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LOWER DEFINITION: The Greatest of All Lost Arts

CD-Review vom 22.07.2008   drucken senden
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cdreview - LOWER DEFINITION: The Greatest of All Lost ArtsZugegeben, auch ich benutze dieser Tage den Terminus "Emo" gerne als Schimpfwort. Ich meine, lauft einfach mal durch eure Innenstadt, oder besucht Freitag abends das örtliche Jugendzentrum. Grauenhaft. Früher war halt alles besser. Zum Beispiel vor fünf Jahren, als THURSDAY mit ihrem Meisterwerk "War All the Time" gezeigt haben, wie kitschfrei, ehrlich und niveauvoll Emocore sein kann. Seitdem war das meiste, was aus dieser Richtung kam, entsprechend der widerlichen Kleidung der Teenie-Monster. Ein Lichtblick am tristen Firmament: LOWER DEFINITION.

Die machen per Definition keinen wirklichen Emocore. Auch keinen Screamo und schon gar keinen Metal. Aber eine sehr interessante Mischung daraus, teilweise sogar geradezu mitreißend. Mit den tollen Gesangslinien von Matt Geise, die teilweise ziemlich schräg und doch fordernd sind, ein wenig wie bei COHEED AND CAMBRIA. Dazu gesellt sich eine eigenartige, vertrackte und sehr anspruchsvolle Gitarrenarbeit zwischen THURSDAY und der permanenten Melodik von SHAI HULUD. Rhythmisch sind LOWER DEFINITION auch nicht von schlechten Eltern, viele Details im Drumming und krumme Rhythmen runden das Bild ab und sorgen dafür, dass Freunde von MY CHEMICAL ROMANCE und Konsorten sich mit Grauen abwenden werden.

Schön ist es dennoch, wie LOWER DEFINITION im besten Song des Albums, "The Ocean, the Beast!", zu Werke gehen und enorme Spannungsbögen erzeugen, so dass man sich in der Musik auch wirklich verlieren kann. Tolle Nummern gibt es einige, wie der Opener "To Satellite", der langsam, aber gewaltig kommt, die verschrobenen Songs "The Choreographer" und "The Ventriloquist", das teilweise erstaunlich ruhige "His Silent Film" und das erstaunlich brutale "The Weatherman". Zwar lassen auch LOWER DEFINITION ihre Hände nicht von Breakdowns, aber in letztgenanntem Song wird mit einer irren Ausdauer darüber gebrüllt, was diesen Part doch erfrischend klingen lässt.

Erfrischend ist leider nicht alles an diesem Album, einige Songs rauschen am Hörer vorbei und bleiben rein gar nicht hängen. Hier agieren die vier jungen Musiker zu konfus und inkonsequent, so dass man irgendwann, auch beim zehnten Hören, abschaltet, siehe "Versus Versace" oder "If We Speak Quietly", sowie das leicht belanglose "Pueblo Cicada". Die anfänglichen Bedenken bezüglich dieser Band lösten sich dennoch bald in Wohlgefallen auf, es ist schön, dass LOWER DEFINITION sich als kreative, offene Einheit präsentieren und Emocore wieder ein ordentliches Gesicht geben, ganz jenseits von Hypes oder Verkaufszahlen. Wer mit dieser Musikrichtung wieder ins Reine kommen will, der soll diesem Album lauschen, auch trotz einiger schwächeren Nummern. In Zukunft erwarte ich so Einiges von den blutjungen Musikern.

Veröffentlichungstermin: 11. Juli 2008

Spielzeit: 43:57 Min.

Line-Up:
Matt Geise – Vocals
Eddy Mashburn – Guitars
Stefan Toler – Bass
Valentino Arteaga – Drums


Produziert von Kris Crummet
Label: Ferret Music

Homepage: http://www.myspace.com/lowerdefinition


Tracklist:
1. To Satellite
2. The Ocean, the Beast!
3. Miami Nights
4. The Choreographer
5. Versus Versace
6. Pueblo Cicada
7. His Silent Film
8. The Ventriloquist
9. If We Speak Quietly
10. The Weatherman
11. Namaskar




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