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Von Schulhöfen und Black Metallern

Saturday, November 3. 2007
Ich kann mich gut an die musikideologischen Kleinkriege auf den Schulhöfen der 80er erinnern. Im Kanton Zürich wurde dieses fakultative Fach unter dem Namen "Häwis gegen Räpper" abgehalten und die Beantwortung der Frage "Bisch en Häwi?" konnte physische Konsequenzen haben. Dank Grunge und kapitalistischem Markenverblödungwahnsinn verschwand dieses Gewissensfrage jedoch in den 90ern und die Häwis verzogen sich in den finsteren Underground. Oder verschwand sie gar nicht, sondern wurde einfach am Gymnasium nicht weiter ausgekämpft, da sich dort die Räpper nicht aufhielten? Wer weiss.

Doch jetzt ist die Frage wieder aufgetaucht, und die Häwis schlagen zurück. Seit kurzem weiss man dank der BILD, dass DIMMU BORGIR den Schulhof mit dem Gerichtssaal getauscht haben und sich dort den kleptomanischen Verbalvulgarier BUSHIDO vorknöpfen wollen. Dieser hat ausgerechnet beim norwegischen Black Metal-Hit "Mourning Palace" geklaut und fürchtet Satans Strafe so sehr, dass er nur noch ein "Kein Kommentar" über die Lippen bringt.

Überhaupt scheinen sich norwegische Black Metaller wieder mehr auf Gerichtsäle als geeignete Schlachtplätze verlagern zu wollen. Der aus seiner selbst gegründeten Band GORGOROTH geschasste Infernus verspricht auf Plappermaul bei Satan zurückzukommen. Um sein Versprechen zu unterstreichen, geizt er nicht mit Paragraphenprügel und wischt seinen ehemaligen Mitstreitern gerade noch eins aus, indem er die Evilness seines Bassisten durch Verraten dessen Berufes - ähm, sagen wir mal - schmälert. Dieser soll nämlich Grundschullehrer sein - wobei wir wieder da wären, wo wir begonnen haben. Auf dem Schulhof.

Symphonic Black Metal ist Popmusik

Saturday, October 13. 2007
Gestern ist die Promo zum Ende November erscheinende neuen Album von VESANIA angekommen. Also schnell die CD ins Laufwerk geschoben, um kurz reinzuhören. Vom Label wird die Scheibe dem Genre "Symphonic Black Metal" zugeordnet. Gracenote, die Datenbank, von der sich iTunes die Musik-Metadaten besorgt, verrät mir aver, dass auf diesem Album Popmusik zu hören sei. Gibt es irgendjemanden, der darin einen Widerspruch sieht? ;-)

Downloadsünder kommen in die Hölle

Friday, October 12. 2007
Dann und wann muss man sich ja auch über die Gegenseite informieren. So findet man folgende Aussage bei ROWE PRODUCTIONS, d.h. dem Verteilungskanal der christlichen Death Metaller MORTIFICATION, auf der Homepage:

"Thank you to all our supporters who have purchased a copy of our new "Live Humanitarian" CD. Let us keep the metal underground alive by committing ourselves to NEVER steal metal from the internet. It is not worth the possibility of going to hell for stealing just from being greedy!"

Klar, illegale Downloads sind nicht gerade das Coolste auf der Welt und tragen kaum zur Lebenserwartung des Metal-Undergrounds bei. Aber heisst das jetzt, dass all diese - sonst braven - Christen ebenfalls in die Hölle kommen, weil sie sich was von MORTIFICATION oder den anderen jesusmetal.com-Bands runtergeladen haben? Kann man die nicht ins Fegefeuer verfrachten? Schliesslich soll die Hölle schon richtigen Bösewichtern à la Blofeld und Satanisten vorbehalten sein. Vor allem, wenn man sich als Black Metaller schon in den 90ern ein Ticket in die Hölle besorgt hat - damals noch mit Frühbucherrabatt - um dann die Vorzüge des Lebens nach dem Tod inklusive Dauerbeschallung durch DARK FUNERAL, NIFELHEIM, BESATT & Co. zu geniessen und sich SOUTH PARK reinzuziehen. Durch das visionierte Höllenauffangbecken für gierige MORTIFICATION-Fans werden die vorzüge der finalen Destination
doch arg beschnitten...

Emanzipation im Schwarzmetall-Wald

Wednesday, October 10. 2007
Klar, den ersten Platz in Sachen Posing macht dem österreichischen Black Metal-Bock von WALPURGI so rasch niemand streitig. Doch wie es die Welt der Online-Foren halt so will, ziehen andere Bilder ebenfalls an einem vorüber - zum Beispiel als Avatar anderer User. So erklärt sich auch die Aufmerksamkeit auf die tschechische Schwarzmetall-Truppe ENOCHIAN. Und wie FKK-Strände eher mit dem Osten assoziiert werden, so gibt sich dieses Quintett ebenfalls freizügig. Es gilt: Oben ohne für alle. Und obwohl ENOCHIANs CD-Cover gerne zu den hässlichsten des Genres gezählt werden: In Sachen Emanzipation hat die gemischte Truppe dank Keyboarderin Lilith die Nase vorn. Da ist es wurst, wenn einige Chauvinisten deklarieren, dass die Weiber nix im Black Metal verloren hätten. Nachdem sie dieses Foto gesehen haben, werden sie sowieso allesamt erblinden.

Enochian Bandfoto

Selbstverständlich schliesst dies CD-Covers nicht aus:

Enochian CD cover

Folgende Fragen bleiben jedoch offen: Warum haben ENOCHIAN keine Homepage? Wann wird Leuten, die mehr als ihr Gesicht zeigen beim Posen, endlich klar, dass man in so einem Fall nicht nur das Gesicht mit Corpsepaint zu versehen hat (es heisst schliesslich CORPSEpaint)? Und - wann tauchen die ersten Bilder von schwarzmetallischen FKK-AnhängerInnen auf? Sachdienliche Hinweise zur Klärung der letzten Frage sind willkommen, allerdings nur, wenn Corpsepaint als Stilmittel auch genutzt wird.

Bilderquelle: http://www.metal-archives.com

Der Blog zum Black Metal-Bock

Thursday, September 27. 2007
Längst ist klar, dass sich das Internet mehr und mehr zu einer grossen Plattform für Selbstdarsteller gewandelt hat. MYSPACE, YOUTUBE - nicht von ungefähr sitzen das "My" und das "You" im Namen, so dass sich der Internetophile sogleich auf sich beziehen kann. Diesen narzisstischen Reizen kann auch die Black Metal-Szene nicht widerstehen. Längst sind die "Top 10 Most Ridiculous Black Metal Pictures" im Netz aufgetaucht und auch an den "Other Top 10" kann man sich inzwischen ergötzen, beziehungsweise sich ganz der visuellen Komponente hingeben. Corpsepaint, Wald, Berge, Schnee - das ist die Standardausrüstung für ein stilvolles schwarzmetallisch-adäquates Posing. Wer was von alten Helden, Sagen und Wikingern hält, braucht selbstverständlich Schwert, Schild und Trinkhorn. Wie aber sticht man hier noch heraus? Wie setzt man ein wahres Zeichen, um sich gegen all die anderen Bilderblackmetaller abzuheben?

Die Österreicher WALPURGI wissen es. Sie posieren nicht nur im Wald mit Corpsepaint. Nein, sie haben ein wesentlich selteneres Requisit in ihre Darstellung miteingebunden. Einen Bock. Genau. Einen mit Fell und Hörnern. Und einem Blick, der alles sagt.





Und bei diesem Bild sollten sich nicht nur jene fragen, die BATHORYs Debüt und VENOMs "Welcome to Hell" im Schrank stehen haben: WAS GESCHIEHT ALS NÄCHSTES MIT DIESEM BOCK?


Bildquelle:
http://www.myspace.com/walpurgi