SPOCK`S BEARD: Live [DVD]
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Welch ein Dilemma! Eigentlich sollte jeder Fan von anspruchsvoller, ergreifender Rockmusik den Opener "On A Perfect Day" gehört und gesehen haben. SPOCK`S BEARD bieten zwar kein Bühnenspektakel wie GENESIS oder PINK FLOYD, doch die Band demonstriert eindrucksvoll, dass epischer Progressive Rock auch im kleineren Rahmen funktionieren kann. Da sitzt jede Note, da passt jedes Fill. Gleichzeitig agieren die Musiker um Welten spielfreudiger als der Großteil der Konkurrenz. Stücke wie "Slow Crash Landing Man", "Thoughts (Part 2)" oder "Walking On The Wind" hinterlassen einen ähnlich starken Eindruck.
Optisch ist die DVD besonders für Musiker interessant, da das Bühnengeschehen bestens eingefangen wurde und man allerlei Details zu sehen bekommt, die man sonst nur aus der ersten Reihe erkennen kann. Mit Jimmy Keegans Stagediving-Einlage und Ryo Okumotos Orgelbesteigung gibt es zwischendurch auch Abwechslung der etwas anderen Art. Der Sound ist erwartungsgemäß gut, während die Bildqualität ein wenig darunter leidet, dass die überwiegend dunkle Kleidung der Musiker - selbst der Meister der schrillen T-Shirts, Alan Morse, trägt Schwarzgrau - vor dem dunklen Hintergrund arg kontrastarm wirkt. Man erkennt trotzdem wesentlich mehr als bei letzten Live-DVD "Don`t Try This At Home".
Die Liedauswahl von "Live" überschneidet sich übrigens so gut wie überhaupt nicht mit der von "Don`t Try This At Home" und "Gluttons For Punishment". Man kann das als Indiz für die Vielseitigkeit der Band werten. Nicht viele Bands können sich derartige Freiheiten in der Setlist erlauben - und sei es nur, weil sie nicht die Zeit und die Nerven haben, die entsprechenden Stücke neu einzuproben. Es macht aber auch deutlich, dass SPOCK`S BEARD weiterhin weit davon entfernt sind, so etwas wie einen Hit (oder gar mehrere) im Programm zu haben. Es gibt haufenweise krumme Takte, Frickelei und Harmonieakrobatik, was im Endeffekt an einigen Stellen unschlüssig wirkt, zumal der Fluss der Stücke durch allerlei Soli unterbrochen wird. Natürlich ist es interessant, Nick D`Virgilio und Jimmy Keegan bei ihrem "Drum Duel" zuzuschauen. Doch die innere Konsistenz, die die Alben aus der Neal Morse-Ära und auch "Octane" besaßen, sucht man auf der DVD vergeblich. In dieser Hinsicht hat "Don`t Try This At Home" ganz klar die Nase vorn, schon alleine weil "The Healing Colors Of Sound" um Längen besser ist als "As Far As The Mind Can See".
Ein weiterer Makel ist die überbordende Instrumentierung. Die Bühne ist mit zwei Schlagzeugen, jeder Menge Keyboards und natürlich den Musikern rappelvoll. Dass die Band es am Ende des Sets trotzdem nötig hat, zusätzliche Stimmen aus der Konserve einzuspielen, ist ärgerlich. In der Vergangenheit haben SPOCK`S BEARD doch selbst eindrucksvoll bewiesen, dass man im Zweifelsfall auch mal zu zweit auf einem Schlagzeug oder einer Gitarre gleichzeitig spielen kann.
Insgesamt bieten SPOCK`S BEARD mit "Live" einen ordentlichen Konzertmitschnitt für Stubenhocker und Die Hard-Fans, zu dessen Höhepunkten sicherlich die permanent gute Laune von Gastdrummer Jimmy Keegan zu zählen ist. Allerdings hat die Band einmal mehr die Chance verpasst, die ultimative Best of-Setlist zu verewigen. Angesichts des breit gefächerten Fangeschmacks und des großen Backprogramms wäre ein solches Unterfangen aber vermutlich eh eine Mission Impossible.
Veröffentlichungstermin: 13.06.2008
Spielzeit: 121:50 Min.
Line-Up:
Nick D`Virgilio: Gesang, Gitarre, Keyboard, Schlagzeug
Alan Morse: Gitarre
Dave Meros: Bass, Keyboard
Ryo Okumoto: Keyboard
Jimmy Keegan: Schlagzeug
Label: Inside Out
Homepage: http://www.spocksbeard.com
Tracklist:
1. Intro
2. On A Perfect Day
3. In The Mouth Of Madness
4. Crack The Big Sky
5. The Slow Crash Landing Man
6. Return To Whatever
7. Surfing Down The Avalanche
8. Thoughts (Part 2)
9. Drum Duel
10. Skeletons At The Feast
11. Walking On The Wind
12. Hereafter (Ryo Solo)
As Far As The Mind Can See:
13. Part One: Dreaming In The Age Of Answers
14. Part Two: Here`s A Man
15. Part Three: They Know We Know
16. Part Four: Stream Of Unconsciousness
17. Rearranged
Medley:
18. The Water
19. Go The Way You Go
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Auf einmal bereue ich es, keinen Schnauzbart zu haben.
