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SCHANDMAUL: Wie Pech und Schwefel

CD-Review vom 17.04.2004   drucken senden



cdreview - SCHANDMAUL: Wie Pech und SchwefelGut eineinhalb Jahre nach dem letzten Studioalbum "Narrenkönig" legen die Folk-Rocker nach unzähligen Konzerten und der Live-DVD "Hexenkessel" den Nachfolger vor. Zwar wird bereits beim ersten Hören deutlich, dass es sich eindeutig um SCHANDMAUL handeln muss - die Band ist ihrem ganz eigenen Stil also treu geblieben -, doch irgendetwas ist anders. Ist es der Gesang von Thomas Lindner? Dessen Stimme wirkt zugleich kräftiger und dunkler als zuvor. In einigen kurzen Momenten in nachdenklicheren und düsteren Stücken wie "Klagelied" oder "Das Duell" erkennt man seine Stimme sogar kaum wieder. Oft legt er auch jede Menge Pathos in seine Stimme, man höre etwa das tieftraurige, aber - wie einige andere Songs auch - etwas kitschige "Kalte Spuren". Oder sind es die Instrumentierung und das Klangspektrum? Wo sind die hellen Töne von Flöten und Geige? Ja, sie sind noch da, aber insgesamt ist "Wie Pech und Schwefel" doch gitarrenlastiger und somit auch rockiger und härter ausgefallen, und die hellen Töne, die der Musik eine gewisse Leichtigkeit gaben, wurden ein wenig zurückgeschraubt, so dass die Gesamtstimmung des Albums eher düster und von Schwermut geprägt ist. Dennoch ist das Album sehr homogen: Gitarren, Flöten, Sackpfeifen, Schalmeien, Geigen und Drehleiher harmonieren und ergänzen sich noch besser als in der Vergangenheit, und trotz des etwas dunkleren Grundtenors wurden flotte, eher spaßige und tanzbare Nummern keinesfalls vernachlässigt und wirken auch keinesfalls deplatziert, so dass das Album alles in allem ziemlich ausgeglichen ist.

Zwar braucht "Wie Pech und Schwefel" als Ganzes etwas mehr Zeit als der Vorgänger, bis es so richtig zündet, dennoch birgt es eine ganze Reihe kleiner Schätze mit echtem Hitpotential, die deutlich machen, dass die Band das Gespür für Melodien, die sofort ins Ohr gehen und es dann auch nicht mehr so schnell verlassen wollen, nicht verloren hat. Gleich das erste Lied, "Leb!", gäbe einen guten Nachfolger für das in Gothic/Mittelalter-Discos rauf- und runtergedudelte "Walpurgisnacht" ab mit seinem Wechselspiel von Akustikparts in der Strophe und bratenden Gitarren, über die eine vom Dudelsack gespielte Ohrwurmmelodie bzw. ein nicht minder einprägsamer Refrain gelegt wurde. Das mit truemetallischen Textzeilen ("Seht ihn euch an, so strahlend schön von Kraft gestählt/Er sitzt hoch zu Ross, von Todesmut und Wut beseelt" - man übersetze das mal ins Englische) gespickte, von einer schnellen Flötenmelodie getragene "Drachentöter", das rockige "Das Tuch" oder das extrem tanzbare und flotte "Der Schatz" stehen dem in Sachen Eingängigkeit in nichts nach und zeigen die Band von ihrer humorvollen Seite.
Auf der anderen Seite stehen nachdenklichere, langsamere und schwerere Stücke wie die bereits erwähnten "Klagelied", "Das Duell" (gänzlich ohne E-Gitarren), "Stein der Weisen", "Kalte Spuren" oder "Der Sumpf", die mehr Tiefgang besitzen, aber nicht immer frei von Kitsch sind. Irgendwo dazwischen angesiedelt ist "Der Tyrann", welches sich durch orientalisch anmutende Melodien, harte Gitarrenriffs und eine für mächtig Groove sorgende Rhythmussektion auszeichnet und gegen Ende sogar mit einer kurzen Doublebass-Passage überraschen kann.

SCHANDMAUL zeigen sich auf "Wie Pech und Schwefel" songwriterisch gereift (die Stücke kommen eher auf den Punkt), etwas härter und gleichzeitig nachdenklicher, schaffen es dabei aber stets, ihre spaßige und weniger ernsthafte Seite nicht zu vernachlässigen. Fans der Band werden, wenn sie bereit sind, sich etwas länger als gewohnt mit der Scheibe auseinanderzusetzen, ihre wahre Freude haben an "Wie Pech und Schwefel", für enttäuschte SUBWAY TO SALLY-Fans bietet sich die Band mehr denn je als Alternative an, und auch wer mit der Band bisher noch nicht in Berührung gekommen sein sollte, aber mit folkig bis mittelalterlich geprägter Rockmusik etwas anfangen kann, kommt an "Wie Pech und Schwefel" nicht vorbei, einem Album, dessen Zauber man sich nur schwer entziehen kann.

Veröffentlichungstermin: 26.04.2004

Spielzeit: 63:00 Min.

Line-Up:
Thomas Lindner - Gesang, Akustik-Gitarre, Akkordeon
Birgit Muggenthaler - Flöten, Dudelsäcke, Schalmei
Martin Duckstein - Gitarren
Anna Kränzlein - Geige, Drehleier
Stefan Brunner - Schlagzeug, Percussion
Matthias Richter - Bass

Produziert von Thomas Heimann-Trosien
Label: F.A.M.E. Recordings

Hompage: http://www.schandmaul.de


Tracklist:
1. Leb!
2. Drachentöter
3. Tyrann
4. Kalte Spuren
5. Geisterschiff
6. Das Tuch
7. Stein der Weisen
8. Der Sumpf
9. Das Duell
10. Die Flucht
11. Der Schatz
12. Reich der Träume
13. Klagelied
14. Verbotener Kuss
15. Folk you



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