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SOILWORK: Natural Born Chaos

CD-Review vom 09.03.2002   drucken senden


Über die Jahre hinweg erfuhren SOILWORK bis heute einen stetigen Aufstieg bis hinauf in die höchsten Kreise des extremen Metals. Schon auf ihrem bei Listenable erschienenen Debüt "Steelbath Suicide" war zu spüren, dass hier keine gewöhnlichen Krachbrüder sondern echte Ausnahmekünstler am Werk waren. Mit "The Chainheart Machine" konsolidierten sie ihren Status im Underground und legten zudem anfängliche AT THE GATES-Anleihen ab, um Platz zu machen für einen ganz besonderen, charakteristischen Sound, den die Band bis heute nur graduell verändert hat, ohne sich dabei zu wiederholen. Nie werde ich vergessen, wie ich zum ersten Mal ohne Vorwarnung das Zweitwerk der Schweden einlegte, um eine knappe Dreiviertelstunde später an die Wand gebügelt wieder zu Bewußtsein zu kommen... Noch nie schaffte es eine Band, Melodie, Aggressivität und technisches Können so perfekt unter einen Hut zu bringen! Die Zeit war reif für einen weiteren Schritt nach vorne, und so wechselten SOILWORK für ihr wichtiges Drittwerk "A Predator´s Portrait" zu Nuclear Blast, wodurch ihnen von nun an die hochverdiente Aufmerksamkeit weltweit zuteil wurde. Zwar vermißte man ein wenig die bedrückend-kalte Stimmung des Vorgängers, doch die erstmals von Björn "Speed" Strid eingestreuten melodischen Refrainmelodien entschädigten dafür vollauf.

Nun lagen die Schweden seither nicht auf der faulen Haut, sondern begannen gleich nach ihrer Tour mit ANNIHILATOR und NEVERMORE sowie ihrem Auftritt auf dem Wacken mit dem Songwriting zu "Natural Born Chaos". Die Frage, ob sie ihr unmenschlich hohes Niveau halten konnten oder sich vielleicht gar gesteigert haben, will ich mal mit einem "Schon, aber" beantworten. Denn Sänger Björn scheint durch die guten Resonanzen auf seine cleanen Vocals darin bestärkt worden zu sein, noch mehr Abwechslung ins Spiel zu bringen. Was er auf "Natural Born Chaos" an Hooklines verfeuert, reicht bei anderen Bands für mehrere Dekaden. Da ist kein Refrain, der es sich nicht schnellstens im Gehörgang bequem macht, jeder noch so kurze Gesangspart wirkt liebevoll ausgetüftelt und austariert. Eine weitere Veränderung sind die vom Meister Devin Townsend weiter in den Vordergrund gemischten und dadurch eine prominentere Rolle spielenden Keyboards. Schlüsselbrett-Neuzugang Henry findet auch stets die passenden Flächensounds und Läufe zum nach wie vor im Thrash/Death Metal verwurzelten Gesamtbild. Dennoch bekommen die Synthies leider einen etwas aufdringlichen Beigeschmack, war es doch bislang gerade der Reiz an den Songs von SOILWORK, erst nach und nach herauszufinden, welche Schichten noch so alles hinter dem derben Gitarrenwall zu entdecken waren und da unbemerkt für diese einzigartige, maschinenhafte Atmosphäre sorgten. Trotzdem: Bei Tracks wie "No More Angels" sorgen die synthetischen Klänge für eine Erweiterung des faszinierenden Klangerlebnisses, das SOILWORK nach wie vor darstellen. Ebenfalls wie nicht von dieser Welt mutet das wieder einmal unprätentiöse und dabei umso überzeugendere und atemberaubende Gitarrenspiel der Sechssaiter an. Alle Welt redet von Tipton/Downing, Murray/Smith und Mustaine/Friedman, doch was die kongenialen Herren Wichers und Frenning seit Anbeginn ihrer Karriere abziehen, kommt meiner Meinung nach an diese Größen der Rockgitarre locker heran, zumal die beiden sich nicht nur in Soloorgien austoben, sondern auch eines der besten Rhythmusgespanne darstellen, das die Welt je gehört hat.

Bis zu diesem Punkt ziehe ich also meinen Hut vor einer wiederum äußerst starken Leistung auf höchstem Niveau. Doch leider gibt es auch Verluste zu vermelden, denn bei all jenen, die SOILWORK nicht zuletzt auch wegen ihrer ungemein aggressiven Seite liebten, werden sich während des Hörens von "Natural Born Chaos" einige Entzugserscheinungen bemerkbar machen. Die rasenden und doch nahezu chirurgisch präzisen Hochgeschwindigkeitspassagen, die der eh schon facettenreichen Mischung von SOILWORK gewissermaßen die Krone auf´s Haupt setzten, sind nämlich spurlos verschwunden. Gut, in "As We Speak" deutet die Band nochmals kurz an, aus welcher Richtung sie stammt, doch ansonsten sind alle Songs ausnahmslos im (immer noch sehr variablen) Midtempobereich angesiedelt. Das Gleichgewicht aus bedingungsloser Härte, technischem Anspruch und unschlagbaren Melodien ist dadurch ein klein wenig gestört, oftmals wirken Tracks wie "The Flameout" eher wie härtere Power Metal-Songs.

Sei´s drum, "Natural Born Chaos" steckt nach wie vor mit spielerischer Leichtigkeit die Konkurrenz mal eben in die Tasche und stellt einen weiteren Meilenstein auf dem hoffentlich noch sehr langen Weg des Erfolges von SOILWORK dar... und wer auf die derben Parts nicht verzichten mag, kann ja immer noch auf das in Bälde erscheinende, ebenfalls exquisite neue Album von THE CROWN zurückgreifen. Bemerkenswert auch, wie SOILWORK zwar von Knöpfedreher Devin Townsend einen astreinen, druckvollen Sound verpaßt bekamen, sich ihre eigene Identität jedoch jederzeit voll und ganz bewahrt haben - lediglich im Titeltrack klingen TOWNSEND-artige Passagen an, aber dieser Song bleibt der einzige, der so auch halbwegs auf "Ocean Machine" oder ein STRAPPING YOUNG LAD-Album gepaßt hätte. Ein weiteres Merkmal für den enormen eigenen Charakter, den sich SOILWORK über die Jahre hinweg selbstsicher zugelegt haben!

Veröffentlichungsdatum: 25.03.2002

Spielzeit: 42:01 Min.

Line-Up:
Björn Strid - Gesang
Peter Wichers - Gitarre
Ole Frenning - Gitarre
Ola Fink - Bass
Stefan Karlsson - Keyboards
Henry Ranta - Schlagzeug

Produziert von Devin Townsend
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.soilwork.com


Tracklist:
Follow The Hollow
As We Speak
The Flameout
Natural Born Chaos
Mindfields
The Bringer
Black Star Deceiver
Mercury Shadow
No More Angels
Song Of The Damned



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