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Heavy Metal - die Waffe der Demokratie

Sunday, June 8. 2008

Ein Blick auf die Landkarte deutet daraufhin, dass Heavy Metal in erster Linie ein westliches Kulturgut ist. China, Indien sowie der afrikanische Kontinent sind mit dem Hinweis "Here be no bands beginning with DRAGON..." markiert. Mit Blick auf die politische Entwicklung der letzten Jahrzehnte könnte man sogar so weit gehen, Heavy Metal als Demokratie-Indikator anzusehen. Während in Europa schwedisch-griechische Kollaborationen wie DREAM EVIL gediehen und in den USA das Zeitalter des Bösen angebrochen ist, scheint die "Achse des Bösen" nicht in der Lage zu sein, ihren eigenen Soundtrack zu erschaffen.

Dubai erzwingt mittlerweile mit wirtschaftlicher Macht ein jährliches Festival, doch das Flair einer lebendigen Szene fehlt. Peking und Jakarta (um nur zwei Beispiele zu nennen) sucht man vergeblich auf Tourplänen und in CD-Regalen. Das ist auch gut so, sagen Verteidiger des wahren Glaubens (alias True Metal) vermutlich. Nicht auszudenken, was aus dem traditionellen Metal werden könnte, wenn er sich plötzlich mit Regenwald, Kindersoldaten, Hunger, Ubuntu, Einfuhrzöllen und fremden Religionen beschäftigten würde. Doch neue Perspektiven müssen nicht unbedingt schlecht sein. Südamerika macht Hoffnung. Aus dem Amateurlärm der frühen 80er ist spannende Musik mit exotischen Einflüssen und grenzenloser Leidenschaft geworden. Parallel dazu hat sich der Kontinent politisch zu einer überwiegend freien und demokratischen Gegend entwickelt.

Man muss natürlich auf dem Boden der Realität bleiben. Der Heavy Metal hat es bislang nicht geschafft, die Abholzung des Regenwalds aufzuhalten oder gar umzukehren. IN FLAMES spielen nicht beim Welternährungsgipfel "Watch Them Feed". Langhaarige Gestalten, die HELLOWEEN oder SLAYER nacheifern, werden wohl auch nicht die nationalen Probleme von Guinea, Sudan oder Algerien lösen, sollte der Metal sich dort je etablieren. Langfristig ist die Entwicklung aber sicherlich spannender als die Fußball-EM, zumal Heavy Metal gewöhnlich miteinander und nicht gegeneinander gespielt bzw. erlebt wird.