IDES OF GEMINI: Constantinople
IDES OF GEMINIs erstes Lebenszeichen "The Disruption Writ" war bereits ziemlich stark, aber noch nicht ganz ausgereift. Nicht nur durch Schlagzeugerin Kelly Johnston wird "Constantinople" zu einem organischen Ganzen, auch das Songwriting hat sich merklich verbessert. Die vier Stücke der EP finden sich auch auf "Constantinople" und bilden durch leichte Adjustierungen eine nahtlose Einheit mit den neueren Songs. Dennoch scheint es so, als seien sich IDES OF GEMINI erst danach ihres wahren Talents bewusst geworden. "One To Oneness", "Reaping Golden" und vor allem das unglaubliche "Starless Midnight" überwältigen den Hörer durch das so gekonnte Zusammenspiel der Protagonisten. Selbst wenn einige Übergänge in den Songs etwas abrupt wirken, es kann nicht die Magie der Songs an sich brechen.
Das Schlagzeug poltert recht simpel, die Gitarren halten sich von virtuosem Spiel fern - manchmal sind es nur angezerrte Akkorde, die durch einen Song leiten - und der Bass beschränkt sich hauptsächlich auf die Grundtöne. Völlige Reduktion, alles nur, um Sera Timms Stimme Platz zu bieten. Und wie sie ihn nutzt. Ihre raue, warme Stimme schwebt über der Musik, so dass wir endlich verstehen, warum IDES OF GEMINI ihre Musik "Dream Doom" nennen. Wenn sich jemand nur aufgrund ihrer Gesangsperformance ohne wenn und aber in diese Frau verliebt, es sei ihm oder ihr nicht zu verdenken. Langsam, rituell, wie Druiden lassen IDES OF GEMINI die Songs reifen, und sie reifen beim Hörer auch noch nach dem zehnten Hören. Dazwischen zeigt das Trio immer wieder die Zähne: Kurze eingestreute, grimmige Riffs, die schon fast im Black Metal liegen, lassen den Hörer aufhorchen, erzeugen ein weiteres Erschaudern, fallen aber nicht aus dem stilistischen Rahmen.
Das alles klingt ein wenig nach dem Debütalbum von A STORM OF LIGHT, es ist nur viel eingängiger, kompakter, homogener und mit einer viel besseren Stimme versehen. "Constantinople" vermeidet jegliche Länge, kein Lied dauert länger als sechs Minuten, Ballast gibt es keinen. IDES OF GEMINI mögen durch ihr Songwriting im ersten Moment wie blutige Anfänger wirken, aber das täuscht. Und dass man dieses Trio dadurch zu unterschätzen beginnen könnte, ist ein schwerer Fehler. "Constantinople" ist nämlich musikalisch wie textlich unglaublich gut geschrieben, voller Seele und Weitblick. Als würden sie die letzten Tage einer großen Dynastie einleiten, setzen IDES OF GEMINI mit biblischer Schwere und gerechtem, manchmal sogar martialischem Zorn zu einem durchaus diplomatischen Rundumschlag an. Kurz: Ich bin überwältigt.
Veröffentlichungstermin: 1. Juni 2012
Spielzeit: 42:10 Min.
Line-Up:
Sera Timms - Vocals, Bass
Jason Bennett - Guitars, Backup Vocals
Kelly Johnston - Drums, Backup Vocals
Produziert von IDES OF GEMINI
Label: Neurot Recordings
Homepage: http://www.idesofgemini.com
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/IdesofgeminI
Tracklist:
1. The Vessel & The Stake
2. Starless Midnight
3. Slain In Spirit
4. Resurrectionists
5. One To Oneness
6. Reaping Golden
7. Austrian Windows
8. Martyrium
9. Old Believer
IDES OF GEMINI im vampster-Archiv
Es wurden 2 Artikel zu IDES OF GEMINI im vampster-Archiv gefunden.Artikelübersicht anzeigen:
Interview
IDES OF GEMINI: Wir kamen mit einem Knall in diese Welt (23.06.2012)
Live
IDES OF GEMINI am 30. September 2012 im K4, Nürnberg (21.10.2012)

Außerdem hat sie Nieten. Zumindest eine.