SCHANDMAUL, Zehnjähriges Bühnenjubiläum: München, Zenith, 14.11.2008
SCHANDMAUL hatten gerufen und die Fans kamen in Scharen. Ein Event der Superlative sollte es werden. Das zehnjährige Bühnenjubiläum vor einem ausverkauften Zenith zu feiern, ist für eine Band, die sich ihren Erfolg hart erarbeitet hat und mehr oder weniger aus einer Laune heraus entstanden war, eine ziemlich große Sache. Fast 7000 Menschen waren aus allen Ecken des Landes angereist; viele davon mit den zahlreichen Shuttlebussen, die eigens für das Spektakel von Band und Management organisiert wurden. Zusammen mit dem mit dreieinhalb Stunden mehr als üppig angesetzten Programms standen die Zeichen somit allesamt für die vielleicht beeindruckendste SCHANDMAUL-Show der Bandgeschichte. Dass es letztendlich nicht ganz so euphorisch verlief wie die Eckdaten im Vorfeld vermuten ließen, konnte man da noch nicht ahnen. Aber eins nach dem anderen.
Da das Konzert pünktlich um 20 Uhr beginnen sollte, wurden bereits eineinhalb Stunden vor Start die Tore des Münchner Zeniths geöffnet, um dem erwarteten Ansturm standhalten zu können. Als ich selbst um kurz nach sieben an selbigem eintraf, wunderte ich mich zunächst über die nicht vorhandene Menschentraube am Einlass. Der Grund dafür war schnell ausgemacht: Das Sicherheitspersonal winkte die Besucher munter durch die Kontrolle, ohne auch nur einen Besucher genauer abzutasten. Für die draußen wartenden Fans, ob der dort herrschenden Kälte, sicher eine willkommene Maßnahme, wäre jedoch im Anschluss etwas passiert, dann wäre vermutlich die Hölle los gewesen. Wie auch immer, nachdem ich die Halle in Rekordzeit betreten hatte, erwartete mich bereits ein zur Hälfte gefülltes Zenith. Die Bühne wurde durch einen weißen Vorhang verborgen, der mit Unterschriften von Besuchern der "Anderswelt"-Tour geschmückt war. Eine wirklich schöne Geste an die treue Fangemeinde. An den beiden Seiten der Bühne waren Leinwände angebracht worden, die später das Konzert per Video übertragen sollten. Aufgrund der länglichen Ausmaße der alten Zeppelinhalle war dies ein guter und auch notwendiger Service seitens der Band. Um etwa 19:50 Uhr tat sich dann zum ersten Mal was neben der Bühne. Eine Diashow wurde auf die Videowände projiziert, die neben allerlei Pressebildern auch das ein oder andere Privatfoto beinhaltete und so ideal auf das Jubiläum einstimmte. Als schließlich um kurz nach acht die Bildergalerie von einem Countdown abgelöst wurde, war die Stimmung in der Halle am Überkochen. Es ging ein Raunen durch den Saal, als lautstark heruntergezählt wurde…
"3…2…1… und nun?" Was folgte, kann man eigentlich nur als klassischen Fehlstart werten. Anstatt mit Ende des Countdowns durchzustarten, passierte zunächst nichts. Erst lange Sekunden später kündigte ein leises Grollen und der einsetzende Dudelsack das eröffnende "Vor der Schlacht" an, das man rückblickend zweifellos als den schwächsten Opener der SCHANDMAULschen Konzerthistorie bezeichnen darf. Mag der Song an sich durchaus gelungen sein, für einen Start in ein Konzert ist er vollkommen ungeeignet. Zu lahm, zu drucklos, ohne Energie. So fährt man die Stimmung gegen die Wand. Auch das direkt nachgeschobene "Kein Weg Zu Weit" konnte da den Karren nicht wieder aus dem sprichwörtlichen Mist ziehen. Erst bei "Der Hofnarr" war im Publikum wieder mehr Bewegung zu beobachten. So richtig am Ausrasten war die Situation aber nicht - ein Zustand, der sich mehr oder weniger über den gesamten Abend erstrecken sollte. Eigentlich ungewöhnlich für einen SCHANDMAUL-Gig, sind doch die Shows der Folk-Rocker für ihre intensive Atmosphäre und einen nicht zu unterschätzenden Mithüpffaktor bekannt. Hier wurde jedoch lediglich in den vordersten Reihen ausgelassen gefeiert, während es bald dahinter nur noch vereinzelte Grüppchen waren, die sich regelmäßig auf und ab bewegten. Zurückzuführen dürfte dieser Umstand wohl in erster Linie auf den miserablen Sound gewesen sein. Nun ist das Zenith nicht unbedingt für guten Ton während Konzerten bekannt, dass man aber auch dort ein passables Resultat erzielen kann, haben in der Vergangenheit Formationen wie IN EXTREMO oder IN FLAMES bereits mehrfach bewiesen. Das, was allerdings während der Jubiläumsshow aus den hiesigen Boxen schallte, war geradezu katastrophal. Die Gitarre war über große Teile des Abends überhaupt nicht zu hören, weshalb in mir des Öfteren die Frage aufkam, ob Ducky sein Instrument auch wirklich eingestöpselt hatte. Wenn sogar der Bass die Klampfe übertönt, dann kann etwas nicht stimmen und wenn der Sound sogar auf Höhe des Mischpults absolut inakzeptabel ist, wo soll er es dann sein? Die Folge war jedenfalls ein verwaschener, druckloser Ton, der jegliche Energie seitens der Band verschluckte und es ihr so nicht gerade einfach machte, die Hörerschaft mit ihrer Musik mitzureißen.
Die Musiker selbst lieferten eine gewohnt routinierte Performance ab, waren spieltechnisch voll auf der Höhe und hatten sichtlich Freude an der riesigen Masse zu ihren Füßen. Ins rechte Licht gerückt wurden sie dabei neben der gelungenen Bühnendeko vor allem von der fantastischen Lightshow, die nicht nur dank der LEDs im Hintergrund für Staunen sorgte, sondern auch jeden einzelnen Song perfekt in Szene setzte. In optischer Hinsicht gab es also keinen Grund sich zu beklagen. Anders bei den verschiedenen Liedansagen, die größtenteils irgendwo zwischen seichtem Humor und hübsch einstudiert anzusiedeln waren. Mir ist durchaus bewusst, dass man bei einem solch großen Konzert inklusive DVD-Aufzeichnung ungern Risiken eingehen will, aber etwas mehr Spontaneität hätte hier und da sicherlich nicht geschadet.
Bei einer dreieinhalbstündigen Show dürfte die Songauswahl bei einem Großteil der Besucher im Endeffekt nur wenige Wünsche offen gelassen haben. Die mit 38 Titeln (Medleys eingerechnet) gigantische Setlist deckte mit Ausnahme der für meinen Geschmack etwas knapp bemessenen "Wie Pech und Schwefel"-Ära so ziemlich jede Schaffensperiode ausreichend ab, wobei sich mit einer Anzahl von 15 Stücken schon eine Tendenz in Richtung der letzten beiden Studioalben erkennen ließ. Auch die Fans durften bei der Gestaltung selbiger im Vorfeld ein Wörtchen mitreden und ihre zehn Favoriten ins endgültige Programm voten. Da sich dort aber hauptsächlich Klassiker durchsetzten, die ohnehin nicht aus einem Jubiläumsprogramm wegzudenken gewesen wären, lag es an SCHANDMAUL selbst, dem Abend die richtige Würze zu verleihen. Und genau hier liegt der einzige Schwachpunkt der sonst stolzen Setlist: Mit Ausnahme des seit Jahren vergeblich geforderten "Trinklieds" war die Titelauswahl bis hin zu den Zugaben weitgehend überraschungsarm, ja bisweilen sogar sehr vorhersehbar. Unerwartete Momente, wie sie das tolle "Denk an mich" oder eben das Konzert-Highlight "Trinklied" bescherten, gab es viel zu selten. Da hätte ich mir von der Band ein wenig mehr Mut erhofft, auch die ein oder andere B-Seite bzw. seit Jahren verschmähte Nummern wie "Der Spielmann", "Die drei Prüfungen" oder "Stein der Weisen" aufzuführen. Ansonsten gab es den bekannten Querschnitt im XXL-Format, der neben obligatorischen Hits wie "Walpurgisnacht" und "Herren der Winde" auch die erwartete Abschlussballade "Dein Anblick" enthielt, im Gesamtbild aber einen Hang zu gemäßigterem Material offenbarte. Sei es der Akustik-Block bestehend aus "Drei Lieder", "Die Braut", "Teufelsweib" und "Sonnenstrahl", das halbakustische "Geisterschiff" oder einfach eine der zahlreichen Balladen, das Tempo war an diesem Abend selten schweißtreibend. Verdenken kann man es den Bayern nicht, ein Konzert dieses Ausmaßes ist schließlich für beide Parteien Kräfte zehrend genug.
Dafür legte man sich bei den langsameren Nummern besonders ins Zeug. Für den Titeltrack des aktuellen Albums "Anderswelt" hatten SCHANDMAUL einen dreiköpfigen Backgroundchor als Verstärkung eingeladen, welcher bei der darauf folgenden "Königin" für einige Lieder durch zusätzliche Streicher ergänzt wurde. M. Stolz, Benni Cellini (beide LETZTE INSTANZ), sowie Frau Schmitt (SUBWAY TO SALLY) gaben sich die Ehre und machten zusammen mit SCHANDMAUL-Geigerin Anna Kränzlein das Streichquartett komplett, das auch schon während der Akustiktournee der LETZTEN INSTANZ gemeinsam agierte. Im Gegensatz zum leider kaum hörbaren Chor war dies eine sinnvolle Ergänzung, die vor allem bei "Die Goldene Kette" und dem live prächtig funktionierenden "Krieger" einige Akzente setzen konnte.
Dennoch war auch diese instrumentale Verstärkung nicht in der Lage, den fehlenden Drive gänzlich zu kompensieren. So konnte die wieder zur klassischen Besetzung geschrumpfte Formation im späteren Verlauf nicht einmal mit der sonst so intensiven "Sturmnacht" die Menge entfesseln, während der "Feuertanz" leider noch druckloser durch das Zenith schallte, als er es auf CD tut. So war es schlussendlich unvermeidlich, dass die Folk-Rocker mich nach vielen Jahren zum allerersten Mal mit einem seltsamen Gefühl der Enttäuschung zurückließen. Eine Tatsache, die ich mir als ehemals sehr großer Fan der Combo nur schwer eingestehen konnte, aber die Magie war diesmal einfach nicht da. Das lag weder an der großartigen Organisation des Events, für die man Band und Management angesichts des gewaltigen Aufwands Respekt zollen muss, noch an der zu gewöhnlichen, aber trotzdem guten Songauswahl. Die Energie ging schlicht irgendwo zwischen Bühne, Mischpult und Publikum verloren. Das ist einerseits sehr schade, lässt mich aber in Hinblick auf die für April angekündigte Live-DVD hoffen. Denn die Kulisse war beeindruckend und akustische Mängel werden für das Heimrelease wohl auch keine Rolle mehr spielen. Dennoch bleibt das Fazit, dass zwei Stunden Vollgas bei annehmbarem Sound vielleicht das erfüllendere Erlebnis gewesen wäre.
Setlist:
01. Vor der Schlacht
02. Kein Weg Zu Weit
03. Wolfsmensch
04. Hofnarr
05. Missgeschick
06. Leb!
07. Lichtblick
08. Die letzte Tröte / Mitgift
09. Anderswelt
10. Königin
11. Die goldene Kette
12. Drachenmedley (Der junge Sigfrid / Drachentöter / Krieger)
13. Das Mädchen und der Tod
14. Geisterschiff
15. Kalte Spuren
16. Vogelfrei
17. Trinklied
18. Der Kurier
--------------------------------
19. Die drei Lieder
20. Die Braut
21. Teufelsweib
22. Sonnenstrahl
--------------------------------
23. Drum ´n´ Bass-Solo
24. Das Tuch
25. Gebt Acht
26. Herren der Winde
27. Frei
28. Walpurgisnacht
--------------------------------
29. Sturmnacht
30. Seemannsgrab
31. Prinzessin
--------------------------------
32. Feuertanz
33. Der Letzte Tanz
34. Willst Du?
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35. Denk An Mich
36. Dein Anblick
Da das Konzert pünktlich um 20 Uhr beginnen sollte, wurden bereits eineinhalb Stunden vor Start die Tore des Münchner Zeniths geöffnet, um dem erwarteten Ansturm standhalten zu können. Als ich selbst um kurz nach sieben an selbigem eintraf, wunderte ich mich zunächst über die nicht vorhandene Menschentraube am Einlass. Der Grund dafür war schnell ausgemacht: Das Sicherheitspersonal winkte die Besucher munter durch die Kontrolle, ohne auch nur einen Besucher genauer abzutasten. Für die draußen wartenden Fans, ob der dort herrschenden Kälte, sicher eine willkommene Maßnahme, wäre jedoch im Anschluss etwas passiert, dann wäre vermutlich die Hölle los gewesen. Wie auch immer, nachdem ich die Halle in Rekordzeit betreten hatte, erwartete mich bereits ein zur Hälfte gefülltes Zenith. Die Bühne wurde durch einen weißen Vorhang verborgen, der mit Unterschriften von Besuchern der "Anderswelt"-Tour geschmückt war. Eine wirklich schöne Geste an die treue Fangemeinde. An den beiden Seiten der Bühne waren Leinwände angebracht worden, die später das Konzert per Video übertragen sollten. Aufgrund der länglichen Ausmaße der alten Zeppelinhalle war dies ein guter und auch notwendiger Service seitens der Band. Um etwa 19:50 Uhr tat sich dann zum ersten Mal was neben der Bühne. Eine Diashow wurde auf die Videowände projiziert, die neben allerlei Pressebildern auch das ein oder andere Privatfoto beinhaltete und so ideal auf das Jubiläum einstimmte. Als schließlich um kurz nach acht die Bildergalerie von einem Countdown abgelöst wurde, war die Stimmung in der Halle am Überkochen. Es ging ein Raunen durch den Saal, als lautstark heruntergezählt wurde…
"3…2…1… und nun?" Was folgte, kann man eigentlich nur als klassischen Fehlstart werten. Anstatt mit Ende des Countdowns durchzustarten, passierte zunächst nichts. Erst lange Sekunden später kündigte ein leises Grollen und der einsetzende Dudelsack das eröffnende "Vor der Schlacht" an, das man rückblickend zweifellos als den schwächsten Opener der SCHANDMAULschen Konzerthistorie bezeichnen darf. Mag der Song an sich durchaus gelungen sein, für einen Start in ein Konzert ist er vollkommen ungeeignet. Zu lahm, zu drucklos, ohne Energie. So fährt man die Stimmung gegen die Wand. Auch das direkt nachgeschobene "Kein Weg Zu Weit" konnte da den Karren nicht wieder aus dem sprichwörtlichen Mist ziehen. Erst bei "Der Hofnarr" war im Publikum wieder mehr Bewegung zu beobachten. So richtig am Ausrasten war die Situation aber nicht - ein Zustand, der sich mehr oder weniger über den gesamten Abend erstrecken sollte. Eigentlich ungewöhnlich für einen SCHANDMAUL-Gig, sind doch die Shows der Folk-Rocker für ihre intensive Atmosphäre und einen nicht zu unterschätzenden Mithüpffaktor bekannt. Hier wurde jedoch lediglich in den vordersten Reihen ausgelassen gefeiert, während es bald dahinter nur noch vereinzelte Grüppchen waren, die sich regelmäßig auf und ab bewegten. Zurückzuführen dürfte dieser Umstand wohl in erster Linie auf den miserablen Sound gewesen sein. Nun ist das Zenith nicht unbedingt für guten Ton während Konzerten bekannt, dass man aber auch dort ein passables Resultat erzielen kann, haben in der Vergangenheit Formationen wie IN EXTREMO oder IN FLAMES bereits mehrfach bewiesen. Das, was allerdings während der Jubiläumsshow aus den hiesigen Boxen schallte, war geradezu katastrophal. Die Gitarre war über große Teile des Abends überhaupt nicht zu hören, weshalb in mir des Öfteren die Frage aufkam, ob Ducky sein Instrument auch wirklich eingestöpselt hatte. Wenn sogar der Bass die Klampfe übertönt, dann kann etwas nicht stimmen und wenn der Sound sogar auf Höhe des Mischpults absolut inakzeptabel ist, wo soll er es dann sein? Die Folge war jedenfalls ein verwaschener, druckloser Ton, der jegliche Energie seitens der Band verschluckte und es ihr so nicht gerade einfach machte, die Hörerschaft mit ihrer Musik mitzureißen.
Die Musiker selbst lieferten eine gewohnt routinierte Performance ab, waren spieltechnisch voll auf der Höhe und hatten sichtlich Freude an der riesigen Masse zu ihren Füßen. Ins rechte Licht gerückt wurden sie dabei neben der gelungenen Bühnendeko vor allem von der fantastischen Lightshow, die nicht nur dank der LEDs im Hintergrund für Staunen sorgte, sondern auch jeden einzelnen Song perfekt in Szene setzte. In optischer Hinsicht gab es also keinen Grund sich zu beklagen. Anders bei den verschiedenen Liedansagen, die größtenteils irgendwo zwischen seichtem Humor und hübsch einstudiert anzusiedeln waren. Mir ist durchaus bewusst, dass man bei einem solch großen Konzert inklusive DVD-Aufzeichnung ungern Risiken eingehen will, aber etwas mehr Spontaneität hätte hier und da sicherlich nicht geschadet.
Bei einer dreieinhalbstündigen Show dürfte die Songauswahl bei einem Großteil der Besucher im Endeffekt nur wenige Wünsche offen gelassen haben. Die mit 38 Titeln (Medleys eingerechnet) gigantische Setlist deckte mit Ausnahme der für meinen Geschmack etwas knapp bemessenen "Wie Pech und Schwefel"-Ära so ziemlich jede Schaffensperiode ausreichend ab, wobei sich mit einer Anzahl von 15 Stücken schon eine Tendenz in Richtung der letzten beiden Studioalben erkennen ließ. Auch die Fans durften bei der Gestaltung selbiger im Vorfeld ein Wörtchen mitreden und ihre zehn Favoriten ins endgültige Programm voten. Da sich dort aber hauptsächlich Klassiker durchsetzten, die ohnehin nicht aus einem Jubiläumsprogramm wegzudenken gewesen wären, lag es an SCHANDMAUL selbst, dem Abend die richtige Würze zu verleihen. Und genau hier liegt der einzige Schwachpunkt der sonst stolzen Setlist: Mit Ausnahme des seit Jahren vergeblich geforderten "Trinklieds" war die Titelauswahl bis hin zu den Zugaben weitgehend überraschungsarm, ja bisweilen sogar sehr vorhersehbar. Unerwartete Momente, wie sie das tolle "Denk an mich" oder eben das Konzert-Highlight "Trinklied" bescherten, gab es viel zu selten. Da hätte ich mir von der Band ein wenig mehr Mut erhofft, auch die ein oder andere B-Seite bzw. seit Jahren verschmähte Nummern wie "Der Spielmann", "Die drei Prüfungen" oder "Stein der Weisen" aufzuführen. Ansonsten gab es den bekannten Querschnitt im XXL-Format, der neben obligatorischen Hits wie "Walpurgisnacht" und "Herren der Winde" auch die erwartete Abschlussballade "Dein Anblick" enthielt, im Gesamtbild aber einen Hang zu gemäßigterem Material offenbarte. Sei es der Akustik-Block bestehend aus "Drei Lieder", "Die Braut", "Teufelsweib" und "Sonnenstrahl", das halbakustische "Geisterschiff" oder einfach eine der zahlreichen Balladen, das Tempo war an diesem Abend selten schweißtreibend. Verdenken kann man es den Bayern nicht, ein Konzert dieses Ausmaßes ist schließlich für beide Parteien Kräfte zehrend genug.
Dafür legte man sich bei den langsameren Nummern besonders ins Zeug. Für den Titeltrack des aktuellen Albums "Anderswelt" hatten SCHANDMAUL einen dreiköpfigen Backgroundchor als Verstärkung eingeladen, welcher bei der darauf folgenden "Königin" für einige Lieder durch zusätzliche Streicher ergänzt wurde. M. Stolz, Benni Cellini (beide LETZTE INSTANZ), sowie Frau Schmitt (SUBWAY TO SALLY) gaben sich die Ehre und machten zusammen mit SCHANDMAUL-Geigerin Anna Kränzlein das Streichquartett komplett, das auch schon während der Akustiktournee der LETZTEN INSTANZ gemeinsam agierte. Im Gegensatz zum leider kaum hörbaren Chor war dies eine sinnvolle Ergänzung, die vor allem bei "Die Goldene Kette" und dem live prächtig funktionierenden "Krieger" einige Akzente setzen konnte.
Dennoch war auch diese instrumentale Verstärkung nicht in der Lage, den fehlenden Drive gänzlich zu kompensieren. So konnte die wieder zur klassischen Besetzung geschrumpfte Formation im späteren Verlauf nicht einmal mit der sonst so intensiven "Sturmnacht" die Menge entfesseln, während der "Feuertanz" leider noch druckloser durch das Zenith schallte, als er es auf CD tut. So war es schlussendlich unvermeidlich, dass die Folk-Rocker mich nach vielen Jahren zum allerersten Mal mit einem seltsamen Gefühl der Enttäuschung zurückließen. Eine Tatsache, die ich mir als ehemals sehr großer Fan der Combo nur schwer eingestehen konnte, aber die Magie war diesmal einfach nicht da. Das lag weder an der großartigen Organisation des Events, für die man Band und Management angesichts des gewaltigen Aufwands Respekt zollen muss, noch an der zu gewöhnlichen, aber trotzdem guten Songauswahl. Die Energie ging schlicht irgendwo zwischen Bühne, Mischpult und Publikum verloren. Das ist einerseits sehr schade, lässt mich aber in Hinblick auf die für April angekündigte Live-DVD hoffen. Denn die Kulisse war beeindruckend und akustische Mängel werden für das Heimrelease wohl auch keine Rolle mehr spielen. Dennoch bleibt das Fazit, dass zwei Stunden Vollgas bei annehmbarem Sound vielleicht das erfüllendere Erlebnis gewesen wäre.
Setlist:
01. Vor der Schlacht
02. Kein Weg Zu Weit
03. Wolfsmensch
04. Hofnarr
05. Missgeschick
06. Leb!
07. Lichtblick
08. Die letzte Tröte / Mitgift
09. Anderswelt
10. Königin
11. Die goldene Kette
12. Drachenmedley (Der junge Sigfrid / Drachentöter / Krieger)
13. Das Mädchen und der Tod
14. Geisterschiff
15. Kalte Spuren
16. Vogelfrei
17. Trinklied
18. Der Kurier
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19. Die drei Lieder
20. Die Braut
21. Teufelsweib
22. Sonnenstrahl
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23. Drum ´n´ Bass-Solo
24. Das Tuch
25. Gebt Acht
26. Herren der Winde
27. Frei
28. Walpurgisnacht
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29. Sturmnacht
30. Seemannsgrab
31. Prinzessin
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32. Feuertanz
33. Der Letzte Tanz
34. Willst Du?
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35. Denk An Mich
36. Dein Anblick
SCHANDMAUL im vampster-Archiv
Es wurden 39 Artikel zu SCHANDMAUL im vampster-Archiv gefunden.Artikelübersicht anzeigen:
CD-Review
SCHANDMAUL: Traumtänzer (28.01.2011)
SCHANDMAUL: Sinnfonie (02.06.2009)
SCHANDMAUL: Anderswelt (30.03.2008)
SCHANDMAUL: Mit Leib und Seele (20.04.2006)
SCHANDMAUL: Kunststück (16.09.2005)
SCHANDMAUL: Bin unterwegs [Single] (18.06.2005)
SCHANDMAUL: Wie Pech und Schwefel (17.04.2004)
Interview
SCHANDMAUL: ´Irgendwann werde ich Profi!´ (20.05.2004)
Hell of Fame
SCHANDMAUL: Wahre Helden (09.06.2009)
Live
SCHANDMAUL, REINCARNATUS - 10 Jahre Jubiläums Tour 2009 - 01.05.2009 - Stadtgarten, Erfurt (06.10.2009)
SCHANDMAUL & THE SEER: Karlsruhe-Durlach, Festhalle, 02.05.2008 (04.05.2008)
SCHANDMAUL: 1. Oktober 2005, Löwensaal Nürnberg (05.10.2005)
SCHANDMAUL: Oberhausen, T-Club, 28.04.2004 (06.05.2004)
Multimedia
SCHANDMAUL: Sinnfonie [DVD] (31.05.2009)
SCHANDMAUL: Sinnbilder [DVD] (07.12.2008)
SCHANDMAUL: Kunststück [DVD] (16.09.2005)
News
SCHANDMAUL: Hörproben vom neuen Album ´Traumtänzer´, Autogrammstunden & Tour (26.01.2011)
SCHANDMAUL: "Traumtänzer" - Video zu "Geas Traum" (27.12.2010)
SCHANDMAUL: ´Traumtänzer´ - neues Album 2011 (15.10.2010)
SCHANDMAUL: 2010 keine Shows (02.07.2009)
SCHANDMAUL: ´Geisterschiff´ - neuer Video-Clip von ´Sinnfonie´ online (19.05.2009)
SCHANDMAUL: ´Sinnfonie´ - Videoclip online sehen (28.04.2009)
SCHANDMAUL: Widget zur DVD ´Sinnfonie´ (15.04.2009)
SCHANDMAUL: ´Sinnfonie´ in vier Editionen (02.03.2009)
SCHANDMAUL: Jubiläums Open Air Shows 2009 (26.02.2009)
SCHANDMAUL: Neue DVD ´Sinnfonie´ im April (06.02.2009)
SCHANDMAUL: Live-DVD (17.11.2008)
SCHANDMAUL: Dokumentarfilm ´Sinnbilder´ (23.10.2008)
SCHANDMAUL: neues Album ´Anderswelt´ (13.03.2008)
SCHANDMAUL: neues Album ´Anderswelt´ im Frühjahr (07.11.2007)
SCHANDMAUL: im Chat (16.03.2006)
SCHANDMAUL: Neues Album erscheint Ende März (23.02.2006)
SCHANDMAUL: Auftritt mit Orchester (05.12.2004)
SCHANDMAUL: unplugged (30.06.2004)
SCHANDMAUL: in den Charts (06.05.2004)
SCHANDMAUL: Konzert verlegt (28.04.2004)
SCHANDMAUL: Autogrammstunden (21.04.2004)
SCHANDMAUL: Hörproben online (07.03.2004)
SCHANDMAUL: MP3s vorab zum Download (13.08.2002)

Ninja Metal-Konzerte sind vorbei, bevor man sie bemerkt hat.