Am Freitag Berlin, am Samstag Dresden - was sich anhört wie ein umgekehrter Schlachtplan der Alliierten aus dem Zweiten Weltkrieg, umschreibt die Route des 8. BLACKLAND FESTIVALs. So spielen an diesem Freitagabend dieselben sechs Bands auf, die einen Tag später in Dresden an einem Benefizfestival auftreten. Während dies eine gute Planung verrät, hapert es in Sachen Zeitplan schon eher. Auch wenn das
K17 berühmt-berüchtigt ist für seinen gnadenlosen Spätbetrieb, so sind sechs Truppen an einem Abend etwas gar viel - zumal das Konzert nicht vor halb acht beginnt. Die am
letzten ASPHYX-Konzert festgestellten Positivpunkte lassen sich indes auch auf diesen Abend übertragen: die Getränkepreise sind moderat (trotz des 1-Euro-Depots), die Security freundlich und bezüglich Sound stimmts ebenfalls. Auch der gut bestückte Merchandisestand erfreut mit Auswahl und Geldbeutelschonender Preispolitik. Das
HAIL OF BULLETS-Shirt gibts für 15 Euro, die aktuelle MCD "Warsaw Rising" greift man sich für einen Zehner und wer seine
THANATOS-Sammlung füllen will, ist ebenfalls an der richtigen Adresse.
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| Gute Performance, aber nur verhaltene Publikumsreaktion: D.A.M.N. |
D.A.M.N. - die Abkürzung steht für DIARY ABOUT MY NIGHTMARES - aus Braunschweig sind an diesem Abend die Opener. Die Death Metal-Formation legt sich tüchtig ins Zeug, sorgt für Bewegung auf der Bühne und die geschmackvoll tätowierte Frontfrau Antonie überzeugt sowohl mit akustischer Brachialität wie auch von der Performance her.
Trotz Groove und einem gewissen melodiösen Schweden-Einschlag reagiert das Publikum lediglich verhalten. Vielleicht liegt es daran, dass die meisten erst eintrudeln und sich erst mal auf Biersuche begeben. Oder aber die Musik der Deutschen könnte einen Tick mehr Eigenständigkeit vertragen, der sie sofort unverkennbar machen würde. Seis drum - aktuelle Songs wie "Across the street" vom Album "Forbidden Anger" walzen ordentlich und für ihren mehr als soliden Auftritt hätten D.A.M.N. ein lautstarkeres Feedback seitens der Meute verdient.
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| Imposantes Bass-Spiel: Raphaell (IMPERIOUS MALEVOLENCE) |
Um 20 Uhr verklingen die letzten Töne
D.A.M.N.s und hastig wird für das brasilianische Trio
IMPERIOUS MALEVOLENCE umgebaut. Dieses steigt nach dem Intro mit "Excruciate" gleich in die Vollen und liefert deutlich brutalere Klänge ab als
D.A.M.N.. Bassist und Frontmann Raphaell wirkt wie eine haarfreie Version von
HATE ETERNALs Eric und begeistert mit flinkem Bass-Spiel, das vom Aussehen und vom Klang her an
ORIGIN erinnert. Wieviel dieses visuelle Posing für die Songs an sich bringt, bleibt fraglich, aber imposant aussehen tut es auf jeden Fall. Entsprechend brutal und routiniert gehts weiter. "Divine disease", "We evoke thee" oder "From chaos shall rise" lassen kein Grashalm stehen, sondern rufen Erinnerungen an
MORBID ANGEL wach. Brutal sind die Brasilianer auf jeden Fall, da ändert auch das "Gitarrensolo-Intermezzo" à la
DEATH nichts dran. Obwohl ein Großteil des Publikums erschlagen wirkt von Songs wie "Leviathan", "Where demons dwell" oder "From flesh to nothingness", kommt der Gedanke auf, dass
IMPERIOUS MALEVOLENCE wohl auch fürs Billing des
MOUNTAINS OF DEATH keine Fehlbesetzung wären. Viva Kreisbanging und Gefrickel, kann man da nur sagen...
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| Holländische Walkürenpower: Marloes (IZEGRIM) |
Gegen neun ist dann zum ersten Mal die Nation am Start, die an diesem Abend mit einem Dreifachgestirn am stärksten vertreten ist: die Niederlande. Den Auftakt machen
IZEGRIM, die ebenfalls mit blonder Frontwalkürenpower aufwarten und sich seit 1996 dem Thrash / Death Metal widmen. Energiegeladen gehen die Gelderländer ans Werk und liefern trotz etwas grellem Gitarrensound eine gute Show ab. Songs wie "Warmonger" und "Angel of demise" des 2002er Albums "
Guidelines for genocide" knallen genauso wie neuere Tracks des "
Tribute to totalitarianism"-Outputs, welches mit "In the name of freedom", "Sword of Damocles" und "Deliverance" vorgestellt wird. Auch der Titeltrack der aktuellen EP "Point of no return" sorgt für Bewegung im Publikum und die leichte Hau-drauf-Seite Richtung
ARCH ENEMY oder
LEGION OF THE DAMNED erweist sich als klarer Pluspunkt für
IZEGRIM. Dieser positive Eindruck bleibt auch bestehen, nachdem die letzten der zahlreichen Nebelschwaden sich verzogen und
IZEGRIM ihren wolfigen Namen erfolgreich von sämtlichen möglichen Black Metal-Assoziationen befreit haben.
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| Grindcorehyperaktivität: INHUME |
Gedanken jeglicher Art bringen danach sowieso die
IZEGRIM-Landsmänner
INHUME zum Verschwinden. Ein eigenes Backdrop kündigt die Grindcore-Mannen an, die kurz darauf mit ihrem sportlich-intensiven Set beginnen. Dennis und Dorus geben sich als wildes Grindcore-Aerobic-trifft-Drillsergeant-Frontduo und brüllen sich erfolgreich durch zackiges Geballer und Mosh-kompatiblere Slam-Parts. Die holländische Hyperaktivität sorgt für gute Stimmung, wenngleich die Bewegungsbereitschaft der Berliner an diesem Abend nicht besonders hoch ist - daran ändern auch die deutschen Ansagen in normaler Stimmlage nichts. Drummer Roel prügelt sich souverän durch die Tracks, Bassist Loek und Gitarrist Ben weder dem Kreisbanging noch dem einen oder anderen
CARCASS-Riff abgeneigt und stilistisch fühlt man sich instantmäßig ans
MOUNTAINS OF DEATH zurückversetzt.
Die Setliste von INHUME berücksichtigt natürlich das dem Underground gewidmete, aktuelle Album "Chaos Dissection Order", das unter anderem mit dem Titeltrack, "Superior existence", "Dismal", "Hate/Kill" und "Illuminati" bewerbprügelt wird. Aber auch das Vorgängerwerk "In for the kill" kommt zum Zug - "Process to decelerate" und "Blood orgy at 7th str." lassen keine Zweifel zu. INHUME holzen sich souverän durch ihre Diskographie und lassen dank Tracks wie "Blood sperm shit" weder das 2000er-Album "Decomposing from inside" noch das erste Tapedemo (vertreten mit "Tiamat") außer acht. Mit "Airplane crash" findet die muntere Grindcore-Zeitreise ein Ende und INHUME können einen überzeugenden Gig für sich verbuchen.
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| Etwas zu prollig: HARMONY DIES |
Mit der Zeit macht sich Müdigkeit in den Knochen breit - dagegen hilft wohl nur ein Blick auf den sympathischen umgekehrten Violinschlüssel auf dem HARMONY DIES-Merchandise und ein Energiedrink. Trinken scheint dann auch das Hauptrezept von HARMONY DIES-Fronter Chris Carl "Keksgrinder" zu sein, der die todesmetallische Mischung aus Geholze und Geprolle mit einer großsen Portion Flüssigem an das Publikum bringt. HARMONY DIES machen ihrem Namen dann auch alle Ehre, erinnern eher brachial etwas an NAPALM DEATH und sind um einen KING DIAMOND-artigen Schrei nicht verlegen.
Klanglich überzeugen die Berliner indes wegen dem matschigen Gitarrensound weniger. Klar bringen ihre vorhersehbaren Riffs die Meute in Bewegung, einen bleibenden Eindruck hinterlassen Songs wie "Narcotic" oder "Illfated" (vom 2003er Album "Impact") oder "Execution" (vom "Don`t Trust"-Output) jedoch nicht. Als Stimmungsmacher für einen Gig sind HARMONY DIES sicherlich passend, nach INHUME wirken die Berliner jedoch etwas allzu farblos.
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| Kaum Verschnaufspausen: Paul Baayens (HAIL OF BULLETS) |
Mitternacht muss es danach schon werden, um endlich in den Genuss von
HAIL OF BULLETS zu kommen. In blaues Licht getaucht zieht es den holländischen Kugelhagel zum Barbarossa-Intro auf die Bühne und kurz darauf lassen
HAIL OF BULLETS ihren persönlichen Death Metal-Sturm auf das Publikum hereinbrechen. Mit klarem, druckvollem Sound im Rücken dreschen die Niederländer so ziemlich alles nieder, was ihnen in den Weg kommt. Das "Ich habe physische Entzugserscheinungen weil ich schon so lange kein
BOLT THROWER beziehungsweise
DISMEMBER-Konzert miterleben durfte"-Metallerherz frohlockt, wenngleich die Songs von
HAIL OF BULLETS ein genügend großes Maß an Eigenständigkeit aufweisen.
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| Absolut souverän: Martin van Drunen (HAIL OF BULLETS) |
Sichtlich gut gelaunt und motiviert widmet sich Frontmann Martin Van Drunen (
ASPHYX) der Publikumsinteraktion. Wie immer geschieht dies auf Deutsch und ohne überflüssiges Tiefgegrummel. Mal erläutert er den historischen Hintergrund eines spezifischen Songs, mal lässt er sich auf spontane Fankommunikation ein. Herausstechen tut die Ansage zum Song "Nachthexen", der O-Ton "mutigen Frauen" der russischen Aviatikmilitärgeschichte. Stimmlich ist der
HAIL OF BULLETS-Frontmann ebenfalls auf der Höhe, klingt tüchtig böse in den Songs und beschwört eine düstere, kriegerische Atmosphäre herauf, so dass man als Schweizerin glatt den heimischen Bunker vermisst.
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| Fühlt und gibt den Beat: Ed Warby |
Der Rest der Band fällt hinter Van Drunen indes nicht zurück. Drummer Ed Warby (
DEMIURG) erfreut mit verlässlichem Beat und authentischem, triggerfreiem Drumsound, Basser Theo Van Eekelen (
THANATOS) harmoniert trotz Bewegungsfreude mit ihm und so ist die Rhythmfraktion ein sicherer Wert im musikalischen
HAIL OF BULLETS-Fundament. Die Gitarristenfraktion aus Paul Baayens (
ASPHYX,
THANATOS), der auch einige tiefe Backing Vocals beisteuert, und Stephan Gebédi (
THANATOS) teilt sich das Geschredder und die wenigen aufschürfenden Melodielinien kompetent auf. Das Sechssaitenduo brettert sich feurig durch die Songs des Debüts "
...Of frost and war". Egal ob "Advancing Once More", "General Winter", "Red wolves of Stalin" oder das bereits erwähnte superbe "Nachthexen" - die Songs gehen ab, die Band spielt mit Leidenschaft und Schmackes und das Publikum dankt es mit frenetischem Headbanging und lautem Applaus.
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| Mit viel Spielfreude unterwegs: Theo van Eekelen und Paul Baayens |
Egal ob
HAIL OF BULLETS sich langsameren Panzerkettenpassagen widmen (beispielsweise mit Gänsehautgitarrenleads im fantastischen "Berlin") oder sich in höheren Temporegionen tummeln - die Live-Umsetzbarkeit von "
...Of frost and war" ist unbestreitbar und resultiert tatsächlich in einer todesmetallischen Sturmfront. Die Ankündigung von neuem Material sorgt in der Meute für mehr als positives Feedback und die gelungene Darbietung von "Warsaw Rising"-Stoff rechtfertigt den Erwerb der Mini-CD als Lake Ladoga-mässige Überlebensnahrung mehr als genug. Wenn
HAIL OF BULLETS nur halb so fleißig sind beim Songwriting wie bei der Live-Umsetzung, dürfte der Nachfolger von "
...Of frost and war" nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Die Wartezeit wollen die Fans indes so kurz als möglich ohne
HAIL OF BULLETS verbringen - statt "Ordered eastward" werden die Niederländer gleich zwei Mal zurück auf die Bühne beordert, um nochmals ihren Death Metal-Kugelhagel auf die Meute niederprasseln zu lassen. Und dies tun sie - mit scheinbar unbegrenzter Energie und Headbanging-Kondition. Ausgeflippt wird auf und vor der Bühne, mit oder ohne Helm - Hauptsache
HAIL OF BULLETS, Hauptsache Death Metal par excellence!
Fotos und Layout: Arlette Huguenin Dumittan
Flyer: Blackland666