Emogotchi?

Anstatt jetzt über intransitive Triaden zu philosophieren, komme ich besser auf die eingangs erwähnte Umfrage zurück. Dort steht eine bunte Mischung aus "Musikstars" zur Auswahl. Einerseits sind Chartstürmer wie Tokio Hotel und Herbert Grönemeyer am Start, andererseits rechne ich angesichts der ZDF-Publikumsstruktur den Herren Bach und Beethoven sehr gute Chancen aus. Sucht man nach härteren Bands, findet man neben den SCORPIONS und RAMMSTEIN auch EDGUY und PINK CREAM 69 (aber kein HELLOWEEN). Die Abstimmung wird sicherlich nicht die Klasse der Gewählten widerspiegeln; schon eher den Beliebtheitsgrad. Das Ergebnis wird nicht sehr aussagekräftig, aber vielleicht zumindest amüsant werden. Jedenfalls habe ich nach einigem Wanken für EDGUY gestimmt; aus Scheiß und weil ein Gespräch zwischen Tobias Sammet und Johannes B. Kerner sicherlich unterhaltsamer wäre als alles, was sonst auf dem Sender läuft.
Und nun überlege ich nicht mehr länger, wer "in Wahrheit" die besten Musikstars Deutschlands sind, sondern erfreue mich lieber an der Vielfalt (jeweils auf ihre eigene Art) sehr guter Gruppen, die gerade der Heavy Metal national wie auch international zu bieten hat.
Media Control revolutioniert die Charts. So sehen es die Herren zumindest selber. Ich würde sagen: Media Control hauen einen weiteren Nagel in den Sarg des Musikmarktes. Worum genau es geht? Der eine oder andere wird es vielleicht schon gelesen haben: Zukünftig will Media Control die Charts nicht nach Absatz, sprich verkauften Alben sondern nach Umsatz, also eingenommenem Geld auswerten. Das heißt, nicht die Band die die meisten Alben kauft steht an der Spitze, sondern diejenige die mit ihren Laben das meiste Geld macht. Eine einfaches Beispielt: Band A verkauft 10.000 Stück ihres Albums für 13 Euro. Das macht einen Umsatz von 130.000 Euro. Band B verkauft ihr neues Album für 18 Euro und setzt in derselben Woche 8.000 Scheiben ab. Das ergibt einen Umsatz von 144.000 Euro. Trotz der Tatsache dass Band A 20% mehr Alben verkauft hat als Band B, steht letztere in den Charts weiter vorne.
Was heißt das für den Konsumenten? Günstige Angebote zum Erscheinungstermin wie zuletzt bei den neuen Scheiben von AUDIOSLAVE und VELVET REVOLVER oder Newcomer-Preise wie für das SANCTITY-Debüt wird es kaum noch oder zumindest weniger geben. Die Plattenfirma würde ja durch einen niedrigen Preis eine Charts-Platzierung und somit Werbung aufs Spiel setzen. Bisher konnte man mit einem günstigen Startpreis vielleicht zusätzliche Käufer locken und somit die Chance auf eine Charts-Platzierung erhöhen. Das wird zukünftig so wohl nicht mehr gehen. Stattdessen darf sich der treue Fan darauf einstellen für die Alben seiner Favoriten, die er natürlich direkt am Release-Tag haben will noch tiefer als bisher in die Tasche greifen zu müssen.
Klar, den Underground, die kleineren Bands und Labels wird dies nicht betreffen. Da spekuliert ja eh niemand auf eine Charts-Platzierung. Die größeren Labels werden das Spiel aber sicherlich mitspielen, darunter leiden muss mal wieder der Konsument. Denn ganz ehrlich, wer von euch will freiwillig ein paar Wochen warten wenn das neue Album einer eurer Lieblingsbands im Regal steht?
Mit BLIND GUARDIAN-Gitarrist Marcus Siepen hat auch schon ein Musiker, der von dieser neuen Regelung mit Sicherheit betroffen sein wird ins einem privaten Blog hierzu Stellung bezogen. Da fragt man sich doch, wem Media Control mit dieser "Innovation" einen Gefallen tun wollte. Oder wollte sich da nur jemand als großer Innovator profilieren? Für mich ist diese kleine Meldung nur ein weiterer Beleg dafür, dass es im Musik-Biz nur noch um Kohle geht. Das weiß man natürlich nicht erst seit gestern, aber hier wird es einem mal wieder deutlich vor Augen geführt.

Sowohl in den CD-Supermärkten der großen Einheitsketten, als auch bei der Underground-Plattenbörse steht man als Fan vor Herausforderung, sich einen Überblick über das Angebot zu verschaffen. Ich persönlich halte gerne Ausschau nach Alben, die ich bereits besitze, um nach dem Prinzip der Ähnlichkeit Neues zu finden bzw. Sammlungslückenstopfer aufzuspüren. Die Kauflust wird in den meisten Fällen jedoch gleich zu Beginn gedämpft, weil man von den meisten (wenn nicht sogar allen) CDs im Angebot lediglich die Kunststoffoberseite sieht, die bei fast allen Alben gleich ausschaut. Schuber, Boxsets und dergleichen bilden die einzige Ausnahme.
In CD-Läden gibt es häufig Treppenregale, bei denen man von einem Bruchteil der CDs die Titelbilder sehen kann. Man wird dadurch dazu verleitet, nur einen selektiven Ausschnitt des Angebots überhaupt wahrzunehmen. Wer ernsthaft stöbern will, läuft Gefahr, sich einen Fingermuskelkater zu holen: tcktcktcktcktcktck - Pause - tcktcktcktcktcktck - Pause - tcktcktcktcktcktck - Schritt nach rechts - tcktcktcktcktcktck - Pause - tcktcktcktcktcktck - Pause - tcktcktcktcktcktck - ...
Was bei LPs aufgrund des Formats noch die vernünftigste Lösung war, wurde auf die CDs übertragen. Dabei bietet hier der Hüllenrücken genügend Platz für die Titelangaben in einer lesbaren Schriftgröße! Besonders bei CD-Börsen, wo die Ware in überfüllten Schachteln feilgeboten wird, benötigt man bisweilen größere Kraftanstrengungen, um zumindest die oberen Zentimeter der Covers zu erkennen, auf denen dann besonders bei kleineren Bands oft genug nur undefinierbares Artwork zu sehen ist. Gerade hier wäre es doch gut möglich, die CDs um 90 Grad zu drehen, so dass man auf einen Blick (und ohne Lärmentwicklung) den Inhalt erkennen kann. Klar, dann müssen jene, die trotzdem lieber nach Titelbildern stöbern wollen, den Kopf verdrehen. Das sollte aber für Metal-Fans, die stundenlang headbangen, kein Problem sein. Nun muss nur noch bei den Verantwortlichen das entsprechende Problembewusstsein geschaffen werden.
Wed, 30.07.2008 19:06
Schön, dass es dir nicht stört . ;-) Aber, sag, wo [...]