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SANKT OTTEN: Sequencer Liebe

CD-Review vom 30.05.2012   drucken senden

cdreview - SANKT OTTEN: Sequencer Liebe"Kann denn Liebe Synthie sein?" fragen SANKT OTTEN. "Wer liebt synthiet nicht," antworten wir. Es bleibt also romantisch bei unserem krautigen Lieblingsduo SANKT OTTEN, wenn auch ein wenig mit Liebeskummer versehen. Nach den "480 Pixeln, die ich an dir liebe" vom letztjährigen Mammutwerk "Gottes Synthesizer" ist es nicht verwunderlich, dass SANKT OTTEN ihrer Linie treu bleiben, um ihre neuesten, mit kleinen Wortspielen versehenen Liebeserklärungen an den Mann oder die Frau zu bringen. Zumindest optisch, denn das Artwork ist wieder mit Bildern von Salusitano Garcia Cruz versehen. Doch so ausufernd und episch ist "Sequencer Liebe", das mittlerweile sechste Album der beiden Osnabrücker, nicht geworden, und das ist genau das Glück an "Sequencer Liebe". Dafür wäre eine lange Spielzeit ein wenig zu bedrückend.

"Sequencer Liebe" verhält sich zu "Gottes Synthesizer" in etwa so, wie es bei ZOMBI mit "Escape Velocity" zu "Spirit Animal" war. Kompakter, kürzer, tanzbarer, leichter im Songwriting, allerdings schwerer verdaulich. SANKT OTTEN sind auf ihrem neuen Album vielleicht simpler und kommen schneller auf den Punkt, benutzen weniger Mittel um ihre Stimmung zu erzeugen. Dennoch gibt es sehr atmosphärische Momente, die hier und da an den Soundtrack zu "Blade Runner" von VANGELIS erinnern, der Titelsong und "Mir bricht die Stimme weg" sind perfekte Beispiele dafür. Der Großteil des Albums besteht aber aus groovenden Liedern wie "Hungrig kann man nicht tanzen" und "Kann den Liebe Synthie sein?", bei denen die Gitarre nur am Rande und mit einer ordentlichen Menge E-Bow vorkommt, der Hauptteil aber aus den üblichen, herrlichen Retrosynthesizern und den treibenden E-Drums besteht. Das würde sogar gute Laune verbreiten, wären nicht so viele Molltöne zu hören.

Es erscheint so, als hätten SANKT OTTEN wirklich Liebeskummer zu verarbeiten, denn nicht nur Songtitel wie "Gestern fand ich alte Tränen", "Die Stadt riecht nach Dir" und "Der heilige Schmerz" muten tragisch an, auch die Musik hat dramatische Momente. Wahrscheinlich ist "Sequencer Liebe" also deshalb mit knapp vierzig Minuten Länge so ausreichend: Es wäre sonst ein schlicht bedrückendes Album geworden. Stattdessen ist SANKT OTTEN ein Trip gelungen, der eine etwas dunklere, aber wie üblich sehr stimmungsvolle Welt zeichnet und den Stil des Duos gekonnt weiter führt. Selbst wenn "Sequencer Liebe" wie das Ende der stilistischen Entwicklung von SANKT OTTEN anmutet, man kann vermuten dass noch mehr Potenzial in den beiden, sehr lieb gewonnenen Protagonisten Stephan Otten und Oliver Klemm steckt. Zumindest hoffen wir das. Und dass es bald ebenso schön weiter geht, wie es mit "Ende Gelände" aufhört.

Veröffentlichungstermin: 1. Juni 2012

Spielzeit: 39:41 Min.

Line-Up:
Stephan Otten - Drums, Programming, Synthesizers
Oliver Klemm - Guitars, Bass Guitar, Synthesizers
Label: Denovali Records

Homepage: http://www.sanktotten.de

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/pages/Sankt-Otten/277019818428

Tracklist:
1. Sequencer Liebe
2. Gestern fand ich alte Tränen
3. Hungrig kann man nicht tanzen
4. Mir bricht die Stimme weg
5. Kann denn Liebe Synthie sein?
6. Die Stadt riecht nach dir
7. Der heilige Schmerz
8. Ende Gelände


SANKT OTTEN im vampster-Archiv

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