FATES WARNING: Parallels
Dieses Album hätte der Band den ganz großen Durchbruch bringen können. Denn die acht Stücke auf "Parallels" sind auch ein knappes Jahrzehnt nach ihrer Veröffentlichung noch immer frisch und einfach zeitlos gut. Ich will an dieser Stelle nicht spekulieren, weshalb der Platte der große Erfolg versagt blieb. Stattdessen möchte ich die Gelegenheit nutzen, um das meiner Meinung nach beste FATES WARNING-Album etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Ganz im ursprünglichen Sinne des Wortes "progressive" hat sich die Band im Vergleich zu den vorhergehenden Alben recht drastisch weiterentwickelt. Ausladende Instrumentalteile und wilde Frickelorgien sucht man auf "Parallels" vergeblich. Stattdessen wird das Album von Melodien dominiert, die schon beim ersten Hören sofort ins Ohr gehen. Während bei anderen Bands des Genres oftmals der Eindruck entsteht, dass "Eingängigkeit" im direkten Gegensatz zu "Progressivität" steht, verschmelzen hier beide Aspekte zu kompakten, mitreißenden Songs. Das beste Beispiel hierfür ist "Point of View". Das Stück lebt von den klaren Gesangsmelodien von Ray Alder, die sich mit traumwandlerischer Sicherheit über dem dichten Teppich von Gitarren und Schlagzeug entfalten. Dass es gerade in den Strophen nur so von ungeraden Takten wimmelt, nimmt man kaum wahr. Selbst das Gitarrensolo kann man schon nach kurzer Zeit mitsummen.
"We Only Say Goodbye" geht anschließend sogar noch einen Schritt weiter, verzichtet abgesehen von einem 5/4-Takt im Intro gänzlich auf krumme Dinger. Das Stück lebt von einer atemberaubenden Refrainmelodie und einem interessanten Text. Dieser beschäftigt sich mit dem bekannten Phänomen, dass man seinen Mitmenschen nur selten das sagt, was man ihnen wirklich sagen will. Und wenn dann jemand stirbt, fragt man sich, ob man zuletzt nicht lieber etwas anderes gesagt hätte also nur "goodbye".
Auf der anderen Seite (der A-Seite) gibt es mit dem 8-minütigen "The Eleventh Hour" aber auch ein etwas ausladenderes Stück. Doch auch hier verzetteln sich FATES WARNING nicht in unnötigen Zwischenteilen, sondern ziehen eine Gänsehautmelodie nach der anderen aus dem Ärmel. Soli gibt es keine. Wozu auch!? Viel wichtiger scheinen Jim Matheos (der das Album im Alleingang komponierte und alle Texte schrieb) andere Dinge zu sein, wie eben die zwischenmenschliche Kommunikation. So haben gleich zwei Stücke die Beziehung zwischen Idol und Fan zum Thema; namentlich das fast schon zu kommerzielle "Eye To Eye" und das recht flotte "Don`t Follow Me", welches abermals von einem bärenstarken Refrain lebt.
Auch DREAM THEATER gelang kurz darauf mit ihrem völlig anders gearteten "Images And Words"-Album erfolgreich der Spagat zwischen Komplexität und Kommerz. Etwas ähnliches gelang zuvor lediglich RUSH und QUEENSRYCHE, sowie anno 2000 PAIN OF SALVATION mit ihrem Meisterwerk "The Perfect Element I".
Für mich ist "Parallels" nicht zuletzt deshalb eine der wenigen Platten, die ich mir wieder und wieder anhöre, ohne dass sie dabei an Reiz verliert. Und jedes Mal wenn das ruhige "The Road Goes On Forever" beginnt, bin ich ganz ergriffen von den sanften Gitarrenklängen und dem bewegenden Gesang. Zwischen Melancholie und Hoffnung schwankend denke ich dann über mein Leben nach, über all die Erfolge und Niederlagen, über verpasste Chancen und in Erfüllung gegangene Träume, und natürlich über die Zukunft. Denn die Straße gleitet fort und fort...
Veröffentlichungsjahr: 1991
Spielzeit: 45:33
Line-Up:
Ray Alder: Gesang
Jim Matheos: Gitarre
Frank Aresti: Gitarre
Joe DiBiase: Bass
Mark Zonder: Schlagzeug
Produziert von Terry Brown
Label: Metal Blade
Homepage: http://www.fateswarning.com
Tracklist:
1. Leave The Past Behind
2. Life In Still Waters
3. Eye To Eye
4. The Eleventh Hour
5. Point of View
6. We Only Say Goodbye
7. Don`t Follow Me
8. The Road Goes On Forever
FATES WARNING im vampster-Archiv
Es wurden 33 Artikel zu FATES WARNING im vampster-Archiv gefunden.Artikelübersicht anzeigen:
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Jetzt weiß ich auch, wie sich STRATOVARIUS für Engländer anhören muss!