JALOMETALLI FESTIVAL, Oulu: 14. - 15.08.2009 – Der halbe Festivalbericht
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| Luzifers Liederbote: Vengeance From Beyond |
Obwohl NIFELHEIM bei strahlendem Sonnenschein spielen, glänzt das Böse zu jeder Sekunde mit seiner Präsenz. "Sodomizer" vom 1994 erschienenen "Nifelheim"-Album brennt wahrlich in der Seele. Zum rhythmischen Herzschlag von Insulter of Jesus Christ gesellt sich der gewohnt bratende, groovende Bass-Sound von Tyrant. Apocalyptic Desolator und Vengeance from Beyond flitzen über ihre Griffbretter als gäbe es kein Morgen. Und Hellbutcher schreit sich die Seele aus dem Leib und verkündet mit Leidenschaft seine dunkle Botschaft. Kein Wunder würden sich nach dem darauf folgenden "Storm Of Satan`s Fire" (ebenfalls vom "Nifelheim"-Album) wohl Heerscharen auf die Warteliste für einen Platz in der Hölle einschreiben - vorausgesetzt, NIFELHEIM haben dort eine permanente Bühnenpräsenz.
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| Teuflische Tiefen: Tyrant |
Diese überbordende Emotion wird auch durch den darauf folgenden "Devil`s Force"-Opener "Deathstrike from Hell" weiter angeschürt, erhitzt und in gleißendes Begeisterungsfeuer verwandelt. Dieses will denn auch kaum verebben, als sich der Gig der Schweden dem Ende zuneigt. Nur eben - die straffe Organisation des JALOMETALLI wird selbst von solcherart Begeisterungsstürmen nicht erschüttert. Im atemlosen Taumel der Befriedigung wird klar: An diesem Festival gibt es eben nur eine Band, die einen solchen wahrhaftigen satanischen Soundsturm erschaffen kann: NIFELHEIM!
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| Elektrisieren: PARADOX |
Nach der blutigen Vollbedienung zieht es einen so gar nicht rein in die große Teatria-Halle. Trotz der Kürze hinterlassen NIFELHEIM ein musikalisches Nachbeben und das freundliche, kühle Wetter lädt ebenfalls zum Draußenbleiben ein. Das bekommen die drin auftretenden PARADOX zu spüren, die vor allem zu Beginn ihres Gigs mit einer eher spärlichen Meute Vorlieb nehmen müssen.
Rein vom Auftreten her erinnert bei den Deutschen wenig an ihre Vergangenheit in den 80er Jahren. Auf der Bühne wird gehüpft, doch musikalisch gibt es zum Glück nix mit -core im Genrewort, sondern eher Riffs, die die frühe Thrash-Ära und die Zeiten, als Power Metal noch nicht mit MAJESTY in Verbindung gebracht wurde, in Erinnerung rufen. PARADOX grooven, flechten hier und da dreckig-rockende Parts ein und lassen sich nicht vom sich zurückhaltenden Publikum beirren. Das aktuelle Album "Electrify" werden nach diesem Gig allerdings sicherlich einige Nasen anchecken...
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| Pure Energie und Spielfreude: Paul Baayens (ASPHYX) |
Danach geht das Quartett über zur Vorstellung ihres aktuellen Albums "Death...The Brutal Way". Natürlich bedeutet dies nicht monotonen Bruddu-Frosch-Death, sondern gut gemachte Abwechslung. Mal tödlich walzend, mal brachial rasend spielen sich die Holländer leidenschaftlich durch neuere Songs wie "Scorbutics", "Death...The Brutal Way" oder "Eisenbahnmörser". Dazwischen streuen sie ältere Lieder wie "MS Bismarck" oder "Forgotten War" und befriedigen so sowohl Anhänger der älteren wie auch neueren Werke. Auch in "Wasteland of terror", "The Rack" und "Last one on Earth" geben sich die Holländer spielfreudig und sind sichtlich mit Spaß an der Sache - man könnte meinen, es hätte gar nie eine Pause vor der Reunion gegeben... Die Riffs sitzen auf jeden Fall, grooven tuts auch und Frontmann Martin hat im Grunzgesang wohl seinen ewigen Jungbrunnen gefunden. Nach "Rite of shades" ist leider Schluss - Zugabengeschrei hin oder her. Stark gespielt - ein klasse Gig!
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| Keine Müdigkeit nach 25 Jahren: Tony Portaro (WHIPLASH) |
Aufgrund dieser fleischfreien Bedürfnisse werden die gestandenen Heavy Metaller WHIPLASH nicht mit voller Aufmerksamkeit genossen. Immerhin, das Gesehene und Gehörte überzeugt, denn die Amis haben irgendwo zwischen Thrash und Heavy Metal ihren ganz eigenen Stil gefunden und können auch die 80er-Nostalgiker von NIFELHEIM offensichtlich zu ihren Fans zählen. Interessanterweise erinnert das Auftreten von WHIPLASH nicht unbedingt an das, was man sich unter "80er Jahre + Metal" vorstellt, vermutlich liegts einfach auch an der Brille von Tony Portaro. Musikalisch überzeugen sowohl neuere Songs à la "Pitbulls in the Playground" und "Feeding Frenzy" vom aktuellen Album "Unborn Again" wie auch Uraltstoff vom "Power and Pain"-Album, das mit "War Monger" berücksichtigt wird. Von WHIPLASH kriegt man zwar kein Schleudertrauma, aber klar ist, dass bei den Amis auch nach 25 Jahren das Feuer im Ofen noch lange nicht aus ist.
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| Bassistengott: Tony Choy (ATHEIST) |
Egal ob Mucke vom "Piece of Time"-Album (etwa "Unholy War"), Songs wie "Mineral" oder "Your Life`s Retribution" - ATHEIST verzaubern und überzeugen. Gitarrist Jonathan Thompson hat sich sichtlich gut eingelebt und spielt, als wäre er zehn Jahre älter. Ruhigere Anfänge münden fließend in schnelle, progressive Parts und ATHEISTs kriegen sowohl für die jazzigen wie auch für die aggressiveren, frickeligen Passagen den passenden Mischpultklang. Kurz nach "Mother Man" bedankt sich der gut aufgelegte Fronter Kelly beim Publikum und lobt die europäische Metalszene dank derer sie auf der just vergangenen Tour (mit OBSCURA und GNOSTIC) so viel Spaß gehabt hätten. Statt Heimwehgefühle also ein fetter Abschlussgig - die richtige Wahl!
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| Drummer mit Seele: Rigo Amezcua (AGENT STEEL) |
Neuere Songs wie "Ten Fists of Nations" oder "Human Bullet" sind denn auch eher in der Minderzahl. Stattdessen gestehen AGENT STEEL, dass sie Backstage eine besonders hartgesottene Fanschar entdeckt haben: NIFELHEIM outen sich als Anhänger der alten AGENT STEEL-Zeiten. Laut Bruce hätten die Nagelmaniacs von alten Zeiten geschwärmt, als "144,000 Gone" in einer schwedischen Radiosendung gespielt worden sei - somit ändern AGENT STEEL kurzerhand ihre Setliste und ernten hierfür nicht nur Begeisterung vom Publikum, sondern auch von den am Bühnenrand stehenden prominenten Illuminati-Fans. Nach "Agents Of Steel" und "Mad Locust Rising" ist dann Schluss. Ein schöner Nostalgietrip gepaart mit Spielfreude - eine runde Sache!
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| Bay Area Power: Ted Aguilar (DEATH ANGEL) |
Um 23 Uhr machen sich dann DEATH ANGEL daran, die Festivaltätigkeiten auf der Außenbühne mittels eineinhalbstündiger Vollbedienung zu beenden. Mehr als nur ein Hauch Hitze bringt die Band aus San Francisco definitiv mit und Fronter Mark hat die Meute von Anfang an unter Kontrolle. Der Sound drückt ordentlich aus den Boxen, Bewegung auf und vor der Bühne ist angesagt, während DEATH ANGEL sich zügig durch älteres Material aus "The Ultra-Violence" und neuere Songs ("Killing Season" lässt grüßen) spielen.
Statt aufgesetzter Evilness gibts Groove und gute Laune und egal welches Album die Kalifornier präsentieren - die Finnen sind hin und weg davon. Auch die Kondition DEATH ANGELs ist beeindruckend - keine Spur von Müdigkeit lässt sich während den 90 Minuten ausmachen, lange Reise hin oder her. Und am Ende hat man schon beinahe die Meeresluft der Bay Area in der Nase...
ELECTRIC WIZARD
Nach DEATH ANGEL geben in der Halle dann noch die Doomer von ELECTRIC WIZARD den Rausschmeisser. Wabernd dröhnt es aus der Halle, aber "Witchcult Today" gibt vielen wohl nicht die Energie zurück, die während DEATH ANGEL verbraucht wurde. Auch wenn das JALOMETALLI FESTIVAL so langsam ausebbt - der Trip nach Oulu hat sich gelohnt. Sauberkeit, gute Organisation (abgesehen vom frühen NIFELHEIM-Gig), fetter Sound, interessantes Billing ohne Kommerzmüll - es lohnt sich, die Mückenseen zu überfliegen und die nördliche Region Finnlands aus metallischen Beweggründen zu besuchen...
Fotos & Layout: Arlette Huguenin Dumittan 
JALOMETALLI im vampster-Archiv
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Ich sehe ein Klavier in meinem Kopf, aber es klingt verzerrt.