BONECRUSHER FEST 2010: THE BLACK DAHLIA MURDER, 3 INCHES OF BLOOD, NECROPHOBIC, OBSCURA, THE FACELESS, CARNIFEX, INGESTED - Tourbericht über die Gigs in Hamburg, Markthalle (10.01.2010AS) und Malmö, KB (11.01.2010AS)
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Die Route ist klar - von Düsseldorf gehts nach Hamburg, um den Gig in der Markthalle zu genießen. Am nächsten Morgen dann ab mit dem Flieger nach Kopenhagen und von dort aus bequem mit dem Zug ins schwedische Malmö, das einen - wie alle Städte an diesem Wochenende - mit frostigen Temperaturen, Eis und Wind willkommen heisst. Immerhin sind die Clubs entweder so nahe am Bahnhof gelegen, dass man mit sämtlichen Fingern ankommt (Beweisstück 1: Markthalle Hamburg), oder aber das Wetter kommt als klar-kalte Winterspaziergangsmotivation daher (Beweisstück 2: KB Malmö).
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| Gitarrespielen, Singen, Merch verkaufen - Steffen (OBSCURA) |
Ebenfalls cool ist das Merchandise-Angebot. Alle Bands haben äußerst reizvolle Preise: Bei OBSCURA gibts das wunderschöne "Cosmogenesis"-Zipperhoodie für 25 Euro, die Girlies, die lang genug sind, dass die Hüfthosenfrau kein Opfer der Roadieritze wird, kosten 10 Euro. NECROPHOBIC haben Shirts mit dem düsteren "Death To All"-Cover à 13 Euro dabei und THE BLACK DAHLIA MURDER fahren farblich, graphisch und angebotstechnisch (DVD, CD, Bekleidung) grad die großen Geschütze auf. Auch THE FACELESS, CARNIFEX, 3 INCHES OF BLOOD und INGESTED haben ihre eigenen Merch-Stände dabei und nicht selten sind es Jungs von den Bands höchst selbst, die den Verkauf schmeissen und den Kontakt zu den Fans nicht scheuen - eine sehr sympathische Einstellung zum Ganzen.
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| Einzählen zum Brutal Death-Auftakt: Lyn (INGESTED) |
INGESTED
Sowohl in Hamburg wie auch in Malmö verzichtet man auf einen lokalen Opener und kommt so wirklich in den puren Genuss des BONECRUSHER FEST-Billings. Das bedeutet, dass INGESTED den Opener des Abends geben und wohl die brutalsten Death Metal-Klänge der Auftretenden zum Besten geben. Vielen Fans sind die Briten dann auch prompt zu hart. In der Hamburger Markthalle tut sich eine rechte Lücke zwischen Bühne und Publikum auf, lediglich vereinzelte Sickfucks tummeln sich im Pit. In Malmö verfallen die INGESTED-Anhänger stattdessen in eine Art wilden Ausdruckstanz und veranlassen die Emo-haft aussehenden Metalcorekiddies zum fluchtartigen Rückzug in Bühnenferne.
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| Röhren über Blut, Kremieren und Sperma: Jason (INGESTED) |
Die Setliste aus den fünf Songs "Contorted perception", "Cremated Existence", "Inter-cranial Semen Injection", "Skinned and fucked" and "Anal Evisceration" stellt das aktuelle Debüt "Surpassing The Boundaries Of Human Suffering" angemessen vor und zeigt, dass sich INGESTED treu geblieben sind und Melodien einen schweren Stand bei ihnen haben. Das dürfte dann auch der Hauptgrund sein, weswegen sie leicht aus dem Rahmen des Billings fallen - den anwesenden Hartgesottenen gefällt´s jedoch an beiden Gigs.
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| Mehr Breakdowns als Griffbrettakrobatik - Cory (CARNIFEX) |
CARNIFEX
Nach dem Opener INGESTED ist es Zeit für die drei Bands, die sich in der Reihenfolge gemäß eines "Rotating Slot"-Plans abwechseln. Will heissen: An einem Abend spielen OBSCURA als zweite Band, am anderen Abend sind sie an dritter Position, während THE FACELESS oder CARNIFEX als zweite Truppe auf der Bühne stehen. Die Spielzeit ist bei allen dreien auf 20 bis 25 Minuten beschränkt - etwas gar kurz ob der Qualität der genannten Bands, aber anders wären die sieben verschiedenen Auftritte zeitlich kaum in einen Abend zu quetschen.
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| Spucken, keifen, brüllen für den Break fucking Down: Scott (CARNIFEX) |
CARNIFEX sind sich der Erwartungen bewusst - und geben sich entsprechend energiegeladen ihren Deathcore / Metalcore-Songs hin. Als Opener wählen die Amis den Titelsong ihres 2008er-Albums "The Diseased And The Poisoned", vom gleichen Output lassen sie auch noch "In Coalesce With Filth And Faith" aufs Publikum los. Diese Songs kommen genauso gut an wie der Track der aktuellen Single "Hell Chose Me". Zum Abschluss kehren CARNIFEX noch zu ihrem 2007er Debüt "Dead In My Arms" zurück und spielen "Lie To My Face". Vom Aufbau her ähneln sich die Songs und ohne Breakdown läuft nix. Fans ziehen die Kalifornier aber auf jeden Fall in ihren Bann. Scott spuckt, keift und brüllt, bei der Saitenfraktion ist volle Bangpower angesagt und Drummer Shawn - inklusive Straight Edge-Tätowierungen an beiden Armen - lässt es sich nicht nehmen, die Sticks zirkusreif zusätzlich kreisen zu lassen und nach Herzenslust mitzubangen. Das Resultat bei CARNIFEX ist eine seriös aufgehetze, erhitzte Meute, die wild im Pit um sich schlägt, tanzt und feiert, dass es einem Angst und Bange wird. Live also definitiv ein passender Vorgeschmack auf THE BLACK DAHLIA MURDER und nächsten Monat kommt zudem das neue CARNIFEX-Album in die Läden.
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| Nimmt die Hände kaum vom Griffbrett: Steve (THE FACELESS) |
THE FACELESS
Während die Reize von CARNIFEX mit dem puren Bauchgefühl nachvollziehbar und in bewegliche Beinarbeit umsetzbar sind, sind THE FACELESS sozusagen die Antipode zu ihren Landsleuten. In Hamburg sind die Kalifornier gleich nach INGESTED dran, in Malmö sind sie die dritte Band des Abends und spielen nach CARNIFEX und der Umbaumusik aus dem Hause DISSECTION (irgendwie erwartet man in Schweden schließlich schwedische Mucke in der Umbaupause). In beiden Positionen zeigt sich die Gegensätzlichkeit, sowohl musikalisch als auch auf die Performance bezogen.
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| Hat als einziger Publikumskontakt: Derek (THE FACELESS) |
Denn so geniale Instrumentalisten THE FACELESS auch sein mögen - ihre Performance birgt keinerlei Spannungsmomente oder Atmosphäre. Steif und konzentriert stehen sie da, frickeln sich einen Wolf ab und erweisen sich als Inbegriff der Tech Death-Metal Truppe. Während die Scheibe "Planetary Duality" zu von Erstaunen ergriffenem Kinnladenrunterfallen führt, ist die Performance von THE FACELESS erschreckend klinisch und fad. Klar sind alle Songs der Setliste - "Coldly Calculated Design", "Ancient Covenant", "Zenochrist" und "An Autopsy" - komplex, unspielbar, CYNIC-NECROPHAGIST-rivalisierend. Aber irgendwie fehlt das Live-Flash, das man analog zum CD-Flash bei THE FACELESS erwartet hätte.
Dem Großteil der Anwesenden sind THE FACELESS denn auch zu kompliziert - diejenigen, die die Songs nachvollziehen können, kann man sowohl in Schweden wie auch in Deutschland an zwei Händen abzählen. Immerhin scheinen die Amerikaner in Malmö schon etwas Performance-freudiger geworden zu sein und die Gitarristen blicken auch mal auf, strecken die Arme in die Höhe und geben sich als menschliche Wesen zu erkennen. Technik bis zum Tod - THE FACELESS. Es wird spannend zu sehen, inwiefern sie ihre Performance im Laufe der BONECRUSHER FEST-Tour zu vermenschlichen wissen.
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| Superbe Gitarrenarbeit: Christian (OBSCURA) |
OBSCURA
Wenn es 2009 eine Band gab, die mit der Überzeugungskraft einer alttestamentarischen Plage den Status "Newcomer des Jahres" für sich beanspruchen konnte, dann sind es OBSCURA aus München. Dem Meisterwerk "Cosmogenesis" bleiben kaum irgendwelche Top10-Albenlisten verschlossen, das Coverartwork macht die Shirts der Band zu beliebter Stagewear (etwa bei ATHEIST, wie man am JALOMETALLI-Festival beobachten konnte) und musikalisch bietet das Quartett eine wahre Ohrenweide des melodiös-progressiven Death Metals.
In Hamburg betreten OBSCURA als zweite kurz nach halb acht die Bühne, in Malmö sind sie als vierte nach 20 Uhr an der Reihe (und man darf sich zur Einstimmung neuere ENSLAVED-Umbaumucke anhören). Bezüglich Sound erwischt das Quartett beide Male keine Niete, man hört die einzelnen Instrumente gut raus und alles ist sauber abgemischt. Dunkelheit, ein bombastisches, kurzes Intro, die Band steht mit dem Rücken zum Publikum - OBSCURA liefern hier also nicht nur Technik, sondern auch ein Maß an Dramatik, das einfach zu einem Konzert gehört.
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| Flitzefinger-Fretless-Bass-Inspirationsquelle: Jeroen (OBSCURA) |
Als Eröffnungssong wählen OBSCURA den süchtigmachenden Opener des "Cosmogenesis"-Albums: "Anticosmic Overload". Leidenschaftlich und energiegeladen stürzt sich das Quartett in seinen Auftritt. Bassist Jeroen ist eine Attraktion für sich, seine sanft-gleitenden Fretless-Läufe eine wahre Offenbarung. Die Bassistenfraktion im Publikum bewegt sich entsprechend zur linken Seite der Bühne, um das Spektakel auch visuell genießen zu können - so fasziniert von einem Bassisten war ich wohl das letzte Mal bei Stefan Fimmers (NECROPHAGIST). Kaum verwunderlich kann sich der Rest der Rhythmusfraktion ebenfalls hören lassen: Drummer Hannes kann selber auf NECROPHAGIST-Erfahrung zurückblicken und harmoniert perfekt mit Jeroen. Das rhythmische Groove-Fundament überzeugt voll und ganz und lässt keinerlei Wünsche offen.
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| Ein Statement gegen Fönfrisuren - Steffen und Christian (OBSCURA) |
Trotz der Rhythmusattraktivität sind die anwesenden Gitarristenwesen wohl primär an der Mitte und der rechten Seite der Bühne anzutreffen. Frontmann Steffen meistert die Doppelfunktion von Gitarrenspiel und Gesang souverän. Dazu hält er den Kontakt zum Publikum zwischen den Songs locker und gewinnend aufrecht. In Schweden führt das schon mal dazu, dass er die Meute auf Schwedisch begrüsst und die Skandinavier darauf hinweist, dass sie den Merchandise auch mit ihrer nach Fisch stinkenden Währung erwerben können. In Hamburg geht nach dem zweiten Track der Setliste - "Choir Of Spirits" - das Snare in die ewigen Jagdgründe ein, doch OBSCURA nehmens mit Humor, auch wenn die erste Reihe "Life Is Life" zu gröhlen beginnt und ein Langhaariger "Setzt ein Statement gegen die Fönfrisuren da hinten" brüllt.
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| Glänzt mit Soli, die Seele haben: Christian (OBSCURA) |
Das ändert jedoch nichts an der Klasse von Songs wie "The Universe Momentum" und "Desolate Spheres", in denen OBSCURA zu jeder Minute ihre Qualitäten unter Beweis stellen und mit reichlich Headbanging ihre Songs präsentieren. Die Gitarrenarbeit ist superb und Saitenhexer Christian glänzt mit zackigem Riffing und perlenden Soli. Leider ist auch OBSCURAs Spielzeit nur kurz und die Münchner schließen sie mit "Centric Flow" ab - ausgerechnet mit dem Song, den man sich locker fünf Mal hintereinander anhören kann, ohne sich dabei zu langweilen. In Malmö brilliert Christian mit einem abschließenden Solo, das genau die Gratwanderung fern des Kitschabgrundes schafft und einfach nur in die Sparte "zauberhaft" eingestuft werden kann. Man vergisst kurz Zeit und Raum - ein Zen-Moment par excellence.
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| Seit 1989 der Drumdämon bei NECROPHOBIC: Joakim Sterner |
NECROPHOBIC
NECROPHOBIC sind zum einen die dienstälteste Band an Bord der Tour, zum anderen sind sie derart fernab der Coretech-Bewegung, dass es wenig erstaunlich ist, dass sich vor ihrem Auftritt der Raum vor der Bühne beträchtlich leert. Diesen Effekt haben sie nicht nur in Oberhausen, sondern auch in Hamburg und Malmö. Im schwedischen KB-Club verziehen sich jedoch nur die eingefleischten Wollmützler weg von der Bühne und die Stockholmer können auf einen gewissen Heimvorteil setzen. Nun trauen sich die Langhaarigen, die Lederjacken- und Kuttenträger weiter nach vorn - selbst ein KISS-Shirt wird ohne Scham getragen - und halten gediegen ihr Bier. So stellt man sich angebracht darauf ein, sich schwedisch todesmetallisch die Kante zu geben.
Das letzte Mal waren NECROPHOBIC im Rahmen der "Hrimthursum"-Tour im November 2006 in Europa unterwegs, nun bestreiten sie also die Promotionsreise mit dem Missionstitel "Death To All". Wie auch schon bei den Auftritten in Milano letzten November und am HELLS PLEASURE-Festival sind die Bühnenaufbauten mit dabei. Zweimal Grabesmauer mit Pentagramm, umkehrtem Kreuz und Schädel müssen schon sein und schaffen eine düstere Atmosphäre auf der Bühne.
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| Magisch und besessen - Frontmann Tobias (NECROPHOBIC) |
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| Satans Saitenschinder: Sebastian |
Für Freude sorgt nicht nur die Performance der Bandmitglieder, sondern auch die abwechslungsreiche Setliste. NECROPHOBIC machen nicht den Fehler, nur Songs von ihrem neuen Album zu spielen, sondern decken alle ihre Schaffensphasen ab. Den Auftakt bildet das wuchtige "Dreams Shall Flesh" (vom "Bloodhymns"-Album), danach gibts gleich noch das Brett "Into Armageddon" (vom "The Third Antichrist"-Output) vor den Latz geknallt. "Revelation 666" ist dann ganz im Sinne von "Death To All" und das darauf folgende "For Those Who Stayed Satanic" zeigt, dass NECROPHOBIC eine neue Hymne in Petto haben, die sämtlichen alteingesessenen Satanisten direkt an die Seele geht - beziehungsweise ein luziferisches Liebespärchen in Malmö zum Rumknutschen zu motivieren gegen Ende des Songs. Ansonsten ist es unmöglich, hier nicht mit Herzblut mitzusingen und die schwarze Flamme in den eigenen Augen lodern zu spüren!
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| Riffen für Luzifer: Johan (NECROPHOBIC) |
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| Tieftongrollen zum Fürchten: Alex |
Mit "Isaz" (vom "The Third Antichrist"-Werk) ist dann gleich eine Live-Première zu hören, die zu überzeugen weiß. Der "Hrimthursum"-Hit "Blinded By Light, Enlightened By Darkness" ist dann wiederum ein sicherer Wert, der seine positive Wirkung auf die Meute nicht verfehlt. Dasselbe gilt für den Klassiker "The Nocturnal Silence", der in der Vergangenheit oftmals den Abschluss eines NECROPHOBIC-Auftritts markierte. Nicht so auf dieser Tour - denn hier ist erst nach dem deftigen "Nailing The Holy One" Schluss. Leider ist das "Fuck You Christ"-Mitsingspielchen noch immer in der Schublade verschwunden und man kann seiner Überzeugung nicht ganz so ausgedehnt wie früher Luft machen. Trotzdem dürfte der abschließende Track wohl nicht nur zu Freude beim Publikum, sondern auch bei THE BLACK DAHLIA MURDER-Trevor sorgen, der das dazugehörige "Darkside"-Album zu seinen absoluten Favoriten zählt.
Wie auch immer - NECROPHOBIC machen aus ihrer stilistischen Außenseiterposition das Beste und legen sowohl in Hamburg wie auch in Malmö zwei phantastische Auftritte hin. Einfach nur sensationell!
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| Hohe Töne und Metal as fuck: Cam (3 INCHES OF BLOOD) |
3 INCHES OF BLOOD
3 INCHES OF BLOOD haben ebenfalls eine gewisse Außenseiterposition, sowohl stilistisch wie auch visuell. Die sich bei NECROPHOBIC nach vorn getraute Metallerbevölkerung bleibt bei den Kanadiern in Bühnennähe und hier und da lassen sich vereinzelte eher Core-affine Fans in den vorderen Reihen ausmachen. 3 INCHES OF BLOOD sind mit ihrem straighten, schnörkellosen Heavy Metal diametral entgegengesetzt zu den zuvor auftretenden THE FACELESS und sowohl der Gig in Hamburg als auch der in Malmö untermauern diesen Fakt.
Sympathisch prollig kommen die Kanadier an beiden Abenden rüber. Irgendwie denkt man bei "Heavy Metal" und "Kanada" unweigerlich an ANVIL, doch 3 INCHES OF BLOOD bedienen sich auch gerne bei Bands wie ACCEPT oder JUDAS PRIEST. Obwohl der Bandname eher auf eine Metalcore-Truppe schliessen liesse, gibt es bei 3 INCHES OF BLOOD keinerlei Motivation, sich hüpfend dem Konzert zu widmen. Mit überzeugter Abwechslungsfeindlichkeit prollen sich die Kanadier durch ihr Set - inklusive doppelläufiger Gitarrenspielereien à la IRON MAIDEN, hoher langgezogener Schreie à la ROB HALFORD zu "Painkiller"-Zeiten und reichlich Testosteron-schwangerer Attitüde. Irgendwie vergisst man während des 3 INCHES OF BLOOD-Gigs geradezu, dass es auch Frauen im Metalbereich gibt (NIGHTWISH? Hä? Nie gehört) und man kann die Truppe geradezu als Personifizierung heterosexueller Metallermännlichkeit sehen.
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| Mit Bass und Groove - Steve (3 INCHES OF BLOOD) |
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| Dynamischer Drummer: Ash |
Diese Begeisterung schlägt dann teilweise auch schon in fast archaische Reaktionen um - etwa in Malmö, als ein begeisterter Anhänger plötzlich sein Hoodie auszieht, um es fahnenähnlich über seinen Kopf kreisen zu lassen. Aber eben, es ist unbestritten: 3 INCHES OF BLOOD machen einfach Laune, machen Spaß. Ernsthaftigkeit, Szenecredibility, technischer Abwechslungsreichtum - drauf geschissen. Hauptsache Metal as fuck.
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| Souveräne Crowd-Control: Trevor (THE BLACK DAHLIA MURDER) |
THE BLACK DAHLIA MURDER
Gegen 23 Uhr ist es dann Zeit für die Headliner der BONECRUSHER FEST-Tour: THE BLACK DAHLIA MURDER. Vor der Bühne wird es gedrängt voll - denn irgendwie sind alle eben doch für die Truppe aus Michigan gekommen. Das nicht nur, weil die Amis mit "Deflorate" ein beachtliches aktuelles Album mit im Gepäck haben, sondern auch, weil sie auf eine gewisse Art und Weise das "kleinste gemeinsame Vielfache" der anderen Bands dieser Tour sind.
Mit anderen Worten: THE BLACK DAHLIA MURDER vereinen in ihrer Musik und in ihrer Performance Qualitäten und Elemente, die man von den anderen sechs Bands an diesem Abend kennt und drücken dieser Mischung am Ende noch mit viel Elan und Energie ihren eigenen Stempel auf. Einen Tick brutale Mitslammen-Motivation à la INGESTED, technische Finessen und ein präziser Drummer (damit dürften die OBSCURA und THE FACELESS-Technikfanatiker zufrieden sein), tüchtige Core-Parts (nach dem Aufwärmprogramm von CARNIFEX), einige straighte Mitbangparts (die selbst eingefleischte 3 INCHES OF BLOOD-Metaller gnädig stimmen dürften) und eine große Handvoll Fingerzeige in Richtung schwedischen Death Metal (zwar mehr Göteborg als NECROPHOBIC, aber auf jeden Fall Schweden). Dazu noch eine große Kelle AT THE GATES und CARCASS - und der THE BLACK DAHLIA MURDER-Klangkoch hat gesprochen.
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| Präzises Drumming: Shannon (THE BLACK DAHLIA MURDER) |
In die nicht-chronologische Setliste streuen THE BLACK DAHLIA MURDER auch Songs der Alben zwischen "Unhallowed" und "Deflorate" ein: "A Vulgar Picture" und "Miasma" nehmen die Anwesenden mit ins Jahr 2005 zu "Miasma"; "Everything Went Black", "What a Horrible Night to Have a Curse" und "Deathmask" stimmen die "Nocturnal"-Zeiten der Band an. Ohne Zweifel eine gut gewählte Setliste, denn sowohl die deutschen wie auch die schwedischen Fans reagieren mehr als positiv auf die Songs von THE BLACK DAHLIA MURDER, egal von welchem Album sie stammen. Positiv aber auf jeden Fall, dass nicht nur einfach das Material einer Epoche abgefeiert wird, sondern alle vier Scheiben gleichermaßen für Freude sorgen.
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| Gute Laune, gute Riffs: Brian (THE BLACK DAHLIA MURDER) |
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| Bewegung ist Pflicht - auf und vor der Bühne (Brian - THE BLACK DAHLIA MURDER) |
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| Harte Mucke, halbnackte Männer: THE BLACK DAHLIA MURDER |
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| Killergrooves: Bart (THE BLACK DAHLIA MURDER) |
Erstens: Wenn AT THE GATES und CARCASS mit mehr zurückkommen als einigen Reunion-Shows, dann weht ihnen aus Michigan ein harter Wind entgegen.
Zweitens: Wie oft kommt es vor, dass ein Tourpackage absolut keine einzige schwache Band hat? Beim BONECRUSHER FEST gibt es sieben Mal überzeugende Kost (vorausgesetzt, man kann mit dem jeweiligen Genre was anfangen), keine blöden Rockstar-Spielchen, nicht zu teuren Merchandise und eine gute Stimmung. Und das gleiche Fazit lässt sich auch dann noch ziehen, wenn man sich das BONECRUSHER FEST drei Mal hintereinander reingezogen hat. Denn das einzige Problem, das man am Abend danach hat, sind diese beiden Fragen: Was höre ich mir heute an? Und wann kann ich mir die Gehörknochen nochmals gepflegt mahlen lassen?
Layout und Fotos: Arlette Huguenin D.
BONECRUSHER FEST im vampster-Archiv
Es wurden 4 Artikel zu BONECRUSHER FEST im vampster-Archiv gefunden.Artikelübersicht anzeigen:
Interview
BONECRUSHER FEST 2010 - Der Vorbericht zur Megatour im Januar von THE BLACK DAHLIA MURDER, 3 INCHES OF BLOOD, NECROPHOBIC, OBSCURA, THE FACELESS, CARNIFEX und INGESTED (08.12.2009)
Live
BONECRUSHER FEST 2010 [Nürnberg, Hirsch - 15. Januar 2010] (27.04.2010)
BONECRUSHER FEST mit THE BLACK DAHLIA MURDER, 3 INCHES OF BLOOD, NECROPHOBIC, OBSCURA, THE FACELESS, CARNIFEX und INGESTED: Trabendo, Paris, 30. Januar 2010AS (03.03.2010)
BONECRUSHER FEST mit THE BLACK DAHLIA MURDER, 3 INCHES OF BLOOD, NECROPHOBIC, THE FACELESS, CARNIFEX, OBSCURA, INGESTED, Budapest: Diesel, 18.01.2010AS (02.02.2010)



























Wir sind ja so schlimm neutral, wir haben gar keine Feinde mehr.