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Media Control Revisited

Saturday, April 26. 2008

Es ist schon eine Weile her, da habe ich hier die neue Bewertungsgrundlage für die Charts seitens Media Control kommentiert. Nun hatte ich gestern ein Erlebnis, welches mir eine direkte Folge eben dieser neuen Wertung von CD Verkäufen nach Umsatz statt Absatz zu sein scheint.

Angefangen hat alles letzte Woche als ich beim Elektrogroßhandel um die Ecke, nennen wir ihn der Einfachheit halber mal Uranus, die neue WHITESNAKE-CD erblickte, in der Normal-Edition für 17,99. Es war am Veröffentlichungstag. War mir zu teuer, also habe ich sie liegen lassen. Als ich dann gestern wegen der neuen TESTAMENT-CD selbiges Ladenlokal erneut aufsuchte kostete die CD plötzlich nur noch 13,99.

Vier Euro Preissturz in einer Woche? Ob das mit der neuen Wertung von CD Abverkäufen für die Charts zu tun hat? Man weiß es nicht...

PS: Ja, ich war so doof und habe mir die neue TESTAMENT sofort geholt anstatt auch hier auf den unvermeidlichen Preissturz zu warten? Dumm? Irgendwie schon, oder?

PPS: Eigentlich müsste man ja jetzt bei JEDER CD ein bis zwei Wochen mit dem Kauf warten, dann würden sich gewisse Leute vielleicht mal Gedanken machen. Als Konsumenten haben wir diese Macht. Aber wie ich an mir selbst sehe ist das manchmal gar nicht so einfach...

Für die Musikindustrie läuft es wieder besser

Wednesday, April 2. 2008
Der Bundesverband der Musikindustrie hat in seiner Jahrespressekonferenz bekannt gegeben, dass es aufwärts geht - ganz vorsichtig formuliert: "Die Signale zur Wende zum Besseren mehren sich", so steht es in der Pressemitteilung. Rund 149 Millionen CDs wurden 2007 verkauft - ungefähr genauso viele wie 2006. Der Download-Markt wächst, rund 35 Millionen Downloads entsprechen einem Plus von fast 40 Prozent. Wie viel CDs und Downloads von Metal- und Rockfans gekauft wurde, lässt sich leider nicht sagen - ich vermute aber, dass es eine eine ganze Menge war.

Doch so einfach ist es nicht: Längst vorbei sind die fetten Jahre, in denen man Fans schröpfen konnte mit lieblos gemachten CDs, mit Neuauflagen und zusätzlichen limitierten Editionen mit Bonusmaterial, die erst Wochen nach der Veröffentlichung im Laden stehen. Wer heute Musik verkaufen will, muss mehr bieten: Unkomplizierte, günstige Downloads und - für alle, die sich mit digitaler Musik nicht anfreunden können - CD-Editionen, die mehr sind als eine Plastikscheibe und ein dünnes, vierseitiges Booklet. Ich wünsche mir deshalb, dass es trotz des Trends zum digitalen Geschäft auch weiterhin schöne Digipacks, Box-Sets, LPs und aufwändige Special Editions geben wird.

Die größte Plattensammlung der Welt...

Monday, February 18. 2008

Wenn ihr nach dem Erwerb diverser IRON MAIDEN-Raritäten noch etwas Kohle übrig habt, könnt ihr euch ja mal hieran versuchen: Bei ebay steht momentan die wohl größte Plattensammlung der Welt zum Verkauf. Diese besteht aus über drei Millionen Platten und 300.000 CD´s quer durch alle Genres. Wenn ihr also die richtige Beschallung für wirklich JEDE denkbare Alltagssituation haben wollt, schaut doch mal ob ihr die drei Millionen für das Startgebot locker machen könnt.

Da komme ich mir mit meinen knapp Tausend Tonträgern plötzlich echt mal armselig vor ;-)

Bückware

Wednesday, January 16. 2008
Als ich Anfang der 90er anfing, harte Musik zu hören, waren Heavy Metal-Abteilungen in größeren Plattenläden eher noch die Ausnahme. Nicht selten waren die Alben bei Pop/Rock einsortiert. Separate Neuheiten- und Chart-Regale gab es dagegen überall, schließlich sorgten diese beiden Bereiche für den meisten Umsatz. Mittlerweile kann der Umfang des Metal-Angebots in vielen Läden mühelos mit dem des Pop/Rock-Standardprogramms konkurrieren. Ein Hauptgrund dafür dürfte die Verlagerung des Mainstreamumsatzes auf Aktionsangebote sein. In den letzten vier Wochen suchte ich gleich zweimal vergeblich im A-Z-Sortiment (DVDs, 24 und 300 (=324?)), nur um auf Nachfrage bei den Preisschlagern doch noch fündig zu werden. Diese Tendenz erleichtert der Käuferschaft zwar die Entscheidung, entmündigt sie aber zugleich. Denn Newcomer, die nicht das Glück hatten, bei einer größeren Plattenfirma unterzukommen, werden zu Bückware degradiert - wenn sie überhaupt noch ins Sortiment genommen werden. Ich persönlich mag es herumzustöbern und begrüße es, wenn das Angebot komplett und alphabetisch sortiert ist. Um einen Überblick zu bekommen, konnte man früher einfach fragen. In altgedienten Metal-Läden (und besseren Multimediakettenfilialen) geht das auch heute noch. Aber wenn die Entwicklung - sowohl der Veröffentlichungsflut als auch der Sortimentausdünnung - ungehindert weitergeht, wird es im Heavy Metal irgendwann ebenfalls eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geben.

Mögliche Maßnahmen gegen die Verbreitung von noch unveröffentlichten CDs

Sunday, December 30. 2007

Die Tonträgerindustrie beklagt sich (zu Recht), dass schwarze Schafe im Musikjournalismus die vorab zugesandten Promos (illegal) im Internet verbreiten. Als Gegenmaßnahme werden seit geraumer Zeit immer wieder Promo-CDs verstümmelt, d.h. es gibt Voice Overs (eine freundliche Stimme, die alle zwei Minuten mitteilt, was man gerade hört), Pieptöne (Piep, Piep, kleiner Satellit?) oder Überblendungen, bei denen die erste und letzte halbe Minute von jedem Stück ineinander übergehen (so wird jedes Album zum überlangen Progressive Metal-Epos). Dadurch wird das Hörerlebnis zum Teil erheblich gestört - was natürlich Sinn der Sache ist. Besagtes Hörerlebnis ist jedoch zentraler Bestandteil einer Rezension, so dass man vor der paradoxen Aufgabe steht, etwas zu besprechen, das man nicht vollständig gehört hat. (Was Vampster dazu bewegt hat, derartige Promos nicht mehr zu besprechen.)

Man kann über das Ausmaß der Hörerlebnisstörung diskutieren. Ich finde allerdings, dass man sich das sparen könnte, wenn die Plattenfirmen Anstrengungen unternähmen, die eingangs erwähnten schwarzen Schafe zu identifizieren und ihnen den Hahn abdreht. Man könnte die Promos individuell zu markieren, zum Beispiel mit einem kaum bzw. nicht hörbaren Morsecode am Ende eines Songs. Der Aufwand wäre hier natürlich groß. Einfacher wäre es, systematisch immer einem Pressevertreter eine volle Promo-Version zu schicken und allen anderen eine verstümmelte. Mittelfristig könnte man so feststellen, wo die undichten Stellen sind. Wenn mehrere Label koordiniert agieren, könnten man über kurz oder lang die Übeltäter ausmachen und sie vom Verteiler streichen. Dazu braucht es keine gerichtlichen Sanktionen. Möglicherweise hätte man nach zwei etwas arbeitsintensiveren Monaten bereits alle Verantwortlichen identifiziert und müsste nicht mehr Pauschalanschuldigungen machen.

Limited Editions - Und ihr dachtet wir Metaller wären bescheuert?!?

Monday, November 5. 2007

Neulich in der Köln-Marsdorfer Filiale einer größeren Elektronik Fachmarktkette. Da schlendert man nichts Böses ahnend mit "Live And Dangerous" von THIN LIZZY in der Hand zum reinhören zur CD-Info und da sticht einem plötzlich dieses Ding ins Auge. Es handelte sich bei diesem Augentöter um die Sonder-Edition des neuen SABRINA SETLUR Albums "Lauta". Abgesehen vom eindeutigen Mangel in Sachen deutscher Orthographie fiel einem dieses große Format auf. Denn diese, auf 200 Stück limitierte CD enthält ein von SABRINA SETLUR signiertes Bild im Format 50 x 50 cm sowie – und jetzt kommt der Knaller – einen SABRINA SETLUR-Telefon-Gutschein. Dieser lässt sich folgendermaßen verwenden:

1. Ein personalisierter Anrufbeantworter-Spruch von SABRINA SETLUR mit deinem gewünschten Text per mp3

Beispiel: "Ey, hier ist die Sabrina. Wenn du den Jupp sprechen willst, der ist in der Suppenküche der Heilsarmee weil er nach dem Kauf meiner letzten CD kein Geld mehr hatte"

2. Fünf Minuten telefonieren mit SABRINA SETLUR

Beispiel: "Ey, voll dufte, dass du mich reich gemacht hast und so. Bleib so cool wie du bist!"

3. SABRINA SETLUR ruft eine Person Deiner Wahl an.

Beispiel: "Hör mal Kleene, ich soll dir von deinem Freund sagen, dass Schluss ist und er seit drei Monaten deine beste Freundin pimpert."

Kostenpunkt für dieses sensationelle Paket: ca. 99 Euro. Da können Nuclear Blast und co ja noch richtig was lernen! Vielleicht kommt sie ja demnächst, die spezielle Tour-Edition der neuen NIGHTWISH mit einen Gutschein für einen Abend lang saufen mit Anette Olzon oder fünf Minuten kuscheln mit Tuomas Holopainen.

"Live And Dangerous", diesen Klassiker von einem Live-Album habe ich übrigens dann für sechs Euro mitgenommen. Man ist ja nicht so. Und da ich kein SABRINA SETLUR-Fan bin, hatte ich das Geld ja noch übrig.

Downloadsünder kommen in die Hölle

Friday, October 12. 2007
Dann und wann muss man sich ja auch über die Gegenseite informieren. So findet man folgende Aussage bei ROWE PRODUCTIONS, d.h. dem Verteilungskanal der christlichen Death Metaller MORTIFICATION, auf der Homepage:

"Thank you to all our supporters who have purchased a copy of our new "Live Humanitarian" CD. Let us keep the metal underground alive by committing ourselves to NEVER steal metal from the internet. It is not worth the possibility of going to hell for stealing just from being greedy!"

Klar, illegale Downloads sind nicht gerade das Coolste auf der Welt und tragen kaum zur Lebenserwartung des Metal-Undergrounds bei. Aber heisst das jetzt, dass all diese - sonst braven - Christen ebenfalls in die Hölle kommen, weil sie sich was von MORTIFICATION oder den anderen jesusmetal.com-Bands runtergeladen haben? Kann man die nicht ins Fegefeuer verfrachten? Schliesslich soll die Hölle schon richtigen Bösewichtern à la Blofeld und Satanisten vorbehalten sein. Vor allem, wenn man sich als Black Metaller schon in den 90ern ein Ticket in die Hölle besorgt hat - damals noch mit Frühbucherrabatt - um dann die Vorzüge des Lebens nach dem Tod inklusive Dauerbeschallung durch DARK FUNERAL, NIFELHEIM, BESATT & Co. zu geniessen und sich SOUTH PARK reinzuziehen. Durch das visionierte Höllenauffangbecken für gierige MORTIFICATION-Fans werden die vorzüge der finalen Destination
doch arg beschnitten...

Revolution calling? Oder doch nur ein weiterer Nagel in den Sarg?

Monday, September 24. 2007

Media Control revolutioniert die Charts. So sehen es die Herren zumindest selber. Ich würde sagen: Media Control hauen einen weiteren Nagel in den Sarg des Musikmarktes. Worum genau es geht? Der eine oder andere wird es vielleicht schon gelesen haben: Zukünftig will Media Control die Charts nicht nach Absatz, sprich verkauften Alben sondern nach Umsatz, also eingenommenem Geld auswerten. Das heißt, nicht die Band die die meisten Alben kauft steht an der Spitze, sondern diejenige die mit ihren Laben das meiste Geld macht. Eine einfaches Beispielt: Band A verkauft 10.000 Stück ihres Albums für 13 Euro. Das macht einen Umsatz von 130.000 Euro. Band B verkauft ihr neues Album für 18 Euro und setzt in derselben Woche 8.000 Scheiben ab. Das ergibt einen Umsatz von 144.000 Euro. Trotz der Tatsache dass Band A 20% mehr Alben verkauft hat als Band B, steht letztere in den Charts weiter vorne.

Was heißt das für den Konsumenten? Günstige Angebote zum Erscheinungstermin wie zuletzt bei den neuen Scheiben von AUDIOSLAVE und VELVET REVOLVER oder Newcomer-Preise wie für das SANCTITY-Debüt wird es kaum noch oder zumindest weniger geben. Die Plattenfirma würde ja durch einen niedrigen Preis eine Charts-Platzierung und somit Werbung aufs Spiel setzen. Bisher konnte man mit einem günstigen Startpreis vielleicht zusätzliche Käufer locken und somit die Chance auf eine Charts-Platzierung erhöhen. Das wird zukünftig so wohl nicht mehr gehen. Stattdessen darf sich der treue Fan darauf einstellen für die Alben seiner Favoriten, die er natürlich direkt am Release-Tag haben will noch tiefer als bisher in die Tasche greifen zu müssen.

Klar, den Underground, die kleineren Bands und Labels wird dies nicht betreffen. Da spekuliert ja eh niemand auf eine Charts-Platzierung. Die größeren Labels werden das Spiel aber sicherlich mitspielen, darunter leiden muss mal wieder der Konsument. Denn ganz ehrlich, wer von euch will freiwillig ein paar Wochen warten wenn das neue Album einer eurer Lieblingsbands im Regal steht?

Mit BLIND GUARDIAN-Gitarrist Marcus Siepen hat auch schon ein Musiker, der von dieser neuen Regelung mit Sicherheit betroffen sein wird ins einem privaten Blog hierzu Stellung bezogen. Da fragt man sich doch, wem Media Control mit dieser "Innovation" einen Gefallen tun wollte. Oder wollte sich da nur jemand als großer Innovator profilieren? Für mich ist diese kleine Meldung nur ein weiterer Beleg dafür, dass es im Musik-Biz nur noch um Kohle geht. Das weiß man natürlich nicht erst seit gestern, aber hier wird es einem mal wieder deutlich vor Augen geführt.

Kleine Bitte an CD-Läden

Monday, September 24. 2007

CD-Seitenansichten

Sowohl in den CD-Supermärkten der großen Einheitsketten, als auch bei der Underground-Plattenbörse steht man als Fan vor Herausforderung, sich einen Überblick über das Angebot zu verschaffen. Ich persönlich halte gerne Ausschau nach Alben, die ich bereits besitze, um nach dem Prinzip der Ähnlichkeit Neues zu finden bzw. Sammlungslückenstopfer aufzuspüren. Die Kauflust wird in den meisten Fällen jedoch gleich zu Beginn gedämpft, weil man von den meisten (wenn nicht sogar allen) CDs im Angebot lediglich die Kunststoffoberseite sieht, die bei fast allen Alben gleich ausschaut. Schuber, Boxsets und dergleichen bilden die einzige Ausnahme.

In CD-Läden gibt es häufig Treppenregale, bei denen man von einem Bruchteil der CDs die Titelbilder sehen kann. Man wird dadurch dazu verleitet, nur einen selektiven Ausschnitt des Angebots überhaupt wahrzunehmen. Wer ernsthaft stöbern will, läuft Gefahr, sich einen Fingermuskelkater zu holen: tcktcktcktcktcktck - Pause - tcktcktcktcktcktck - Pause - tcktcktcktcktcktck - Schritt nach rechts - tcktcktcktcktcktck - Pause - tcktcktcktcktcktck - Pause - tcktcktcktcktcktck - ...

Was bei LPs aufgrund des Formats noch die vernünftigste Lösung war, wurde auf die CDs übertragen. Dabei bietet hier der Hüllenrücken genügend Platz für die Titelangaben in einer lesbaren Schriftgröße! Besonders bei CD-Börsen, wo die Ware in überfüllten Schachteln feilgeboten wird, benötigt man bisweilen größere Kraftanstrengungen, um zumindest die oberen Zentimeter der Covers zu erkennen, auf denen dann besonders bei kleineren Bands oft genug nur undefinierbares Artwork zu sehen ist. Gerade hier wäre es doch gut möglich, die CDs um 90 Grad zu drehen, so dass man auf einen Blick (und ohne Lärmentwicklung) den Inhalt erkennen kann. Klar, dann müssen jene, die trotzdem lieber nach Titelbildern stöbern wollen, den Kopf verdrehen. Das sollte aber für Metal-Fans, die stundenlang headbangen, kein Problem sein. Nun muss nur noch bei den Verantwortlichen das entsprechende Problembewusstsein geschaffen werden.