NIFELHEIM, WATAIN, IMPIETY, SPEARHEAD: Turku: S-Osis, 26.09.2008
Noch keine Kommentare. Kommentar schreiben. ![]() |
![]() |
| Stimmiges Tourposter für die drei Finnland-Gigs von NIFELHEIM und WATAIN |
Dank Taxi erübrigt sich die Fragerei nach dem Weg und das S-Osis stellt sich als Club irgendwo auf der Schwelle zwischen Backstein-Turnhalle und Jugendtreff heraus - gemütlich und alternativ ist das Motto, welches auch die freundliche Security miteinschließt. Ein undefinierter Mief wabert in der Halle, mehrere abgegriffene Sofas dienen als Sitzgelegenheiten und auf der kleinen Bühne geben die jungen Engländer von SPEARHEAD noch die letzten schwarzmetallischen Töne von sich. Immerhin, man merkt, dass hier technische Ambitionen mit am Start sind und nicht einfach willenloses Gebretter zu erwarten ist.
![]() |
| Exotisch und evil: IMPIETY aus Singapur |
Bald darauf ist es Zeit für die Exotenextremisten IMPIETY. Die Nietennagelfraktion schickt mit dem Quartett sozusagen ihre Vorboten aus. Und IMPIETY zeigen gleich, dass ein warmes Klima nicht zu einem Schwund der Evilness führt. Rau und schroff wird old schooliger Black Metal gebrettert, wobei Material von der letzten Full Length "Formidonis Nex Cultus" nicht fehlen darf. Obwohl die Asiaten eine solide Performance hinlegen, merkt man, dass die Soundanlage der Location nicht unbedingt als optimal bezeichnet werden kann. Oft überschlägt der Sound und man ahnt bereits, dass sich dieser Missstand wohl auch auf die Tonqualität bei WATAIN und NIFELHEIM auswirken wird. Das finnische Publikum scheint sich daran indes nicht zu stören und hier und da lässt sich die eine oder andere headbangende Matte ausmachen. Applaus ernten IMPIETY zu Genüge und man merkt, dass die Meute nach mehr satanischer Schwarzmetallkunst dürstet.
Und die bekommt sie auch. In der Umbaupause wird klar, dass WATAIN eine weitere Teufelsmesse abhalten werden und hierbei wiederum mehr Sinne ansprechen als Bands, die sich nur auf verbale, auditive und visuelle Kommunikationskanäle beschränken. So werden Fackeln aufgestellt, Sensen, rote Kerzen, Ketten und das Aufziehen des WATAIN-Backdrops würde jeder Prophet als den Beginn der nahenden Apokalypse werten. Und dann natürlich der olfaktorische Faktor - denn die Blutspuren auf den Effektboards der Gitarristen kommen nicht einfach zufällig dorthin.
![]() |
| Black Metal-Zeremonie: WATAIN |
Fronter Erik eröffnet das Konzert mit rituellen Gesten. Wie immer sind seine zerrissenen Beinkleider und ein Großteil seines Bühnenoutfits mit verrottetem Schweineblut getränkt. Zusammen mit den brennenden Fackeln vermischt sich dieser süßlich-tote Duft zu einem olfaktorischen Unikat. Während dieses die meisten anekeln dürfte, stellt sich nach einigen WATAIN-Konzerten eine Gewöhnung der Nase an die Umstände ein und man möchte die Gerüche dieses heimeligen Satanisten-Barbeques nicht mehr missen.
![]() |
| WATAINs "Stellavore" inklusive Pyro-Inszenierung |
Trotz nicht gerade optimalen Soundbedingungen liefern WATAIN so einen klasse Gig ab, der mit seiner zeremoniellen Note einen ganz eigenen, ergreifenden Reiz hat. Mit "God of Death"-Chören im epischen "Stellavore" und perfekter Pyro-Inszenierung naht das Ende des Auftritts, doch das Gefühl, wieder an einer Messe zur Feier des Höllenfürsten teilgenommen zu haben, verflüchtigt sich auch nicht, als die Lichter im Saal wieder angehen. Klar, dass die nachfolgende Band nicht die gleiche Show abziehen kann. Doch die Kombination WATAIN und NIFELHEIM hat sich schon in der Vergangenheit bewährt, man denke etwa an den geilen Gig in Oslo im Mai dieses Jahres. In Sachen Bühnenrequisiten schalten NIFELHEIM zwar einen Gang zurück - stimmige Kerzen, ein übergroßer Sensemann mit stechend-leuchtenden Augen und das Backdrop mit dem "Envoy of Lucifer"-Coverartwork genügen hier. Aber was an metallischen Utensilien nicht auf die Bühne gestellt wird, trägt das Quintett an Metall auf sich. Wie moderne Gladiatoren, welche nach dem Komplettraub der Nagelnietenläden eines ganzen Kleinstaates ihre Beute auf sich tragen, betreten NIFELHEIM die kleine Bühne zu den bombastischen Tönen ihres Intros.
![]() |
| Saitensatan: Vengeance From Beyond |
Der schwermetallisch behängte Hellbutcher packt sein Publikum von der ersten Sekunde an, formt die Faust, lebt seine Lyrics, kreischt sich feurig die Seele aus dem Leib. Sein Zwillingsbruder Tyrant bearbeitet kompetent die Bass-Saiten und legt mit Drummer Insulter of Jesus Christ ein groovendes Rhythmusfundament. Dass einige der Basslines hierbei unverkennbar von IRON MAIDEN inspiriert sind, macht die Sache nur besser. Die Gitarrenfraktion von Apocalyptic Desolator und Vengeance from Beyond zeigt sich ebenfalls von ihrer überzeugenden, flitzfingrigen Seite und überspielt kleine Unsauberheiten routiniert und mit dem nötigen Schmiss. Die von der Bühne aufs Publikum überschwappende Stimmung ist denn auch ganz anders als diejenige bei WATAIN. Während bei WATAIN eine gewisse Feierlichkeit herrscht, regiert bei NIFELHEIM eine große Portion Rock`n`Roll trifft "Fuck You"-Einstellung ebenfalls mit.
![]() |
| Basslines-Bestie: Tyrant (NIFELHEIM) |
An der Qualität und der Leidenschaft in der NIFELHEIM-Performance können denn auch die suboptimalen Soundbedingungen nichts ändern und so versteht es sich von selbst, dass das Publikum nach mehr verlangt. So kommt die stachelige Satansschar denn auch wieder auf die Bühne zurück, denn es ist längst Usus, dass das Publikum ein von Hellbutcher geäußertes "Fuck You" als Aufforderung für mehr Applaus versteht und eine hingestreckte Faust als freundschaftliche Verbindung zwischen Fan und Musiker verstanden wird. So reisen NIFELHEIM mit "Black Curse" nochmals zurück ins Jahr 1995 und reichen als zweite Zugabe noch "Storm of Satan`s Fire" nach.
Nur schwer lässt das Publikum seine Helden gehen und umso schwerer fällt es, sich nach einem solch feurigen Gig wieder in die finstere, kühle Turku-Nacht zu begeben. Doch die Fahrt mit dem 3-Uhr-Bus wird angesichts seiner Destination rasch zum Gefäß für neue Vorfreude - der nächste Stop der WATAIN / NIFELHEIM-Minitour ist nämlich ebenfalls die finnische Hauptstadt...
![]() |
Fotos und Layout: Arlette Huguenin D.
Tourposter: Band
NIFELHEIM im vampster-Archiv
Es wurden 8 Artikel zu NIFELHEIM im vampster-Archiv gefunden.Artikelübersicht anzeigen:
mehr >>
CD-Review
NIFELHEIM: Envoy Of Lucifer (08.11.2007)
Interview
NIFELHEIM: Ich hasse STRYPER am meisten! (10.11.2007)
livereview
NIFELHEIM, WATAIN, IMPIETY, SPEARHEAD: Gloria, Helsinki (FI): 27.09.2008 (02.10.2008)
NIFELHEIM, WATAIN, ADORIOR: Oslo, Club Maiden, 03.05.2008 (05.05.2008)
News
NIFELHEIM: mit `Thunder Metal`-Wiederveröffentlichung (15.02.2008)
NIFELHEIM: die Trackliste zu `Envoy of Lucifer` (16.10.2007)
NIFELHEIM: Deal bei Regain Records (01.06.2007)
NIFELHEIM: neues Werk in Arbeit (30.05.2007)
NIFELHEIM Bilder & eCards (118)
118 Live-Bilder & eCards zu NIFELHEIM im vampster-ArchivZeige davon 20 Fotos. Klicke auf ein Thumbnail für eine größere Ansicht oder um eine eCard zu verschicken.
Einkaufen
NIFELHEIM bei jpc.de - 2 ProdukteNIFELHEIM bei blackscaped.de - 7 Produkte
zum vampster-Shop »









Wir sind ja so schlimm neutral, wir haben gar keine Feinde mehr.
