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FORSETI: Windzeit

CD-Review vom 17.09.2002   drucken senden





FORSETI ist der germanische Gott des Rechts und des Gesetzes, Vorsitzender der Thing-Versammlung. Er ist außerdem als Gott des Windes und des Fischfangs bekannt. Eine Band, die diesen Namen wählt, ebnet den Weg für erste Spekulationen den Stil betreffend, oder? Black Metal könnte es sein.....oder Gothic.....Folk....oder eben Folk Noir.

Richtig! Folk Noir steht auf dem Presseinfo, wobei ich gestehen muss mit diesem Stil noch nicht sehr vertraut zu sein. Sicher bin ich allerdings, dass "Windzeit" keine echte Blüte in diesem Bereich geworden sein kann. Wenn doch, habe ich bis jetzt nichts verpasst.

Der Stil ist aber nicht das Problem. An reinen Akustikalben, erfüllt mit purer Melancholie finde ich durchaus Gefallen. Gerade in der heraufkommenden Herbstzeit, in der die Natur ihr jährliches Greisenalter durchlebt, finden sehr viele Musikfreaks wie ich Freude an warmen, sanften und dunklen Klängen.

Doch gibt es auch dort Qualitätsunterschiede. Gerade wenn keine fette Gitarrenwand den Musikern den Rücken freihält, offenbart sich die Klasse der Künstler und wirklich jede Schwäche wird gnadenlos aufgedeckt. So auch bei FORSETI. Auch die wunderschöne Verpackung in Form eines gebundenen Buches verhindert nicht die Langeweile, die innerhalb der zehn Songs aufkommt. Selbst die Adaption eines Textes von Hermann Hesse im Song "Welkes Blatt" kann nicht verdecken, dass die deutschen Texte pseudo-intellektuell und aussageschwach formuliert sind. Und auch das Aufgebot von insgesamt neun Musikern kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf diesem Album keine überzeugenden Sänger zu hören sind. Ganz im Gegenteil, Mainman Andreas Ritter - dessen Einsatz FORSETI erst möglich macht - zerstört mit seinem unflexiblen, teilweise schieftönenden (fast nur) Sprechgesang so gut wie jeden Song.

"Windzeit" klingt wie ein Entwicklungsschritt zu einer guten Band. Gute Ansätze sind in fast jedem Song vorhanden. Besonders die Akustikgitarren und die Violine unterstreichen die beabsichtigte Melancholie. Doch nach den guten Ansätzen fehlt der nächste logische Schritt. Komponieren und die perfekte Umsetzung der Ergebnisse sind Künste, die FORSETI noch nicht gut genug beherrschen.

Noch ein Hinweis für Sammler: Dieses Album erscheint zusätzlich in einer Box, limitiert auf 350 Exemplare. Sie ist in Handarbeit gefertigt und in Leinen gebunden. Sie enthält die "Windzeit" LP, eine 10" EP mit Konzertaufnahmen, eine 7" EP mit zwei exklusiven Liedern und die "Jenzig" EP aus dem Jahr 2000 auf CD.

Jens Koch


Spielzeit: 43:43 Min.

Line-Up:
Andreas Ritter (Gesang/Gitarre/Perkussion/Akkordeon/Melodica)
Daniela Metzler (Querflöte)
Melanie Köhler (Gesang/Gitarre)
Elfe van der Lieth (Gesang/Geige)
Thomas Hansmann (Cello)
Norman Mörstedt (Gitarre)
John van der Lieth (Gesang/Perkussion)
Sebastian Lück (Klavier)
Douglas P. (Gesang)
Label: Goeart / Grunwald

Homepage: http://www.forseti-netz.de

Email: forseti@t-online.de

Tracklist:
01. Verzweiflung
02. Welkes Blatt
03. Sturmgeweiht
04. Letzter Traum
05. Wind
06. Windzeit
07. Herbstabend
08. Einsamkeit
09. Abendrot
10. Black Jena



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