal draufsteht, ist auch Kunst drin. ;-) Ich sage dir: Es gibt einen Unterschied im Metal-Bereich, und bei näherer Betrachtung läßt sich dieser Unterschied überall feststellen, wo eine Art der Kunst zu kommerziellen Zwecken (wohlgemerkt: zu kommerziellen ZWECKEN!) ausgeschlachtet wird. Dann entstehen sog. „Overkills“, aber das ist ja Geschichte.
Was ich jetzt die ganze Zeit sagen will, ist eigentlich: Bei allem Relativismus ist es doch irgendwie klar, daß es hier und da Werke gibt, die einen besonderen künstlerischen Anspruch haben. Und ich wage zu behaupten, daß es schlichtweg höherwertiger ist, sich mit dem Wesen des Menschen auseinanderzusetzen als mit irgendwelchen DJ´s. Kunst hat zudem viele Gesichter - ich habe ja schonmal geschrieben, daß sowohl ein Comic als auch ein Gemälde kunstvoll sind - nur erscheint mir persönlich da das Gemälde auf einer höheren Stufe, weil ich für mich da mehr drin entdecke (vielleicht ist es aber auch mal umgekeht, wer weiß?). Und zu behaupten, daß man den Begriff „Kunst“ an nichts festmachen kann, ist schlichtweg inakzeptabel für mich. Kommerz z.B. ist keine Kunst, Kommerz ist die Ausschlachtung bestimmter Dinge zum Zwecke des Geldverdienens. Das hat was mit dem Selbsterhaltungstrieb des Menschen zu tun, aber nicht mit künstlerischem Anspruch.
Ich bin zwar immer sehr vorsichtig, was allgemeine Aussagen angeht, weil ich ein extrem toleranter Mensch bin, aber wenn ich sage, daß etwas ernstgemeinte, hohe Kunst darstellt, dann sage ich das aufgrund der Überzeugung, daß hier Künstler am Werk waren, die sich mit ihrem Herzblut und ihrer ganzen Leidenschaft für ein Werk eingesetzt haben, um sich damit auszudrücken. Und das ist etwas ganz anderes als damit Geld zu verdienen oder damit unterhalten zu wollen (obwohl Unterhaltung auch eine Kunst für sich ist, aber das ist ein anderes Thema), und das kann in jeder Stilrichtung passieren, selbst bei bekannten und berühmten Künstlern. Denn kommerziell erfolgreich zu sein, heißt ja noch lange nicht, kommerziell zu sein.
Okay, lassen wir es erstmal... mir raucht der Kopf...
Andi