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DRAGONFORCE: The Power Within

CD-Review vom 19.04.2012   drucken senden

cdreview - DRAGONFORCE: The Power WithinWo ist Michael Kiske, wenn man ihn mal braucht? Mit der Wunderstimme des UNISONIC-Frontmanns hätte "The Power Within" zu einem Meilenstein des Melodic Speed Metal werden können. Denn DRAGONFORCE haben sich auf ihrem mittlerweile fünften Studioalbum spürbar gesteigert, was das Songwriting angeht. Songs wie "Give Me The Night", "Die By The Sword" und "Cry Thunder" bieten tolle Melodien und schlüssige Strukturen, die schnell ins Ohr gehen, aber gleichzeitig auch beim x-ten Hördurchgang unverbraucht und cool klingen. Für meinen altmodischen Geschmack wirken die Stücke zwar übertrieben tight und hektisch gespielt, aber so etwas kennt man ja auch von Bands wie GAMMA RAY zur Genüge - und es ist freilich ein Markenzeichen von DRAGONFORCE, dessen Grenzen die Band bei "Fallen World" auslotet. Waren die Stücke in der Vergangenheit dabei meistens klar über 6 Minuten lang, brauchen die Songs auf "The Power Within" selten mehr als 5 Minuten, um auf den Punkt zu kommen, was bei der als Gitarrenakrobatik getarnten Reizüberflutung gut für meine geistige und akustische Gesundheit ist.

Nach dem Ausstieg von ZP Threat präsentieren DRAGONFORCE heuer Marc Hudson als neuen Sänger. Er klingt weniger dramatisch als sein Vorgänger, verändert mit seiner Stimme das Klangbild ansonsten praktisch nicht. Seine Gesangsleistung ist durchaus hörenswert, auch wenn ich sein Timbre nicht unbedingt als charismatisch bezeichnen würde. Aber ich würde die Musik von DRAGONFORCE ohnehin nicht als charismatisch beschreiben. Sie ist eben schnell und poliert. Wobei es auch hier mal wieder ein paar Ausnahmen gibt. So gibt es im Mittelteil von "Give Me The Night" auch mal ordentliches Metal-Riffing zur Abwechslung (bevor das obligatorische Sologefrickel über einen hereinbricht). Und "Cry Thunder" fällt mit seinem Midtempo-6/8-Rhythmus ganz klar aus dem Rahmen, ohne dabei alten Fans allzu sehr vor den Kopf zu stoßen. Angesichts so vieler innovativer Elemente ist es wenig verwunderlich, dass es dieses Mal keine Pathos-lastige Ballade zu hören gibt. Die rockige Midtempo-Nummer "Seasons" ist zwar als Bonus-Track im Akustik-Gewand vertreten, bleibt dort aber farblos. Die eigentliche Albumversion des Songs lässt dagegen aufhorchen, wobei auch hier der Verdacht aufkeimt, dass jemand wie der Herr Kiske diesen überdurchschnittlichen Track in eine Melodic-Metal-Granate hätte verwandeln können.

Den einzige Totalausfall stellt das Intro von "Last Man Stands" dar mit Autotune-Gesang und Billigpopfeeling. Doch auch dieses Lied entwickelt sich dann umgehend in eine typische Uptempo-Nummer, für die DRAGONFORCE gleichermaßen geliebt und gehasst werden. Keine Frage, die Band ist ihrem Stil treu geblieben und hat den Sängerwechsel gut überstanden. Hochgeschwindigkeitsgedudel mit ultraklischeehaften Metaltexten dominiert das Geschehen vom Opener "Holding On" über das penetrant fröhliche "Wings Of Liberty" bis hin zum Schluss von "Last Man Stands". Die Keyboards wurden zwar ein Stück zurückgefahren, sorgen aber immer noch dafür, dass True-Metal-Puristen innerhalb von 30 Sekunden panisch die Flucht ergreifen, wenn man ihnen eine zufällig ausgewählte Stelle von "The Power Within" vorspielt. Dass die Band ihr Ding weiterhin unbeirrt durchziehen würde, hatte ich natürlich erwartet. Dass knapp die Hälfte des Albums nachhaltig Substanz hat und mir richtig gut gefällt, ist dagegen schon eine kleine, erfreuliche Überraschung.

Veröffentlichungstermin: 20.04.2012

Spielzeit: 57:19 Min.

Line-Up:
Marc Hudson: Gesang
Herman Li: Gitarre
Sam Totman: Gitarre
Vadim Pruzhanov: Keyboard
Frédéric Leclercq: Bass
Dave Mackintosh: Schlagzeug

Label: Electric Generation

Homepage: http://www.dragonforce.com

Mehr im Netz: http://www.youtube.com/dragonforce

Tracklist:
1. Holding On
2. Fallen World
3. Cry Thunder
4. Give Me The Night
5. Wings Of Liberty
6. Seasons
7. Heart Of The Storm
8. Die By The Sword
9. Last Man Stands
10. Seasons (Akustikversion)



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