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ROTTEN SOUND, THE OCEAN, VICTIMS und TRAP THEM am 5. April 2008 im Hansa 39, München

Überraschung! Nachdem nicht mal IMMOLATION vor wenigen Wochen ein paar Nasen mobilisieren konnten, war das Hansa 39 bereits bei Ankunft um kurz nach halb 9 gut gefüllt. Das mutige Tourpackage gab den Veranstaltern recht. Die Spanne von anspruchsvollem, modernem Metal bis hin zu dreckigem Crustcore zog Fans unterschiedlichster Couleur an. Punks, Crusties, Death Metaller und natürlich Grinder versammelten sich am Samstag Abend zum gemütlichen Mosh, konnten sich ordentlich austoben und mit den Bands den letzten Tag dieser Tour feiern.

Und das von Anfang bis Ende. TRAP THEM aus Boston stießen bei dem Großteil der Anwesenden auf deutliche Anerkennung. Das Quartett überzeugte mit seinem rockigen, noisigen Hardcore, war kompromisslos, tight und äußerst brutal. Zwischen dem Chaos von CONVERGE und den melodischen Stellen von TRAGEDY pendelnd, gab es sehr intensive 25 Minuten. Die Band war bestens aufgelegt und agierte sehr lebendig auf der Bühne. Schlagzeuger Michael Sharp zerstampfte sein Instrument und Sänger Ryan McKenney kotzte sich die Seele aus dem Leib. Als krönenden Abschluss gab es einen sehr doomigen Abschlusssong und dieser schraubte den Hals vom Kopf. Eindeutig die beste Nummer des Auftritts. Dabei besuchte auch THE OCEAN-Schreihals Nico Webers die Band und legte den Startschuss, dass jede Band des Abends von einer anderen quasi besucht wurde. Gute Schwingungen zwischen den Bands, das erfreut das Herz. Bei richtig gutem Sound blieben keine Wünsche übrig, außer sich sofort alle Alben des Quartetts zuzulegen. Das war der ideale Auftakt für diesen Abend.

Bereits um kurz nach 9 begannen VICTIMS nach kurzer Umbaupause die Bühne zu zerlegen. Dabei war die Band um den ehemaligen NASUM-Bassisten Jon Lindqvist jedoch die einzige Combo des Abends, die nicht wirklich überzeugen konnte. Das Material des Trios war räudiger, rockiger Crustcore mit deutlichem Hardcore-Einfluss, das ging in die Beine, hat auch Spaß gemacht, aber war in Sachen Intensität weit weg von den anderen Bands. Dennoch spendeten gut 150 Besucher viel Beifall, selbst wenn sie sich nicht wirklich zu bewegen vermochten. Ich möchte behaupten, ein typisch-bayerisches Phänomen, was auch Gitarrist Jon bemerkte. Aber ehrlich gesagt, zum Moshen steckten Nummern wie "Scars", "Victims in Blood" oder "This is the End" auch nicht wirklich an. Nach 25 Minuten war auch hier Schluss, genau richtig, um keine Ermüdungserscheinungen aufkommen zu lassen. Unterm Strich dennoch eine gute Show, aber leider nicht annähernd so gut, wie die restlichen Bands des Abends.

Schon bald darauf stürmten THE OCEAN die Bühne, die entgegen den Voraussagen im letzten Interview mit Bandchef Robin Staps doch fröhlich drauf los ballerten. Der Kontrast zu den anderen Bands war dennoch ein großer, denn das Berliner Kollektiv verpackt die Aggression gänzlich anders als ihre Tourkameraden. Schwere und vertrackte Songs waren an der Tagesordnung, die niemals unter der Dreiminutengrenze liegen. Mit "The Long March of the Yes-Men", "The Great Void" und "Legions of Winged Octopi" gab die Band um die beiden Sänger Mike Pilat und Nico Webers fast die ganze EP des neuen Doppelalbums "Precambrian" zum Besten, wobei mir bewusst wurde, dass ich lieber "Aeolian" höre, wenn ich die brutalen THE OCEAN konsumieren will. Doch nach "Hadean / Archean" gab es zunächst einen Ausflug in Richtung "Proterozoic". Mit "For the Great Blue Cold Now Reigns" und "De Profundis" schlichen sich doch ein paar epische Nummern ins Set ein. Hier fiel vor allem auf, dass Mike Pilat nicht nur gut brüllen, sondern bei den klaren Passagen auch immer besser wird. Ansonsten hat sich das Besetzungskarussell mal wieder kräftig gedreht, nicht nur ein neuer Bassist und ein neuer zweiter Gitarrist war anwesend, auch Langzeitdrummer Torge Ließmann wurde durch einen neuen Schlagzeuger ersetzt. Der Musik tat dies jedoch keinen Abbruch, alles war tight und präzise. Und ein besonderes Highlight war, wie der Bassist mit seiner ganzen Masse abging. Nach "The City in the Sea", "One with the Ocean" und dem obligatorischen Überhammer "Queen of the Food-Chain" war auch Schicht im Schacht und die Vorfreude auf den nächsten THE OCEAN-Gig in zweieinhalb Monaten ist erneut groß. Eine echte Ausnahmeband.

Traurig aber wahr, ROTTEN SOUND-Frontmann Keijo verkündete direkt vor ihrem Gig, dass Bassist Toni mit einer Lebensmittelvergiftung ins Krankenhaus gebracht wurde und die Band somit ohne ihn auskommen musste. Gute Energie in Richtung Krankenhaus senden, das war sein Anliegen, bevor es in bester PIG DESTROYER-Art mit "The Effects" und "Prai$e the Lord" vom aktuellen Hammeralbum "Cycles" in die Vollen ging. Erwartungsgemäß fehlte optisch das vierte Bandmitglied enorm, ebenso die derben Bassläufe, welche die Musik komplettierten. Aber wie heißt es so schön? "The Show Must Go On." Entsprechend ließen sich ROTTEN SOUND auch nicht die Laune verderben und schöpften mit "GDP" von "Consume to Contaminate" und "Targets" von "Murderworks" weiter aus den Vollen, so dass es doch noch furios wurde. Kompromisslos, sauer gespielt, mit dem unglaublich derben Gitarrensound des Albums "Cycles" ausgestattet, war diese gut vierzigminütige Schlacht ein einziger Siegeszug. Vor allem weil das brutale Geknüppel immer wieder durch groovige Songs unterbrochen wurde und somit bei niemandem Langeweile aufkam. Erstaunlicherweise brachte das Münchner Publikum sogar einen ordentlichen Pit zustande und einige Stagediver flogen in hohem Bogen von der Bühne. Das Material kam hauptsächlich vom aktuellen Album "Cycles", aber auch der Vorgänger "Exit" kam mit "V.S.A." zur Geltung.

 Zum Abschluss gab es noch eine große Party auf der Bühne zu bestaunen. Zu "Feet First" kamen Leute von TRAP THEM, zu "Units" Mike von THE OCEAN und zu "Victims" erstaunlicherweise Sänger Johann von VICTIMS. Sänger Keijo bemerkte allerdings dazu mit traurigem Unterton: "I only wish, Toni was here." Der abschließende Block, der den Überhammer "Corponations" beinhaltete, wurde schließlich mit TRAP THEM-Gitarrist Mike an der zweiten Gitarre gespielt. Das Set wirkte, als wäre es nur 15 Minuten lang gewesen - sowas kurzweiliges hat München selten gesehen. Zugaben gab es leider keine, aufgrund der Umstände allerdings auch äußerst verständlich.

Kurz vor Mitternacht war dann Feierabend und nach einigen Stunden voller Adrenalinkicks tat die frische Luft danach wirklich sehr gut. Ein schöner Konzertabend mit einem gelungenen Line-Up war das. Hoffentlich machen derartige Tourpackages Schule. Encore!



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Autor-Info
  
Autor:Captain Chaos
Email:Captain Chaos
Datum:07.04.2008



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