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EMPEROR: Das letzte Kapitel

Interview vom 08.02.2002   drucken senden

EMPEROR: Ihsahn über das neue Album, die Hintergründe der Bandauflösung und die Zukunftsaussichten der einzelnen Musiker...


So ist das mit den berühmten zwei Seiten einer Medaille: Wir freuten uns unheimlich darauf, dieses Interview mit Ihsahn von EMPEROR zu führen, doch der Anlass unseres Gesprächs war nicht unbedingt ein angenehmer: "Prometheus - Of Fire And Demise", das neue, fantastische Album von EMPEROR, wird zugleich die letzte Veröffentlichung der Band sein, da sich die Band danach auflösen wird. Ihsahn will sich PECCATUM voll widmen, während Samoth und Trym sich auf ZYKLON konzentrieren werden. So schließt sich das eine Kapitel an diesem Punkt, während andere ihren Anfang nehmen, wie Ihsahn uns erzählte:

Du hast öfters schon verlauten lassen, dass EMPEROR fortan lediglich als Studioact weiterexistieren werden, und es gab auch Verlautbarungen, dass dies euer letztes Studioalbum sein wird...


Das sind nicht bloß Gerüchte. "Prometheus - Of Fire And Demise" wird definitiv unser letztes Album sein. Die Gründe dafür sind gleichzeitig sehr kompliziert und sehr einfach. Wir fühlen, dass wir alles mit der Band erreicht haben, was in unseren Möglichkeiten lag. Wir haben immer 100 Prozent gegeben, alles, was in uns drin steckte. Und letzten Endes waren wir sehr glücklich, den Zeitpunkt der Auflösung selbst bestimmen zu können. Wenn man unsere Karriere vom kommerziellen Punkt aus betrachtet, sind EMPEROR nun auf dem Gipfel dessen, zu was wir fähig sind, angekommen. Natürlich bekommen wir enttäuschte Rückmeldungen von vielen Leuten, beispielsweise in Interviews oder auch von Fans. Die meisten von ihnen respektieren unsere Entscheidung jedoch voll und ganz und sind froh, dass wir es selbst nicht so schwer nehmen. Mit etwas Abstand betrachtet werden alle hoffentlich vollkommen zufrieden damit sein, was wir auf den vier Alben, dem Livealbum und den EPs erschaffen haben und wie wir danach dies haben ruhen lassen, fortschreiten und uns anderen Dingen zuwenden, ohne dass wir dafür EMPEROR hätten ändern müssen. Ich will nochmals betonen, dass EMPEROR zwar nicht weiter existieren wird, wir als Musiker aber sehr wohl. Manch einer redete schon mit mir, als ob ich knapp davor wäre, zu sterben (lacht).

Du hast nun also vor, dich auf PECCATUM zu konzentrieren?

Ja, wobei wir bei PECCATUM eine ganz andere Arbeitsweise haben. Wir proben und jammen nicht wie eine gewöhnliche Band, sondern gehen anders an die Sache heran. Ihriel hat meines Wissens viele Pläne und Ideen für neue Songs und ist auch sehr motiviert, diese auszuarbeiten. Im Moment ist sie jedoch dabei, ein Soloalbum fertigzustellen, das wiederum in eine ganz andere Ecke geht. Bei mir genießt dieses Projekt jedenfalls die höchste Priorität momentan, außerdem will ich auf eigene Faust mehr machen, bin aber noch unsicher, wie das aussehen wird. Ich würde vermutlich mit Musikern zusammenarbeiten, die aus ganz anderen Richtungen kommen und verschiedene Einflüsse mitbringen. Musik ist etwas so Vielfältiges und es gibt so viele Wege, sie zu erschaffen, weshalb die Auflösung von EMPEROR auch einen gewissen befreienden Aspekt besitzt.

Bei skandinavischen Musikern ist es fast schon zur Regel geworden, dass sie Nebenprojekte am Start haben. Wieso sind diese wichtig? Helfen sie, die Hauptband nicht vom Wege abkommen zu lassen und dennoch neue Einflüsse ausleben zu können?

Natürlich steckt zwar mehr Herzblut dahinter, wenn man eine Band zu seiner Hauptband erklärt. Aber obwohl EMPEROR fast immer im Zentrum bei mir stand und auch am meisten Alben verkaufte, ist mir alle Musik, die ich mache, gleich wichtig. Ich setze also nicht den Schwerpunkt auf ein Projekt und lasse zwei andere nebenher laufen. Trotzdem ist die Rolle, die ich in PECCATUM spiele, gänzlich verschieden zu der, die ich bei EMPEROR inne hatte, da ich bei ersterer Band die Gitarrenarrangements passend zu Ihriels Musik machen muss, was wiederum einen Einfluss auf meine Art, Gitarre zu spielen, hat. Was Samoths und Tryms Nebenaktivitäten angeht: Alles verbindet sich, und es ist eben dieses Zusammenwirken der verschiedenen Leute in der Band, ihre Vorlieben und auch die Unterschiede zueinander, wovon die Band profitiert hat.

Zu welchem Grad waren Trym und Samoth bei eurem neuen Album eigentlich involviert? Texte, Musik und Arrangements gehen schließlich alle auf deine Kappe...

Trym drückte den Drumparts definitiv seinen Stempel auf. Ich bin äußerst zufrieden mit seinem Schlagzeugspiel, da ich lediglich äußerst einfache Grundpattern vorprogrammiert hatte, um ihm eben zu zeigen, was ich mir grob vorstellte. Er trug sehr viel zu der extrem aggressiven und hysterischen Atmosphäre bei, die mir unheimlich wichtig war. Er hatte also großen Anteil am Album. Bei Samoth war es so, dass er mit ZYKLON sehr beschäftigt war. Sie schrieben gerade an neuen Songs und bereiteten sich zugleich auf eine Tour vor. Er und ich arbeiten aber schon seit meinem 13 Lebensjahr zusammen, also länger als mein halbes Leben. Daher kenne ich seine Art zu schreiben und seine Vorlieben sehr gut. Letztlich fiel uns erst zum Schluss auf, dass ich alle Tracks geschrieben hatte, was nicht zuletzt auch damit zusammenhängt, dass ich die Möglichkeit habe, in meinem eigenen Studio zu arbeiten. Das bedeutet aber nicht, dass "Prometheus - Of Fire And Demise" ein Soloalbum von mir ist. Es ist definitiv ein EMPEROR-Album! Ein Soloalbum von mir würde komplett anders klingen. Es kommt bei uns nicht darauf an, wer letzten Endes was macht, sondern darauf, dass die Kommunikation zwischen uns vorhanden ist.

Handelt es sich bei dem Cover um ein weiteres Werk von Gustave Doré?

Wir fanden leider diesmal kein Gemälde von Doré, das den Titel illustriert hätte, doch wir verwendeten immerhin einen Kupferstich, so dass der Stil ähnlich ist. Das Cover zeigt Prometheus als alten Mann, am Boden liegend, wie ihn der Adler auseinanderreißt. Das passt auf der symbolischen Ebene hervorragend zum Konzept und zum Titel des Albums, ebenso wie das dunkle und abstrakte Layout.

Woher kommt die Faszination für Doré?

Die Illustrationen stammen aus einer Bibel, jemand zeigte sie uns und sie passten perfekt zu der pompösen und mächtigen Atmosphäre, die wir mit EMPEROR stets zu erzeugen versucht haben. Eine der Illustrationen landete auf dem Cover der Split-EP mit ENSLAVED und gewissermaßen als Konzept ein Gemälde auf "In The Nightside Eclipse". Ursprünglich war sogar geplant, dieses Bild selbst auszubauen, so dass es ein riesiges Bild ergeben hätte, wenn man alle Cover zusammengelegt hätte. Es kam jedoch anders, da es sich zu einem Markenzeichen von uns entwickelte, Dorés Bilder zu verwenden, zumal sich jedes Mal etwas fand, das das, was uns vorschwebte, darstellte.

Ist das neue Album ein Konzeptalbum?

Mehr oder weniger schon, ja. Die zugrundeliegende Geschichte ist kompakter als bei den vorhergehenden Alben, allerdings mit der Einschränkung, dass die ersten zwei, drei Songs die Story vorantreiben, während sich das in der Mitte des Albums etwas ausfranst, da werden verschiedene Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Gegen Ende wird das Ganze wieder zusammenhängender, als die Person stirbt. Es gibt zwei Erzählperspektiven, mal schreibe ich in der dritten Person, mal aus der Ich-Perspektive des Erzählers. Das hängt mit der Story zusammen, brachte aber auch ein wenig Distanz zwischen den Gesang und die tatsächlichen Ereignisse. Das geschah wohl hauptsächlich unterbewußt meiner Meinung nach, gewissermaßen eine Distanzierung zwischen EMPEROR und mir als Song- und Textschreiber, da dies ja das letzte Album werden sollte.

Was ist eine größere Herausforderung für dich gewesen, eine Konzeptstory auszuarbeiten oder Texte für einzelne Songs zu schreiben?

Zumindest für dieses Album war es einfacher, der Storyline zu folgen, denn Texte zu verfassen ist wohl mit das Schwerste, das es für mich gibt. Mir fliegen Texte nicht zu, ich muss sehr hart um jedes Wort kämpfen. Ich versuche dabei möglichst ehrlich zu sein, gewissermaßen als selbstauferlegte Grenze und Leitlinie. Hinzu kommt die Vorstellungskraft, und am Schluß bringe ich noch verschiedene Symbole mit hinein als Anspielungen auf verschiedene Themenkomplexe, über die ich sonst jeweils komplette Lyrics schreiben könnte.

Auffällig ist, dass du sehr viel Wortmalerei und Metaphern einsetzt, die du selbst entwirfst, beispielsweise sehr kraftvolle Vergleiche mit Naturkräften. Wo nimmst du dafür die Inspiration her?

Ich fühle mich dabei ein wenig als Dieb, der sich bei althergebrachten Traditionen bedient, wenn ich alte Bilder und Symbole benutze, die starke Assoziationen mit sich bringen und von allen nachvollzogen werden können. Es handelt sich also bei mir um eine Mischung aus Erfinden und Weiterverwerten von Mythen und Symbolen, die bereits auf eine Bedeutung festgelegt sind. Das soll zur Atmosphäre und zur Auslegung der Texte beitragen. Aber auch in der Musik selbst illustriere ich gewisse Inhalte. Bei "In The Wordless Chamber" beispielsweise erklingen diese Hörner, die bei jedem von uns Assoziationen wecken. Dabei entsteht ein Kontrast zwischen dem beinahe klaustrophobisch anmutenden Text von "In The Wordless Chamber" und diesem offen wirkenden Element. Texte sind bei mir also stets eine Mischung aus Innovation und starker Inspiration durch Althergebrachtes.

Wieso habt ihr euch für euer Konzept diesmal den Mythos von Prometheus ausgesucht? Was genau interessierte und faszinierte euch dabei?

Wir hatten schon früher Mythen benutzt, die von Luzifer und Ikarus. Nun war Prometheus an der Reihe. Er kommt allerdings nur auf dem Cover und dem Titel direkt vor, in den Lyrics kann man ihn vergeblich suchen. Die Inspiration, den Prometheusmythos zu verwenden, kam vermutlich von Ihriel, da sie viel antike Geschichte studiert und sich sehr intensiv mit griechischer Mythologie beschäftigt. Sie lernt zudem Latein. In der Zeit wurde ich also sehr davon beeinflusst und benützte davon das, was mir hilfreich für meine Zwecke erschien. Prometheus verwendete ich deshalb, weil er wie auch Ikarus und Luzifer eine Figur war, die einen entgegengesetzten Weg einschlug, alle Konventionen mißachtete und letztlich dafür bestraft wurde. Sie alle folgten ihrem Herzen und beugten sich nicht dem Willen der höheren Macht. Sie waren von Natur aus rebellisch und wollten herausfinden, wie weit sie gehen konnten. All dies passte hervorragend zu meinem Konzept, das sich ebenfalls darum dreht, mit Konventionen zu brechen, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen und bereit zu sein, all das, was man gemeinhin als sicher betrachtet, in Frage zu stellen. Es gibt aber auch Anspielungen auf moderne Themen neben den antiken Elementen. Die Symbole spielen dabei auch auf das Ende von EMPEROR an sowie darauf, wie wir als Band uns entwickelt haben, vor allem textlich: die Sachen, die anfangs uns am Herzen lagen, wie sie sich immer wieder geändert haben und wie sie nun zu einem Ende gebracht werden. Nicht zu vergessen ist in dem Zusammenhang der Untertitel des Albums: "Of Fire And Demise". Feuer ist etwas sehr Zerstörerisches und zugleich auch etwas Konstruktives, da es etwas hinterlässt, aus dem Neues entstehen kann.

Die Rebellion gegen einen Gott, um der Menschheit Licht und somit Wissen zu bringen, ist ein ziemlich breitgefächertes Thema, immer wieder taucht dieses Element, heiliges Wissen an die Menschen weiterzugeben und damit den Gott zu erzürnen, in religiösen Schriften auf - Fortschritt durch unkonventionelles Handeln...

Es ist vergleichbar mit den Menschen, die wir heute als Genies bezeichnen. Sie wären keine Genies, hätten sie nicht die vorherrschende Sicht der Dinge zu ihrer Zeit in Frage gestellt. Ein Beispiel ist dafür ja alleine schon der Glaube, die Erde sei eine Scheibe. Unkonventionelles Handeln und das Denken über vorherrschende Grenzen hinaus führen zu Fortschritt, wobei ich damit nicht sagen möchte, dass Fortschritt notwendigerweise etwas durch und durch Gutes ist, da er auch sehr zerstörerische Auswirkungen mit sich bringen kann. Ein Teil der menschlichen Natur ist er aber auf alle Fälle. Wir alle sind gierig, wir wollen immer mehr und bekommen nie genug.

Du hast schon konstruktive und destruktive Seiten angesprochen - ich habe eine sehr interessante Aussage von dir in einem Interview gefunden, in der du meintest, dass Satanismus und das Black Metal-Image anfangs sehr destruktiv auf dich wirkten, dass beides aber sehr konstruktiv wurde ab einem gewissen Punkt, nachdem du dir eine neue Basis gesucht hattest und das herkömmliche Glaubenssystem, mit dem du aufgewachsen bist, losgeworden warst.

Das gleiche kann ich heute von mir behaupten, wenn auch aus anderen Gründen. In gewisser Hinsicht ist das nicht zu weit von der christlichen Moral entfernt mit all den Konventionen und festen Regeln, die einen in der Black Metal-Szene limitieren. Für mich persönlich jedoch lag im Ver- und Befolgen dieses Weges und seinen unkonventionellen Regeln auch eine sehr kreative, konstruktive Quelle für das, was zu tun ich fähig war. So begann ich, mit den entsprechenden Atmosphären und Bildern auf sehr produktive und konstruktive Art und Weise zu arbeiten. Der ganzen Sache wohnt also eine sehr widersprüchliche Natur inne, wie es bei anderen Religionen ebenso der Fall ist, würde ich sagen. Satanismus gilt oft als eine Anti-Religion, doch das könnte auch auf das Christentum zutreffen, gerade wenn man bedenkt, dass viele Leute ihre dunklen Seiten unterdrücken und so das Ganze fast noch bösartigere Formen annimmt. Ich selbst fühle mich weit jenseits von Satanismus und ähnlichen Strömungen, zumindest in ihren konventionellen Bedeutungen. Daher würde ich mich nicht als Satanisten bezeichnen, schließlich kann nicht alles, was ich erfahre und erlebe, in einen satanischen Kontext gepresst werden.

Weil er zu limitierend ist?

Ja, die Grenzen sind zu eng. Ich kann es nachvollziehen, wenn Leute religiös sind, um dadurch Antworten auf ihre Fragen zu finden und die Religion als festen Halt, gewissermaßen als einen Anker der eigenen Existenz brauchen. Inzwischen fühle ich mich ohne dies verlorener. Natürlich hatte ich meine eigenen "Anker", aber da ist immer noch so viel Chaos übrig - wenn man sich da auf gewisse Regeln wie beispielsweise die des Satanismus limitiert, bleiben immer noch zu viele Fragen offen für mich.

Du suchst also weiterhin nach Antworten?

Einerseits sehne ich mich sehr nach Antworten, andererseits fühle ich mich auch sehr eingespannt durch das Alltagsleben, was mir das Gefühl vermittelt, dass ich die wichtigen Fragen vernachlässige. Dies war auch schon ein Thema in EMPEROR-Texten.

Inwiefern betrachtest du dann Satanismus als einen passenden Ausgangspunkt, von dem aus Menschen Dinge in Frage zu stellen beginnen, die sie ansonsten für gegeben nehmen und denen sie keine weitere Aufmerksamkeit schenken würden?

Es ist ein Ausgangspunkt, aber ich finde es wichtig, nicht damit aufzuhören, Dinge in Frage zu stellen. Klar, ich habe Bücher von Crowley, LaVey, Peter Carroll und einigen aus seiner Richtung gelesen und auch vieles über Chaosmagie. Darin fand ich einige überraschende, interessante Gedanken. Manchmal lag dem auch nur die Genugtuung zugrunde, in einem "intellektuellen" Buch Gedanken wiederzufinden, die man so oder ähnlich selbst schon hatte. So etwas inspiriert und bringt einen weiter. Doch als ich ein paar Jahre später all diese Bücher wieder zur Hand nahm, bedeuteten sie mir ganz und gar nicht mehr so viel wie damals. Heutzutage sehe ich sie als eine abgeschlossene Sache an, doch sie waren sehr hilfreich zur Zeit der ersten Lektüre. Trotzdem sollte man auch sie in Frage stellen, was mir jedoch ebenfalls nicht immer vollauf gelingt. So erklärt sich vielleicht, warum ich über das Ausbrechen aus althergebrachten Konventionen und das Infragestellen von allem auf dem neuen Album geschrieben habe: Ich habe vieles davon als Ziel formuliert, als das, was ich als idealer Mensch tun sollte. Doch wie jeder andere auch bin ich nicht frei von Fehlern und Schwächen. Ich denke darüber nach, diese Dinge zu tun, schreibe sie als Ziele nieder, will sie umsetzen, doch das heißt noch lange nicht, dass ich darin besser wäre als andere. Plötzlich alles im großen Stil zu ändern, das muss vielleicht ja auch gar nicht sein, wichtig ist vielmehr, sich bewußt zu machen, dass man irren kann, und gelegentlich innezuhalten, um sich zu prüfen, ob das, was man im Moment tut, überhaupt richtig ist. Dieses Überdenken seiner Handlungen ist ausschlaggebend, finde ich.

Du hast erwähnt, dass Fortschritt und damit Wissenschaft wichtig ist, z.B. dass wir heute die Möglichkeit haben, zu fliegen, während das vor wenigen Jahrhunderten noch als Hexerei gebrandmarkt worden wäre. Aber ist Wissenschaft nicht auch der Natur entgegengesetzt?

Ist es das wirklich? Ist Wissenschaft nicht auf Entdeckungen in der Natur gegründet? Wir können zwar sehr aufwändige Dinge wie einen Computer herstellen, doch schau dir nur alleine mal die Komplexität einer Blume an, wie sie aufgebaut ist, wie sie verschiedene Farben annimmt, um Insekten anzuziehen - das ist ebenfalls sehr komplex, ohne dass wir Menschen irgendetwas damit zu tun hätten. Die Wissenschaft ist für uns das schützende Dach mit seinen Erklärungen, darüber ist die Religion mit den nach wie vor unerklärlichen Phänomenen, Fragen und Problemen. Die Abbildung von Natur - auf Bildern oder Fotos - kann zwar manchmal noch bezaubernder aussehen als das ursprüngliche Motiv. Manchmal ist das Original aber auch jeder Abbildung überlegen, was wiederum ein Grund dafür ist, warum ich die Natur so verehre. Andererseits schaffe ich es aber selbst nicht so oft, wie ich es mir wünschen würde, mir die Zeit zu nehmen, um hinaus zu gehen und die Natur in mich aufzunehmen.

Mehr als jedes andere Genre ist Black Metal mit Klischees in Verbindung gebracht worden, wodurch diese Art von Musik in der Vergangenheit oft die Musiker der Gelegenheit beraubte, sich frei auszudrücken, und auch die Fans wurden dadurch eingeschränkt. Doch nun zeigt sich die Szene offener, nicht mehr so limitiert und grimmig, es gibt Raum für Experimente - wie erklärst du dir diese Veränderung?

Ich finde es zunächst einmal eine gute Entwicklung. Wobei da immer noch der Nostalgiker in mir meint: "Nun, als ich jung war, damals Mitte der Achtziger, hatte man entweder eine einzelne Lieblingsband, die man vergötterte - ich hatte beispielsweise ausnahmslos IRON MAIDEN-Aufnäher auf meiner Kutte - oder man war eben ein Popper". In Zeiten, in denen Leute mal eben zwischen BRITNEY SPEARS und JENNIFER LOPEZ ein wenig METALLICA und LIMP BISKIT dazwischenschieben, könnte das ein wenig zu engstirnig sein (lacht). Aber ernsthaft, ich halte es für extrem wichtig, Musik prinzipiell offen gegenüber zu stehen. Als Musiker wächst glücklicherweise auch in einem die Fähigkeit, sich mit anderen Arten von Musik kritisch auseinanderzusetzen. Ich empfinde es jedenfalls so, dass ich Musik mehr schätzen kann, seit ich selbst Musik mache.

Interview: Claudia Feldmann für INVADER
Übersetzung: Rachendrachen


EMPEROR im vampster-Archiv

Es wurden 13 Artikel zu EMPEROR im vampster-Archiv gefunden.
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EMPEROR: Scattered Ashes – A Decade of Emperial Wrath (11.03.2003)
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EMPEROR: Emperial Live Ceremony (27.04.2000)
EMPEROR: IX Equilibrium (14.04.1999)


Hell of Fame
EMPEROR / ENSLAVED: Split (10.04.2006)


Multimedia
EMPEROR: Live at Wacken Open Air 2006 - A Night of Emperial Wrath [DVD] (26.05.2009)


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