Revolution calling? Oder doch nur ein weiterer Nagel in den Sarg?
Media Control revolutioniert die Charts. So sehen es die Herren zumindest selber. Ich würde sagen: Media Control hauen einen weiteren Nagel in den Sarg des Musikmarktes. Worum genau es geht? Der eine oder andere wird es vielleicht schon gelesen haben: Zukünftig will Media Control die Charts nicht nach Absatz, sprich verkauften Alben sondern nach Umsatz, also eingenommenem Geld auswerten. Das heißt, nicht die Band die die meisten Alben kauft steht an der Spitze, sondern diejenige die mit ihren Laben das meiste Geld macht. Eine einfaches Beispielt: Band A verkauft 10.000 Stück ihres Albums für 13 Euro. Das macht einen Umsatz von 130.000 Euro. Band B verkauft ihr neues Album für 18 Euro und setzt in derselben Woche 8.000 Scheiben ab. Das ergibt einen Umsatz von 144.000 Euro. Trotz der Tatsache dass Band A 20% mehr Alben verkauft hat als Band B, steht letztere in den Charts weiter vorne.
Was heißt das für den Konsumenten? Günstige Angebote zum Erscheinungstermin wie zuletzt bei den neuen Scheiben von AUDIOSLAVE und VELVET REVOLVER oder Newcomer-Preise wie für das SANCTITY-Debüt wird es kaum noch oder zumindest weniger geben. Die Plattenfirma würde ja durch einen niedrigen Preis eine Charts-Platzierung und somit Werbung aufs Spiel setzen. Bisher konnte man mit einem günstigen Startpreis vielleicht zusätzliche Käufer locken und somit die Chance auf eine Charts-Platzierung erhöhen. Das wird zukünftig so wohl nicht mehr gehen. Stattdessen darf sich der treue Fan darauf einstellen für die Alben seiner Favoriten, die er natürlich direkt am Release-Tag haben will noch tiefer als bisher in die Tasche greifen zu müssen.
Klar, den Underground, die kleineren Bands und Labels wird dies nicht betreffen. Da spekuliert ja eh niemand auf eine Charts-Platzierung. Die größeren Labels werden das Spiel aber sicherlich mitspielen, darunter leiden muss mal wieder der Konsument. Denn ganz ehrlich, wer von euch will freiwillig ein paar Wochen warten wenn das neue Album einer eurer Lieblingsbands im Regal steht?
Mit BLIND GUARDIAN-Gitarrist Marcus Siepen hat auch schon ein Musiker, der von dieser neuen Regelung mit Sicherheit betroffen sein wird ins einem privaten Blog hierzu Stellung bezogen. Da fragt man sich doch, wem Media Control mit dieser "Innovation" einen Gefallen tun wollte. Oder wollte sich da nur jemand als großer Innovator profilieren? Für mich ist diese kleine Meldung nur ein weiterer Beleg dafür, dass es im Musik-Biz nur noch um Kohle geht. Das weiß man natürlich nicht erst seit gestern, aber hier wird es einem mal wieder deutlich vor Augen geführt.

