Was zunächst wie Clubhopping in München klingt, wird bei genauerer Betrachtnug relativiert. Vor allem da man das Pacha anders schreibt und da man Normalsterbliche in diesen Laden sowieso nicht reinlässt – hier vergnügen sich nur die Fußballer vom FCB mit ihren Gogotänzerinnen. Geile Scheiße, Alter. Aber jetzt total egal. Weil eine bestimmte Band aus Köln interessiert das sowieso nicht, vor allem da sie Noiserock spielen und ihnen Promischeiße eh sonst wo vorbei geht. Also was zur Hölle bedeutet Zwischen Schlachthof und Pascha nun? Ich weiß es immer noch nicht. Nur dass ich mich nach jedem Konsum dieser Scheibe bislang so gefühlt habe, als hätte ich einen Schlachthof besucht. Großes Kino.
Von Horror Vacui sind mir GRANDMAL selbstverständlich noch immer im Gedächtnis, es ist ja nicht lange her, dass sie mich so richtig fertig gemacht haben. Aber nach ihrem ersten vollen Album werde ich sie endgültig nicht vergessen. Weil Zwischen Schlachthof und Pascha zeigt das Trio von einer anderen Seite. Nicht mehr ganz so dissonant, mit nicht mehr ganz so verzerrtem Geschrei, dafür viel unzugänglicher als zuvor. Oder kommt mir das nur so vor? Keine Ahnung, jedenfalls ist dieses Album ein verdammt harter, schwerer, tödlicher Brocken. Irgendwie schwer mit anderen Bands zu vergleichen, höchstens hier mal etwas UNSANE, da mal eine Prise alter TODAY IS THE DAY, ansonsten hauptsächlich Lärm Marke Eigenbau. Und eine verflucht gute Coverversion vom NEUROSIS-Klassiker End of the Harvest, allerdings unter dem Namen Nemesis. Aber Namen sind Schall und Rauch, darum lasst euch gesagt sein: König Riff und seine Gefolgschaft verzerrter Bass und misshandeltes Drumkit weisen den Weg würdig durch den geballten Wahnsinn.
Auf jeden Fall sind GRANDMAL verdammt ungehobelt. Sie entschuldigen sich für den tätlichen Angriff auf das Nervensystem beim Hörer nicht, sondern geben ihm dafür noch eine Extraportion mit. So verstört gleich das einleitende Glocke, und das folgende Nähmaschine zeigt, dass diese Band auch mal vom Gas gehen kann und dadurch noch verrückter und geladener wirkt. So gefällt das. Säume, säume, versäume heißt für mich, dass mit wenigen Worten Texte geschrieben werden, die den Hörer verwirren und ihn nicht loslassen, gleichzeitig aber große Interpretationsmöglichkeiten bieten. Selbiges gilt für die Musik. Siehe mächtige Rockgranaten wie Alpen oder Ichbastion, die allesamt minimalistisch aufgebaut sind und auch gleichförmig klingen, sofern man kein Ohr für Details hat, denn diese verstecken sich auf Zwischen Schlachthof und Pascha zuhauf. Und das nicht nur im abschließenden Phallust, das mit siebeneinhalb Minuten Länge, kranken Samples und dem Bohrgeräuschen in der Mitte dem Hörer ordentlich zusetzt.
Jedes der Stücke hat seine eigene Identität, selbst wenn sie sich alle ähnlich anhören. Ähnlich wie im Roman 1984, in denen die Charaktere ähnlich sind, aber in ihnen etwas vollkommen anderes schlummert. Blöder Vergleich, aber mir total egal. Jedenfalls muss man die Scheibe oft hören, bis sie wirkliche Identität offenbart. Aber ansonsten will ich mal nicht zu verkopft klingen, denn in erster Linie sollte man beim unzweifelhaftem Genuss dieses Albums die Lautstärke ordentlich aufdrehen und abgehen wie ein afrikanischer Stamm bei der Regenbeschwörung. Zwischen Schlachthof und Pascha ist das bisher wichtigste und wildeste Independentrelease des Jahres und ist Noise Rock-Anhängern unbedingt zu empfehlen. Dreckig produziert, minimalistisch, schlau und hervorragend umgesetzt.
Veröffentlichungstermin: 21. April 2006
Spielzeit: 34:37 Min.
Line-Up:
Tobias – Gitarre, Gesang
Jens – Bass, Gesang
Yoa – Schlagzeug
Label: Rekontre Tonwaren
Homepage: http://www.grandmal.de
Email: jens@grandmal.de
Tracklist:
1. Glocke
2. Nähmaschine
3. Einfühlsarm
4. Nemesis
5. Tophit #1
6. Jazz
7. Bacababca
8. Alpen
9. Ichbastion
10. Prestissimo
11. Phallust