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Emanzipation im Schwarzmetall-Wald

Wednesday, October 10. 2007
Klar, den ersten Platz in Sachen Posing macht dem österreichischen Black Metal-Bock von WALPURGI so rasch niemand streitig. Doch wie es die Welt der Online-Foren halt so will, ziehen andere Bilder ebenfalls an einem vorüber - zum Beispiel als Avatar anderer User. So erklärt sich auch die Aufmerksamkeit auf die tschechische Schwarzmetall-Truppe ENOCHIAN. Und wie FKK-Strände eher mit dem Osten assoziiert werden, so gibt sich dieses Quintett ebenfalls freizügig. Es gilt: Oben ohne für alle. Und obwohl ENOCHIANs CD-Cover gerne zu den hässlichsten des Genres gezählt werden: In Sachen Emanzipation hat die gemischte Truppe dank Keyboarderin Lilith die Nase vorn. Da ist es wurst, wenn einige Chauvinisten deklarieren, dass die Weiber nix im Black Metal verloren hätten. Nachdem sie dieses Foto gesehen haben, werden sie sowieso allesamt erblinden.

Enochian Bandfoto

Selbstverständlich schliesst dies CD-Covers nicht aus:

Enochian CD cover

Folgende Fragen bleiben jedoch offen: Warum haben ENOCHIAN keine Homepage? Wann wird Leuten, die mehr als ihr Gesicht zeigen beim Posen, endlich klar, dass man in so einem Fall nicht nur das Gesicht mit Corpsepaint zu versehen hat (es heisst schliesslich CORPSEpaint)? Und - wann tauchen die ersten Bilder von schwarzmetallischen FKK-AnhängerInnen auf? Sachdienliche Hinweise zur Klärung der letzten Frage sind willkommen, allerdings nur, wenn Corpsepaint als Stilmittel auch genutzt wird.

Bilderquelle: http://www.metal-archives.com

No really. It's up to you

Friday, October 5. 2007
RADIOHEAD zeigen der Musikindustrie den Stinkefinger und machen deutlich, was sie von deren restriktiven DRM-Maßnahmen halten. Das neue Album "In Rainbows" erscheint zunächst als DRM-freier Download sowie als aufwändiges Vinyl-Boxset. Die reguläre CD-Version folgt erst Anfang des nächsten Jahres. Der Clou: Der Download funktioniert ähnlich dem Prinzip der Donationware, wie es einem bisweilen bei manchen Softwareanbietern begegnet. Der Kunde entscheidet somit selbst, wieviel er bereit ist für das Album zu zahlen, wobei der Mindestbetrag bei einigen Cents liegt. Man kann nur hoffen, dass die Rechnung "Vertrauen statt Kontrolle" voll auf geht.

Einen Unterschied zur Donationware gibt es hier übrigens doch noch: Bezahlt werden muss, bevor die Dateien heruntergeladen werden können. Es ist also auf legalem Weg nicht möglich, sich zunächst ein Urteil über die Musik zu bilden und aufgrund dessen zu überlegen, wieviel einem diese wert ist. Spannend und begrüßenswert ist dieser Schritt von RADIOHEAD aber meiner Meinung nach dennoch - auch völlig unabhängig davon, ob man mit der Musik der Briten etwas anfangen kann oder nicht.

Revolution calling? Oder doch nur ein weiterer Nagel in den Sarg?

Monday, September 24. 2007

Media Control revolutioniert die Charts. So sehen es die Herren zumindest selber. Ich würde sagen: Media Control hauen einen weiteren Nagel in den Sarg des Musikmarktes. Worum genau es geht? Der eine oder andere wird es vielleicht schon gelesen haben: Zukünftig will Media Control die Charts nicht nach Absatz, sprich verkauften Alben sondern nach Umsatz, also eingenommenem Geld auswerten. Das heißt, nicht die Band die die meisten Alben kauft steht an der Spitze, sondern diejenige die mit ihren Laben das meiste Geld macht. Eine einfaches Beispielt: Band A verkauft 10.000 Stück ihres Albums für 13 Euro. Das macht einen Umsatz von 130.000 Euro. Band B verkauft ihr neues Album für 18 Euro und setzt in derselben Woche 8.000 Scheiben ab. Das ergibt einen Umsatz von 144.000 Euro. Trotz der Tatsache dass Band A 20% mehr Alben verkauft hat als Band B, steht letztere in den Charts weiter vorne.

Was heißt das für den Konsumenten? Günstige Angebote zum Erscheinungstermin wie zuletzt bei den neuen Scheiben von AUDIOSLAVE und VELVET REVOLVER oder Newcomer-Preise wie für das SANCTITY-Debüt wird es kaum noch oder zumindest weniger geben. Die Plattenfirma würde ja durch einen niedrigen Preis eine Charts-Platzierung und somit Werbung aufs Spiel setzen. Bisher konnte man mit einem günstigen Startpreis vielleicht zusätzliche Käufer locken und somit die Chance auf eine Charts-Platzierung erhöhen. Das wird zukünftig so wohl nicht mehr gehen. Stattdessen darf sich der treue Fan darauf einstellen für die Alben seiner Favoriten, die er natürlich direkt am Release-Tag haben will noch tiefer als bisher in die Tasche greifen zu müssen.

Klar, den Underground, die kleineren Bands und Labels wird dies nicht betreffen. Da spekuliert ja eh niemand auf eine Charts-Platzierung. Die größeren Labels werden das Spiel aber sicherlich mitspielen, darunter leiden muss mal wieder der Konsument. Denn ganz ehrlich, wer von euch will freiwillig ein paar Wochen warten wenn das neue Album einer eurer Lieblingsbands im Regal steht?

Mit BLIND GUARDIAN-Gitarrist Marcus Siepen hat auch schon ein Musiker, der von dieser neuen Regelung mit Sicherheit betroffen sein wird ins einem privaten Blog hierzu Stellung bezogen. Da fragt man sich doch, wem Media Control mit dieser "Innovation" einen Gefallen tun wollte. Oder wollte sich da nur jemand als großer Innovator profilieren? Für mich ist diese kleine Meldung nur ein weiterer Beleg dafür, dass es im Musik-Biz nur noch um Kohle geht. Das weiß man natürlich nicht erst seit gestern, aber hier wird es einem mal wieder deutlich vor Augen geführt.